29 1017 2) anlangte, den ersehnten Ort und erhielt hier von den Einwohnern die Erlaubniß, unter ihnen wohnen zu dürfen. Nicht nur durch sein frommes, asketisches Leben, sondern besondersdurch dieAusflüsse seines krankhaften Geistes, die sich in Weissagungen, Visionen. Hallucinationen, Ekstasen und dergl. kundgaben, gelangte er bei dem abergläubischen Volke sehr bald in den Ruf eines heiligen Mannes, sodaß Hoch und Niedrig zum Theil aus weiter Ferne herbeiströmte, um diesen Mann Gottes zu schauen und seiner Fürbitte theilhaftig zu werden. Augenscheinlich infolge seines psychischen Leidens, das zuletzt in Stumpfsinn überging, starb Heimerad schon nach höchstens zweijährigem Aufenthalt in Hafungen am 28. Juni 1019 P, am Vorabend des Peter und Paul-Tages. Sein Grab wurde zu einem wunderthätigen Wallfahrtsort, und der Klerus besann sich nicht lange, diese Gelegenheit den Zwecken der Kirche dienstbar zu machen. Schon Erzbischof Aribo von Mainz, zu dessen Diözese Hafungen gehörte, erbaute während seiner in die Jahre 1021—1031 fallenden Amtszeit auf dem Hasunger Berge ein Kloster In Ehren der Apostel Petrus und Paulus und zur Er ­ innerung an den seligen Heimerad?) Im Anfang der 70cr Jahre desselben Jahrhunderts nahm der Ruf Hasungens als Wnnderstütte an Ausdehnung außerordentlich zu. Schaaren von Wallfahrern fanden sich täglich dort einZ und am Gedächtniß ­ tage Heimerad's vermochte die Kirche die Zahl der Gläubigen und Heilung suchenden Pilger kaum zu fassen?) Gleichzeitig begann Erzbischof Siegfried dem Orte fein besonderes Interesse , zu ­ zuwenden. Er führte im Jahre 1074 regnlirte Kanoniker (Chorherrn), die unter einem Propst standen, in Hasungen einZ und weihte eine nach feinen Vorschriften erbaute und für die Verehrung Heimerad's bestimmte Kirche zu Ehren des Erz ­ engels Michael und aller Heiligen am 30. Sep ­ 0 Keineswegs früher, wie Andere annehmen. Das Jahr läßt sich ans der Erwähnung des Klosters Memleben und der Kaiserin Kunigunde in der vita Heim. bestimmen. Memleben kam 1015 an Hersfeld und Kunigunde war 1017 in Paderborn. 0 Grabschrift Heimerad's am Schluß der vita. 0 vitaMeimverci cap. 70; Annal. Palid.; Annal. Saxo. 5 ) Lamperti annales (Ausgabe von Holder-Egger 1894) pag. 139. 9 vita Heim. cap. 34. 7 ) Annal. Iburg, uni) die Urkunden Siegfried's für das Kl. Hasungen: Nr. I abgedruckt bei Schräder, Dhnasten- stämme u. s. w. S. 221; Original in doppelter Aus ­ führung im Archiv zu Marburg. — Nr. II abgedruckt bei Falkenheiner, Gesch. Hess. Städte und Stifte (Urkunde I zur Gesch. Hofgeismars), Original in Marburg. — Nr. III abgedruckt bei Ledderhose, kl. Schriften III, S. 186. Original nicht vorhanden; Abschrift jüngeren Datums zu Marburg; Inhalt mit Nr. I größtentheils übereinstimmend. tember desselben Jahres ein. Z Zahlreiche Schenkungen0), unter ihnen auch die (Dorf-) Kirche (und der erzbischöfliche Hof zu Hafungen sicherten die Existenz der neuen Klosterinfassen?o) Doch schon im Jahre 1081 verwandelte Siegfried selbst die Propstei in eine Benediktiner-Abtei, deren Mönche nach einer neuen Ordensregel lebten, die zu Clugny in Frankreich ausgebildet war und durch das schwäbische Kloster Hirsau damals gerade in Deutschland Eingang fand?*) Aus letzterem Kloster wurde ein Bruder nach Hasungen gesandt, der als erster Hasunger Abt die neue Regel daselbst einführte?H ©iegfcieb, der als oberster Kirchenfürst Deutschlands in den politischen Wirren der damaligen Zeit, vornehmlich infolge feines wankelmüthigen Charakters, keine glückliche Rolle spielte und daher in feinem Amte wenig Befriedigung erntete, scheint sich, wenn er einmal procul negotiis sein wollte, gern nach Hafungen zurückgezogen zu haben. Er erwählte den ihm liebgewordenen . Ort auch zu seiner letzten Ruhe ­ stätte. Nach feinem Tode, der im Jahre 1084 in Thüringen erfolgte, wurden feine irdischen Ueberreste nach Hasungen überführt und dort beigefetzt?H Sein fchismatifch gewählter Nach- 9 Urkunde Nr. III. Diese Kirche war offenbar schon die dritte auf dem Berge. Die erste (die Dorfkirche) war schon zu Heimerad's Zeiten vorhanden, die zweite (jeden ­ falls die Hauptkirche und von Aribo erbaut) war dem Apostelfürsten geweiht (vergl. vita Heim. cap. 34). 9 ) Urkunde Nr. I. ") Manche glauben ans einigen Wendungen der ange ­ führten Siegfried-Urkunden schließen zu müssen, daß Vor 1704 ein Kloster in H. nicht bestanden habe, daß Viel ­ mehr Von Aribo nur ein Münster, eine Kirche errichtet worden sei und daher das Wort monasterium bei Annal. Saxon. u. s. w. nicht mit Kloster, sondern mit Münster überseht werden müsse. Doch liegt zu solcher Annahme kein zwingender Grund Vor. Die schon recht alte Streit ­ frage hoffe ich demnächst in einer ausführlicheren Behand ­ lung der Hasunger Geschichte näher zu erörtern. 1J ) Urkunde Nr. I, II und III. Das Jahr geht aus ihnen nicht hervor. Wir erfahren es durch die Annal. Ottenbur., die wahrscheinlich ein Auszug aus den verloren gegangenen Hasunger Annalen sind. — Man übersah seither vielfach, daß Siegfried nicht nur in der Urkunde II, sondern auch im letzten Drittel der Urkunde I von der Umwandlung der Propstei in eine Abtei spricht. Ur ­ kunde I ist daher nicht im Jahre 1074, sondern frühestens 1081 geschrieben und die verletzte Annahme, daß sie nur über das Jahr 1074 berichte, hat zu 'manchen Irrthümern geführt. Was z. B. von Holder-Egger in dem 8ub Anm. 5 citirten Werke Praefatio pag. LVII, Amn. 2 über den Hasunger Abt Lambert und die Einführung der cluniacensischen Regel in Hasungen gesagt wird, gehört nicht zum Jahre 1074, sondern in das Jahr 1081. *9 Cocl. Hirsaug. pag. 22 in Biblioth. des Lit. Vereins zu Stuttgart Bd. I. Hier ist der Name Gisilbert an ­ geführt, doch hieß der erste Hasunger Abt urkundlich (Urkunde I) Lambert. *9 Annal. Hilclesh.