314 schaffen, hinderte ihn ein Augenleiden, aber er verstand zu lehren wie kein Anderer. Gleichfalls noch im vorigen Jahrhundert ent ­ standen sind die ausgezeichneten Wandmalereien Airs Keimcrth Dankschreiben. Folgende Zeilen gehen uns mit der Bitte um Beröffentlichung im „Hessen- land" zu: En meine lieben herrischen Lanarieute! Auf diese Weise, da Zeit und Kräfte mir nicht erlauben es einzeln zu thun, will ich Ihnen herzlichen Dank sagen für all die schönen mich tief rührenden Worte und Wünsche, die mir von der Heimath meiner Kindheit und ersten Jugend zugesandt worden sind. Wenn mich auch das Schicksal den größten Theil meines Lebens fern hielt vom Vaterland, so bin ich doch im Herzen nicht nur eine gute Deutsche, sondern auch eine gute Hessin geblieben und habe mich, so oft ich konnte, nach den Geschicken dieses meines engeren Vaterlandes er ­ kundigt. Um so freundlicher ist es am Ende des langen Lebens, diese Grüße aus dem Land, wo meine Wiege stand, zu erhalten; es ist wie ein Zusammenknüpfen von Morgen und Abend durch ein magisches Band und das Schönste dabei ist die Gewißheit, daß die mir bewiesene Sympathie sich auf ein Ewiges, Unzerstörbares gründet, ans die nimmer sterbende Idealität in der Menschheit. Das ist es überhaupt, was mein langes Leben, nach mancher dunklen, schweren Prüfungsstnnde, wie ein goldner Sonnen ­ untergang verklärt, daß der Zuruf der Liebe und des gleichen Wollens, der mir von allen Seiten her ertönt, nicht der alten Frau, sondern dem Idealismus gehört, dessen Vertreterin sie war. und daß, was in so vielen Herzen lebt, endlich zur weltbefreienden That werden muß. In dem Leuchten dieses milden Abendlichts, dem ein neuer Tag folgen wird, geht sie nun bald zur Ruh, die alte Hessin; vergeht sie auch dann nicht ganz und nehmt noch einmal, mit liebevollstem Abschiedsgruß, ihren wärinsten Dank. Watwida von Meysenöug. Rom, den 28. Oktober 1901. Hessischer Geschichtsverein. Der Ver ­ ein für hessische Geschichte und Landes ­ kunde in Kassel hielt am 28. Oktober im Cafö Merkur seinen ersten Unterhaltungsabend in diesem Herbste ab. Nachdem der Vorsitzende, Herr General Eisentraut, die zahlreich erschienenen Mitglieder begrüßt hatte, verbreitete derselbe sich über Tycho de Brahe und Landgraf Wilhelm den Weisen von Hessen (vergl. voriges Heft, S. 298s.). Sodann gab von Scheurenberg und Kolitz in der Vor ­ halle des Justizpalasts und die Fresken in der Loggia der Bildergallerie von Merkel. und Irremde. Herr Dr. Schwarzkops einen Auszug aus dem Kirchenbuche des Feldpredigers Georg Köster, welcher die hessischen Regimenter Donop und Loßberg nach Amerika begleitet hatte, und nahm in der Ein ­ leitung zu seinem Bericht wiederum Veranlassung, daraus hinzuweisen, wie ungerecht es sei, den zwischen dem Landgrafen Friedrich II. und England ab ­ geschlossenen Vertrag in der leider allzubekannten gehässigen Weise zu besprechen. Herr Dr. Böhlau machte ferner Mittheilungen über einige Funde aus der Bronzezeit, die einem Frauengrab ent ­ stammten,-sowie über einen Brakteatenfund in Gotha. Unter Anderem zeigte Herr Dr. B. auch einen silbernen Renaissancebecher mit dem Baumbach'schen Wappen vor. Bemerkt sei, daß die Auffindung eines Theils der erwähnten Schmuckgegenstände aus der Bronzezeit noch dem dahingeschiedenen Landeskonservator Bickell zu verdanken ist. Herr Kanzleirath Ne über gab zu seinem kürzlich ge ­ haltenen Vortrag über die hessischen Fürstenbilder in der Wilhelmshöher Schloßkuppel weitere Er ­ läuterungen, die wir ausführlich in der heutigen Nummer des „Hessenland" bringen. Schließlich legte Herr Oberlehrer Dr. Henkel mehrere inter ­ essante Schriftstücke aus der Zeit des letzten Kur ­ fürsten vor, theilte anschließend mit, daß er eine Biographie seines verewigten Vaters, des Justiz- raths und Obergerichtsanwalts Henkel herauszugeben beabsichtige, welcher am 9. Januar 1802 geboren sei, und bat um Ueberlassung etwaiger auf seinen Vater Bezug habenden Schriftstücke und Briefe. Ans diesen Unterhaltungsabend folgte am 4. No ­ vember die erste regelmäßige Monatsversammlnng des Vereins, welche im Evangelischen Vereinshause stattfand. Für den ersten Vorsitzenden, welcher am Erscheinen verhindert war, begrüßte Herr Geheim ­ rath Dr. Knorz die Anwesenden, unter denen sich auch die Mitglieder der Kasseler Grimm-Gesellschast befanden. Nach den geschäftlichen Mittheilungen gab Herr Dr. Knorz zu Ehren des dahingeschiedenen Landeskonservators Dr. Ludwig Bickell, durch dessen Tod der Verein einen schweren Verlust erleidet, die Hanptstellen der Rede wieder, die Professor Edward Schröder am Grabe des Verblichenen ge ­ halten (). „Hessenland" Nr. 21). Durch Erheben von den Sitzen ehrten die Anwesenden das Andenkerl des Dahingeschiedenen. Nachdem hierarrs Herr