249 Wohlan, so laßt bei deutschem Wein Die deutsche Feder leben! Laßt sie. dem Weine gleich vom Rhein, Nur goldne Perlen heben! Sie schaffe, was des Geistes Macht Umrankt mit Ruhm und Ehre, Tie kämpfe gegen Trug und Nacht Und fei der Freiheit Wehre! Doch muß sie werden uns zum Schwert: Tann frisch nur, zieht vom Leder. Und schützt an deutschem Mannes Herd Das Recht der freien Feder. Brunnendenk mal. In Spangenberg wurde am 7. September der von Herrn Fabrikanten Heinrich S a l z m a n n zu Bettenhansen bei Kassel seiner Vaterstadt gestiftete Monumentalbrnnnen, welcher die Liebenbachsage versinnbildlicht, enthüllt. Unter den mannigfachen Festlichkeiten, die statt ­ fanden, nahm die Ausführung des von Alberta von F r e y d o r f, geb. F r e i i n von Cornberg, gedichteten Sangesfestspiels „Tie Liebesquelle zu Spangenberg", in Musik gesetzt von Herrn Kapell ­ meister K. Goepfart aus Weimar, die erste Stelle ein. Die Figuren des Denkmals sind nach dem Modell des Herrn Bildhauers Hoesel, Lehrers an der Kunstakademie zu Kassel, in Bronzeguß ausgeführt worden. Herr Salzmann wurde zum Ehrenbürger der Stadt Spangenberg ernannt. Tie Sage vom Liebenbach ist auch von Hugo Freder- king in einer längeren Dichtung behandelt worden. (Siehe „Hessenland" 1887, Seite 108.) Hugenottentag. Am 21. und 22. September findet in Kassel der Deutsche Hugenottentag statt, der für die hessische Hauptstadt ein besonderes Interesse hat, da die dortige Oberneustädter Kirche be ­ kanntlich aus der alten französischen, von Hugenotten gegründeten Gemeinde entstanden ist. Am 21. Sep ­ tember abends gelangt bei der Festfeier ein von ? Franz Treller verfaßtes Festspiel ..Die Hessen und das Evangelium" mit lebenden Bildern und altkirchlichen Gesängen zur Ausführung. Verleihung. Dem ersten Direktor derHenschel- s ch e n L o k o m o t i v e n - u n d M a s ch i u e n b a u a n st a l t in Kassel Herrn August Schäffer ist anläßlich seines 50 jährigen Dienstjubiläums am 15. Sep ­ tember der Titel „Königlicher Banrat" verliehen worden. Dieselbe Auszeichnung wurde auch dem zweiten Direktor Herrn Bauiuspektor Leißner zu teil. Mit dem Jubiläum siel auch die Fertig ­ stellung der 6000. Lokomotive zusammen. Frau Geheime Kommerzienrat Heu schel und Herr Karl Henschel überwiesen bei dieser Gelegenheit den Unterstützungs- und Pensivnssonds für die Beamten und Arbeiter der Fabrik wiederum sehr namhafte Beträge und stifteten mehrere neue bedeutsame Wohlsahrtseinrichtungen für die Arbeiter. Todesfall. In Wächtersbach starb am 8. Sep ­ tember der Forstmeister a. D. August Kayser im Alter von 87 Jahren. Der Dahingeschiedene war der älteste der noch am Leben befindlichen Forstmänner aus der kurhessischen Zeit. Forst ­ meister Kayser gehörte einer alten Försterfamilie an, die den Grafen von Schaumburg und sodann den hessischen Fürsten treu gedient hat. Nachdem er die Forstakademie Melsungen und die Universität Göttingen besucht hatte, wurde er 1839 als Revier ­ förster zu Nonnenrod, Kreis Fulda, angestellt. Später leitete er die Forstverwaltung des Fürsten von Isenburg-Büdingen-Wächtersbach, um die er sich große Verdienste erwarb. Am 12. September- hütte der Entschlafene das Fest der diamantenen Hochzeit feiern können. Hessische Bücherschau Leutnants-Erinnerungen eines alten Kur Hessen. Halbvergessene Geschichten aus den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts erzählt von B. S. Coester, geb. von B i s ch o f f s h a u s e n. Marburg (N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung). Leutnants-Erinnerungen ein vielversprechender Titel, denn der Inbegriff alles Himmelhochjauchzenden und zum Tode Betrübten ist in dem Worte „Leutnant" mehr als in jeder andern Lebensstellung, zu der es die jungen Jahre bringen können, vereinigt. Litterarisch aktuell ist der Leutnant aber auch und zwar in sehr hohem Grade, denn kein einziger der sog. lesenswerten Romane oder sehenswürdigen Theaterstücke kann des Leutnants entbehren. In den Romanen bildet die ewige Leutnants-Misöre selbst ­ verständlich der Mangel des zu einer Heirat erforderlichen Kommißvermögens, ein sehr betrübender Umstand, der zu den schwierigsten Verwickelungen führt. Der kurhessifche Leutnant aus den dreißiger und vierziger Jahren, der uns in den vorliegenden Erinnerungen entgegentritt, ist jedoch über solche Lappalien erhaben, denn erstens ist gerade die Erwählte feines Herzens ein steinreiches Mädchen, was in den modernen Romanen niemals vorkommt, und zweitens hat er selbst in der Lotterie 6500 Gulden gewonnen und zwar durch ein '/>« vom großen Loos, das ihm der „Schlawihcr" aufgeschwatzt hatte. Mit dem „Schlawitzer" aber werden wir in jene längst vergangene gemütliche Zeit versetzt, die noch nichts mit Blut und Eisen zu thun hatte, und in der es sich, hin und wieder einen kleinen Krawall abgerechnet, ganz gut im Ländchen leben ließ. Wie das Bild auf dem rotweiß umrahmten Einband vor Augen führt, herrschten damals noch bei dem Militär der Tschako und der Frack, und bei den Damen die großen Florentiner Strohhüte, die Sonnenschirme mit Kniegelenken, die Fichus, die ungeheuren Broschen und die Halbhand ­ schuhe. Alles geht sehr gemütlich zu und man könnte fast