261 Lennox will ihn nicht stören; er verläßt leise das Haus, um in seine warmen und eleganten Zimmer zurückzukehren. — — — Aber Donald Quentin schläft weiter, immer weiter, für ihn gibt es kein Erwachen, keine Triumphe mehr! Ter Mond, der langsam hervortritt, wirst sein sanftes silbernes Licht auf Quentins Antlitz. Der Kopf ist etwas zurückgesunken, der Mund ein wenig geöffnet, — ein stiller Friede hat sich über seine Züge gebreitet. — Den Frieden hat er erlangt, aber nicht den Frieden, nach dem er so sehnsüchtig getrachtet hat! — — — Aus alter und neuer Zeit Die Statuen am Bowlinggreen der Karlsaue bei Kassel. Die ausgedehnte Gras ­ fläche, die sich vor der Hanptfront des Orangerie ­ schlosses in der Karlsaue bei Kassel befindet, führt gleich manchen ähnlichen an andern Orten den englischen Namen Bowling-green, deutsch Kegel ­ platz. Zu hessischen Zeiten hat dieselbe manche glänzende Heerschau gesehen, auch heute wird sie noch öfter zu militärischen und verwandten Übungen und Schaustellungen benutzt. Auch der bis Ansang der 80er Jahre und dann wieder in 1895 ver ­ anstaltete Festzug am Sedantage bewegte sich dahin. Ter Bowlinggreen wird von einer Anzahl Statuen umkränzt, die früher andere Standorte hatten. Über ihre Geschichte und Bedeutung sei hier einiges mitgeteilt. Wohlgemeinten Berichtigungen wird dabei gern entgegengesehen. An der Stelle der dem Friedrichsplatze zugewandten Südseite des jetzigen Gartens der Kriegsschule sowie der darau stoßenden katholischen Kirche und des Gebäudes der Kriegsschule befand sich eine sehr starke Bastion der unter dem Landgrafen Wilhelm IV. dem Weisen angelegten Festungswerke, der sog. Zeug- mantel. Sein Sohn und Nachfolger Moritz der Gelehrte legte bald nach seinem Regierungsantritte in dem freien Raume zwischen der genannten Bastion und dem Schlosse (also im jetzigen Garten der Kriegs ­ schule), welcher bis dahin zum Teile zum Bären ­ graben benutzt worden war, für die Ritterspiele littb ähnliche Sportübungen der vornehmen Jugend in damaliger Zeit eine Rennbahn an mit Jndizirhäuschen zur Abhaltung der Kritik (1593). Letzteres wurde unter FriedrichI. abgebrochen (1734), und aus der Rennbahn wurde unter Friedrich II. ein P aradepla tz für das Militär. Der Bau- meister Simon Ludwig Du Ry, der dritte in der berühmten Künstlersamilie, erhielt den Auftrag, denselben sv geschmackvoll als möglich herzurichten, und der von ihm (1763) angelegte Zirkus, 750 Fuß lang und 204 Fuß breit, mit Triumphbogen aus der Nordseite und Arkaden und Kolonnade gereichte der Stadt Kassel zur Zierde und kam nach Niederreißung der Festungswerke, welche (Dezember 1767) mit dem Zeugmantel begann, recht zur Geltung. Verschiedene Statuen schmückten das Werk, vor allem au den beiden Ecken der Nordseite die zwei Rossebändiger, vom vaterländischen Bildhauer Joh. Aug. Nahl bezw. beffen Sohn Samuel Nahl gefertigt in freier Nachbildung nach den beiden Koloffalfignren auf dem Monte-Cavallo in Rom (in der Nähe des Königspalastes), sodann vier römische Fechter, davon zwei als D i s k n s w e r s e r, zwei als St ein schien derer, ebenfalls Nahlsche Werke Verschiedene Zeichnungen und Pläne von 1. H. Tischbein von 1782 und 1783 veranschaulichen die herrliche Schöpfung. Diese wurde unter der westfälischen Fremdherrschaft, nachdem König Jörome im alten Chattenschloß seinen Herrschersitz auf ­ geschlagen hatte, arg verwüstet, und zwar wurde, wie ein Zeitgenosse, Oberhofrat Dr. Ludwig Völkel, klagend mitteilt, „die Kolonnade abgebrochen, um den Schloßplatz zu erweitern, damit es nicht an Raum fehlte, unsere Jugend in den Waffen zu üben, die sie für die Unterdrücker führen sollte". Nach Rückkehr des Kurfürsten Wilhelm I. wurden die genannten Statuen in die Karlsaue versetzt*) und zwar die vier römischen Fechter auf die lange Steingallerie in der Orangerie und die zwei Rosse ­ bändiger an die beiden Ecken der Nordseite der vom Bowlinggreen zum großen Bassin führenden Allee. Die um und auf dem Bowlinggreen befind ­ lichen Bildsäulen, sämtlich von Sandstein und auf Sandstein-Unterlagen, sind nun, vom Marmorbade beginnend, nach Süden zu: Auf dem Bowlinggreen : 1. Amazone mit Schwert ; 2. Venus mit Delphin und Hummer, als dem Meeresschaum entsprossen, mit lächelndem Gesichts ­ ausdruck; 3. Pomona mit Füllhorn und Früchten; 4. Flora mit Blumenkorb. Zwischen Küchengraben und dem Mittel-Fahrwege : 5. Hades (Pluto), der Beherrscher der Unterwelt, mit düsterm Gesichtsausdruck, und mit Füllhorn, in *) Vergl. Pidcrit, Geschichte der Haupt- und Residenz ­ stadt Kassel S. 146, 330 (Anm. 2j. — Jakob Hoff- meifter, desgl. S. 126. 286, 287 (Anm.); Derf.: Rach- richten über Künstler und Kunsthandwerker in Hessen (Hannover 1883), S. 81. — Zeitschrift des Vereins für Hess. Gesch. R. F. Bd. IX. S. 3i3. Anm. (Aufsatz von Dr. SD un cf er). — Otto ©erlaub, Paul. Charles und Simon Louis Du Ry (Stuttgart 1895), S. 92 u. 94.