«W«L- 274 SML. tums sein, so wie die innere Auszierung, die jetzt hie und da ganz den Geschmack unseres Zeitalters zeigt. Jedes Haus müßte durch Bepflanzung mehr abgesondert, verborgen und beschattet erscheinen. Hier würde ich den Platanus, der schon in Griechen ­ land vor den Hallen der alten Philosophen seine Schalten verbreitete, wieder grünen lassen, die Wohnungen des Sokrates und des Plato, die eben abgerissen und zerstreut liegen, müßten, mehr herabgezogen, mit den anderen Häusern in eine nähere Angrenzung gebracht werden. Jede Woh ­ nung müßte die Werke des Philosophen in der besten Ausgabe enthalten. Eine solche Einrichtung würde nicht bloß mehr angemessene Verzierung und mehr Täuschung, sondern auch selbst mehr Veranlassung zur Unterhaltung des Geistes mit den Schriften der alten Weisen in der Einsamkeit geben." Wenn außer der Eremitage des Sokrates im Philosophentale noch ein Denkmal überkommen ist, so liegt das daran, daß zu seinem Bau dauer ­ hafteres Material verwendet wurde. Die Grotte der Sibylle, die ihren Platz in geringer Entfernung nördlich der Demokrit-Siedelei hat, ist in Tuffstein hergestellt. Sie besteht aus einem in den Berg getriebenen Stollen, der von einem Tonnengewölbe überdeckt wird und in einem schlichten Rundbogen- portal nach dem Tale zu sich öffnet. Der hintere Teil des Ganges, der irrtümlich mit der Löwen ­ burg in Zusammenhang gebracht wird, ist durch einen Tagesbruch verschüttet, so daß nur noch eine Länge von etwa 7 Meter zugänglich ist. Was die Grotte ehedem enthielt, verrät auch Hirschfeld nicht, der die „Höhle" als „tief, dunkel, feierlich furchtbar" bezeichnet, „wie es sich für eine Wahr ­ sagerin schicket, die in der Nacht der Zukunft forscht und mit Schicksalen schreckt, die noch nicht herein ­ gebrochen sind." Doch muß wohl eine Statue am Ende des Ganges vorhanden gewesen sein, da 1799 die Rede davon ist, daß „man der Cumäjschen Sibylle in ihrer 100 Fuß tiefen dunkelen Grotte, mit Hülfe eines Lichtes, einen Besuch machen kann". Von 1779 bis 1782 dauerte der Bau des Stollens, zu dem Bergleute, Maurer und Zimmerleute heran ­ gezogen wurden. Ob der „Tempel der Sibylle" mit der Grotte gleichbedeutend ist, kann zweifel ­ haft erscheinen, da 1780 in einem Rechnungsbelege die Grotte neben dem Tempel erscheint. Möglich, daß die über dem Stollen gelegene kleine Aus ­ buchtung der Bergnase, anscheinend ein Steinbruch, der mit dem Tagesbruch des Stollens in Ver ­ bindung steht, ehedem ein tempelartiges Bauwerk trug. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß Landgraf Karl sowohl den Tempel der tiburtinischen Sibylle in Tivoli als auch die Grotte der cumäischen Sibylle bei Neapel aufgesucht hatte und ent ­ sprechende Notizen in sein Diarium Italicum auf ­ nehmen ließ, und es darf wohl als wahrscheinlich angenommen werden, daß Friedrich II. 1777 bei seiner Anwesenheit in Italien dieselben Punkte aufsuchte, für die sich der Großvater interessiert hatte. Daß man die Statuen der Sibylle, des Sokrates, des Anaxagoras und Plato, deren Herstellung 1782 Heyd besorgte, mit den gleichnamigen Bauten in Verbindung zu bringen hat, ist fraglich, da im selben Jahre der gleiche Bildhauer auch die Stand ­ bilder des Demosthenes und Lykurgus lieferte, von deren Behausungen nichts bekannt ist. Nördlich vom Philosophental lag das Tal des Peneus, das annähernd dieselbe Richtung wie jenes hatte. Durchflossen wurde es von dem Wasser ­ lauf, der aus dem Bassin vor der Plutogrotte sich ergoß, um in das große Becken am Bowling- green einzumünden. Auf dem rechten Ufer befand sich, etwa in der Mitte zwischen dem späteren Aquä ­ dukt und Fontänenbassin, im „Peterswäldchen", die Eremitage des Peter, die offenbar in derselben Art gehalten wie die Siedeleien des Philosophen ­ tales, auf den Lageplänen als kleiner Bau von rechteckigem Grundrisse verzeichnet ist, bis 1800 sich nachweisen läßt, in Ansichten jedoch nicht über ­ kommen zu sein scheint. Vermutlich aber besaß die Hütte alle jene Ausstattungsstücke, die zu einer kunstgerechten Einsiedelei gehörten, eine Bank, einen Altar, das Bild des Schutzheiligen und ein Glöckchen. Diese Attribute wenigstens verlangt Hirschfeld, auf den die Peterseremitage einen befriedigenden Ein ­ druck machte. „Seine Einsiedelei ist im echten Stil erbaut und täuschend verziert. Er selbst sitzt, eine Figur in Lebensgröße, in der Kleidung eines Walderemiten, und hat eine Karte, worauf die Wege in seinem Walde gezeichnet sind, und wo er zu suchen scheint, um den Rittern den Pfad zum Hause der Armide zu weisen. Um die Ein ­ siedelei erblickt man ein schönes waldigesMnd an ­ gepflanztes Revier, verschiedene hervorspringende und verschließende Gruppen. Eine Szene, die gut erfunden und angeleget ist." Das erwähnte Haus der Armide lag der Klause schräg gegenüber auf der linken Seite des Baches, aber schon auf dem ansteigenden Gelände der Berg ­ lehne. Auch diese Anlage findet Hirschfelds Beifall, wenngleich sie ihm nicht „mit den übrigen Auf ­ tritten, besonders mit den aus dem Altertum, in einer näheren Verbindung" zu stehen schien. „Die Geschichte hatte das Romanhafte, das die Ein ­ bildungskraft so ganz bezaubert und dahin reißt, und scheint hier, mehr ihrem Interesse als der Zeit nach, mit den übrigen Gegenständen verbunden