147 Mit der Rückkehr des Hofes hörte die fünf ­ gliedrige Kriegs-Laudeskommission auf, und an ihre Stelle trat eine Landes-Kriegskosteukommission unter dem Borsitze des Freiherrn von Biege ­ leben. Am 6. November um 11 Uhr zog Kaiser- Franz von Österreich in Frankfurt ein. Der bereits anwesende Kaiser von Rußland ritt ihm auf der Hanauer Landstraße entgegen. Eine halbe Stunde vor der Stadt trafen sich die beiden Monarchen, die sich dann durch die Allerheiligen ­ gaffe, Zeit, Katharinenpforte/Römerberg nach dem Dom begaben, woselbst ein feierliches Te-Deum für die glorreichen Tage von Leipzig und Hanau abgehalten wurde. Darauf fand eine große Truppenschau statt. Alle Straßen, alle Fenster und viele Dächer waren von Menschen besetzt, und „die ehrwürdigen Stätten, die mehre Jahr ­ hundert Zeugen deutscher Einheit waren, ertönten wieder von tausend Stimmen freier Deutschen". Abends besuchten die Majestäten das Schauspiel ­ haus, in dem die Oper „Titus" von Mozart ge ­ geben wurde, bei welcher Gelegenheit die Majestäten mit lautem Jubel und Trompeten- und Pauken ­ schalle begrüßt wurden. Nachts war die ganze Stadt erleuchtet. Am 13. November nahm der Kaiser von Österreich in Frankfurt die Huldigung des Großherzvgs von Baden, des Erbgroßherzogs von Hessen und des Prinzen Christian von Hessen entgegen. Am 19. November besuchte der König von Baiern aus der Rückreise von Frankfurt den großherzoglichen Hos zu Darmstadt und verließ die Stadt wieder am 20. Am 27. machten der Kaiser von Rußland und der König von Preußen in Begleitung der Frau Erbgroßherzogin von Weimar, des Kronprinzen und der Prinzen Wilhelm und Friedrich von Preußen am groß ­ herzoglichen Hose ihre Aufwartung. An demselben Tage verließen die hohen Gäste wieder Darmstadt, der König von Preußen begab sich nach Frankfurt, der Kaiser von Rußland nach Heidelberg. Am 2. Dezember erneuerte der russische Herrscher seinen Besuch in Darmstadt, desgleichen am 12. Dezember, „woraus bei Hofe große Tafel und am Abend Ball gegeben wurde, wobei auch des Kronprinzen und der Prinzen Wilhelm und Friedrich von Preußen Hoheit und der Frau von Thurn und Taxis Durchlaucht zugegen waren. Diesen Morgen <am 13.) ließen des Kaisers Majestät Ihre In ­ fanterie-Garde in Parade vor sich vorbeidefilieren und reisten am Abend nach Heidelberg ab"?) Darmstadt war von fremden Truppen überfüllt; soll doch der Kaiser von Rußland allein über 11 000 Russen Revue abgehalten haben. 0 Großherzoglich Hessische Zeitung auf das Jahr 1813. (Fortsetzung folgt.) Unterm Hollunöerbauin. Historische Erzählung aus Oberhessen von O. Gros. (Fortsetzung.) ottes Güte schenkte der Pfarrsamilie in den nächsten Jahren zwei Kinder. Das älteste ward 1723 geboren und ward nach seiner Großmutter , und Patin Marie genannt. Das zweite Kind war ein Söhnlein, und Radefeld hätte es gerne über die Taufe gehoben als Pate; da jedoch Pfarrer Laukhardt nach der Sitte jener Zeit nur einen Paten nahm, und sein Bruder, der darmstüdtische Rentmeister Philipp Jakob Laukhardt zu Lichtenberg, um die Patenschaft gebeten hatte, so lehnte Lauk ­ hardt die Patenschaft Radefelds dankend ab und nannte sein Söhnlein Philipp Jakob. Im September 1725 ward der Koadjutor Rade ­ feld als hanauischer Amtmann nach Selters versetzt. Ihm war der Aufenthalt in Hirzenhain verleidet. j Tie Pfarrsrau. deren Bild er noch im Herzen trug, i mochte er nicht länger als eines andern Hausfrau vor Augen sehen; von Laukhardt selbst fühlte er sich seit der Ablehnung der Patenschaft gekränkt, und so nahm er denn, als die Amtmannsstelle in Selters vakant wurde, mit Erfolg die Fürsprache des gräflich hanauischen Hoskellerers Küsner in Bruchköbel in Anspruch, um diese zu erlangen. Der Abschied von Radefeld that dem Pfarrer Laukhardt von Herzen leid; denn wenn auch das Verhältnis zwischen ihm und Radeseld seit seiner Verheiratung und besonders seit der Geburt seines Söhnleins etwas getrübt worden war, so war es doch dem arglosen Gemüt Laukhardts kaum auf ­ gefallen, daß Radeselds Benehmen kühler war als früher. Pfarrer Laukhardt war indessen auch nicht in der Lage, sich hierüber viel Gedanken zu machen, denn etwas anderes hatte kurz nach Radeselds Ver ­ setzung Kummer und Sorge in sein Haus getragen. Seine Stieftochter Elisabeth von Bruchköbel kam mit allen Anzeichen des Schmerzes und Herzeleids nach Hirzenhain zum Besuch, und sie erzählte, daß ihr Mann durch seine Unfähigkeit, Geldgeschäfte zu verwalten, durch verschiedene Mißgeschicke und Unglücksfälle, sowie nicht am wenigsten durch