337 empfange, „aus welchem die Wurzeln seiner Kindheit ihre Nahrung gezogen, non den Menschen, die ihn aufgezogen, für ihn gesorgt und ihn lieb gehabt, von der Natur, die ihn umgeben, umblüht und geheim im Innersten beglückt, von der Sprache, die er als die seinige im Munde führte und im Herzen empfand". So kommt die jähe Erkenntniß über ihn, daß er als Deutscher mit an der Knechtung Deutschlands geholfen und deutsches Blut vergossen, daß er seiner Heimath die Kindestrene gebrochen und sie verloren, und daß ihm nichts anderes übrig bleibt, als die Schuld und Schande davon zu tilgen, so wie es Teutmar Steudlin gethan. Aber zuvor will er erst seinem Vaterlande noch nützen und durch einen ehrenvollen Tod für's Vaterland die Schuld sühnen. Er kämpft als Freiwilliger unter dem Namen Moritz Vlanfnß in den Schill'schen, später in den Lützow'schen Freischaaren und eilt mit den preußischen Reitern dem Süden zu, um zwischen den Ortschaften Salmünster und Wächtersbach in der auf beiden Seiten von steilen Hängen eingeschlossenen Thalenge den Rückzug Napoleon's von Fulda nach Mainz aufzuhalten. Un ­ mittelbar vor Gelnhausen, durch dessen enges Haitzerthor die französische Armee ihren Rückzug bewerkstelligt hat, kommt es an einem nebelverhüngten Tag zum Gefecht, in dem Atoritz Blaufuß schwer verwundet wird. Dicht bei der Barbarossabnrg wird er am nächsten Morgen von Gela Blanfuß, die mit andern Frauen der Stadt nach den deutschen Verwundeten gesucht,. aufgefunden und zu seinen Pftcgeeltern gebracht. Eine Kugel hat ihm die Lungenspitze zerrissen, und erst nach langer Zeit geht er unter der treuen Pflege Gela's seiner Genesung entgegen. Sv findet er seine Heimath und seine Lieben wieder und der Schluß läßt errathen, daß Gela die Seine wird. Die Handlung des Romans ist geschickt und spannend verknüpft, die Personen sind lebenswahr chnrakterisirt und die topographischen Schilderungen der Wetteran, namentlich des Vogelsberges und des Kinzigthales, sind von großer IJferfoitaltm. Ernannt: die Regiernngsassessoren v. Volk mann, v. Bergen, Listemann, Hassel und Dr. jnr. H u g e n b e r g zu Kassel zu Regiernngsräthen; Gerichts ­ assessor Dr. phil. Vilmar zum Amtsrichter zu Steinau; Pfarrer oxt,r. Ntartin zum Pfarrer zu Heringen: Pfarrgehülfe H e ck zu Hanau zum Pfarrer zu Hütten ­ gesüß ; Pfarrer Z i e g l e r zu Waldersberg zum Pfarrer zu Langenschwarz. Zugetheilt: der Regiernngsassessor Dr. Dürr dem Landrathe des Kreises Atnrbnrg. Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Schmal ­ kalden wieder gewählte Bürgermeister Engel daselbst. Geboren: Zwillingssöhne: Branddirektor Langer und Frau (Kassel, 15. November). (gestorben:Königl. Eisenbahnbetriebssekretär Brenne lKassel. 14. November); Privatmann Martin Sinning, 72 Jahre alt (Kassel, 16. November); Lehrer Gustav Adolf Berg, 69 Jahre alt (Kassel, 17. November); verwittwete Frau Professor Emma Wikelblech, geb. Gerling, 86 Jahre alt (Kassel,.17. November); Königl. Zahlmeister a. D. John n n e s Schmidt, 82 Jahre alt (Kassel, 19. November); Zimmermeister Eduard Stange, 43 Jahre alt (Kassel, 20.. November); Justitiar und Generalpostdirektionsrnth a. D. Fr i edr ich Schmidt, 81 Jahre alt (Kassel, 22. November); Frau Lina van der Linden, geb. Köster, 62 Jahre alt, (Kassel, 25. November); Gutsbesitzer Baron von Deines, 84 Jahre alt (Hanau, 26. November). Anschaulichkeit. Besonders anziehend ist das ■ Städtchen Gelnhausen mit seinen alten sagenumsponnenen Gemäuern und seinem anheimelnden spießbürgerlichen Leben gezeichnet. Hier zeigt sich Jensen's Begabung für die kleinbürgerliche Milieuschilderung. Die Figuren des Krämers Lorenz Pfeffersack, des biederen Magisters Notger Suchensteig, des bornirten Chirurgns Wakebusch und die des herunter ­ gekommenen .Schwallwaltiers' Saint-Chevalier-Charbrillon sind köstliche Typen der guten alten Zeit. — Für alle, welche die schöne weinberühmte Stadt am Dietrichsberg kennen und lieben, dürfte sich schwerlich eine schönere Weihnachtsgabe finden als dieser Roman Wilhelm Jensen's, dessen äußere gediegene Ausstattung noch besonders hervor ­ gehoben sei. Eingegangene Schriften: Ans Hessens Vorzeit. Erzählungen für Jugend und Volk von A l b e r t K l e i n s ch m i d t. 111. Lindmnth. 8". 142 S. Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis eleg. geb. Mk. 1,25. Der deutsche Knltnrpionier. Nachrichten ans der deutschen Kolonialschnle Wilhelmshof. Herausgegeben von Direktor Fabarins. Witzenhausen a. d. W. 2. Jahrg. Nr. 2. 1901. 8». 72 S. Die Pf last er me ist er in. Roman von Alfred Bock. Berlin W., F. Fontane & Co. 1901. 170 S. Preis brosch. Mk. 2. geb. Mk. 3. Der Flnrschütz. Roman von Alfred Bock. Verlin >V., F. Fontane & Co., 1901. 96 S. Preis brosch. Mk. 1, geb. Mk. 2. Individualitäten: Von Malwida von M ey sen ­ dn g. Zweite Auflage. Berlin und Leipzig, Verlag von Schuster & Loeffler, 1902. 579 S. Preis brvch. Atk. 6.—, geb. Mk. 7.50. Krieflmsterr. K. in Malsfeld. Besten Dank für die Mittheilung, daß pategier' (vgl. „Hessenland" S. 277) nichts anderes als eine Verstümmelung von frz. pwMagier sein soll, ähnlich wie salvete aus serviette entstanden ist. v. G. in Gilsa. Wir berichtigen hiermit gern, daß das in Nr. 14, Jahrg. 1899 des „Hessenland" veröffentlichte Lied eines landgrüfl. hessischen Unteroffiziers auf die Schlacht bei Crefeld bereits 1858 bei Gelegenheit des 100jährigen Gedenktages der Schlacht vom Rheinischen histor. Verein zu Köln gedruckt worden ist. II. K.-J. in München. Die Auflage ist vergriffen. Aber es fehlte bisher und fehlt augenblicklich an Zeit eine Neuauflage zu besorgen. Im übrigen besten Dank und Gruß! G. P. in Wächtersbach, C. 8. in Straßburg, A. T. in Wien. Besten Dank und Gruß! N. v. E. in München. Wir ersuchen um gefällige Ein ­ sendung des Manuskripts. Freundl. Gruß. NB. Wir bitten unsere verehrt. Herrn Mitarbeiter, die geneigt sind Bücherbesprechungen zu übernehmen, um gef. Aufgabe ihrer Adresse nebst Bezeichnung des von ihnen vertretenen Spezialgebietes. Dnlckfcytcr-Berichtigttna. In der Anmerkung auf der ersten Spalte von S. 317 des vorigen Heftes ist zweimal fälschlich Jndentität statt Identität gedruckt Ivorden.