21 ein. Auf dem Schloß, wohin die Fürsten durch die Grafen geführt wurden, harrte die Braut mit dem ganzen Frauenzimmer zur Begrüßung. Nach kurzer Pause, während der die Angekommenen sich in ihre Quartiere begeben und den Neifestaub abgeschüttelt hatten, fand im Schloß die Trauung statt. In aula quadam arcis war ein Altar errichtet, an dem der Superintendent O. Bartolo- mäus Meier die Kopulation vollzog. Nach der Trauung traten zunächst die fürstlichen Ver ­ wandten zum Brautpaar, um es zu beglückwünschen, dann folgte Wolrad mit den anderen Grafen nebst den übrigen Hochzeitsgästen in der ihrem Rang gebührenden Reihenfolge. Als letzter Akt der Vermählungszeremonie folgte das Beilager in Gegenwart der Verwandten, die nach altem Herkommen während der Besteigung des Ehebettes auf das Wohl der Neuvermählten tranken. Wolrad nennt das hierbei Dargebotene uectar et ambrosia cum saccaro, unter welchen Göttergerichten wir uns wohl Zuckerwerk und Wein vorzustellen haben?) Der Hochzeitstag endete natürlich mit einem solennen Hvchzeitsmahl, das 2 Stunden dauerte, und folgendem Tanz. Leider war die Haupt ­ person des Festes, die Braut, nicht wohlauf. Sie fieberte etwas und konnte mu Tanze nur vor ­ übergehend theilnehmen. Auch ein anderer Theil- nehmer, Graf E h r i st o p h von M a n s f e l d, der schon aus Gesundheitsrücksichten bei der Ein ­ holung des Bräutigams gefehlt hatte, mußte sich frühzeitig in Begleitung feines Sohnes Ernst zurückziehen und ließ sich durch einen Wagen in fein Quartier fahren. Die übrigen Gäste suchten erst viel später ihr Lager auf. Graf Wolrad erhob sich trotz der Anstrengungen des Hochzeitstags am folgenden Morgen (18. August) schon um 5 Uhr und begab sich nach der Morgen- andacht in die B r ü d e r k i r ch e (templum, olim collegium Canonicorum), wo Magister Paul Rau über Lukas 18 grapbice pieque predigte. Während er noch in der Kirche war, schickte sein Bruder Graf Franz einen Boten und ließ ihm sagen, es sei Zeit zum Schloß zu gehn. Wolrad begab sich eilends in die Herberge seines Bruders und beide gingen dann zum Schlosse. Hier wurden sie von dem Marschall Hermann Rolls hausen empfangen, der ihre erneuten Glückwünsche für die Braut entgegennahm und in deren Namen ihnen wie den später kommenden Grafen terturn vel coronam arte phrygia consertam cum annulo ex auro ut puto puro *) Vgl. was G. Th. Dithmar im „Hessenland", 1900, S. 215 über die Hochzeit Landgraf Wilhelm's IV. mit ­ getheilt hat. Adamante gemma adornatam zum Geschenk überreichte. In dem Saale, in dem am Tag zuvor die Trauung stattgefunden, fand man die Hochzeitsgäste imb Neuvermählten schon ver ­ sammelt, denen M. Barth. Meier jetzt erst die eigentliche Hochzeitspredigt hielt. Sein Sermon hatte die Einsetzung der Ehe, das Glück und den Segen einer gottgefälligen Ehe und die Strafen des Ehebruchs zum Gegenstand mit vielen Be ­ weisen aus der heiligen Schrift und Geschichte. Nach der Predigt wurde die Braut zu einem erhöhten >Sitz geführt, zu dessen Seiten außer dem Bräutigam die nächsten Verwandte sich auf ­ stellten. Es folgt nun von Seiten der Gäste die Ueberreichung der Hochzeitsgeschenke an die Braut meist in Verbindung mit einer wohlgesetzten Ansprache (elegauti88imi8 amicisque verbis). Unter den Geschenken erregte besonders eins die Bewunderung und den Beifall aller Anwesenden, nämlich ein ans Holzbrettchen, Leinwand und Leder gefertigter mit Silber beschlagener Kasten, der ein füi einen fürstlichen Haushalt passendes vollständiges Tafelgeräth an Schüsseln, Tellern, Bechern, Salzfässern, Messern, Gabeln u. s. w. in Silber und Gold enthielt und dessen Werth ans anderthalb tausend Goldgnlden geschätzt wurde?) Braut und Bräutigam bedankten sich geziemend bei jedem einzelnen Geber, und dann wurde um 1 Uhr Nachmittags ein sehr reiches, wie der arme Waldecker Graf sagt, „sybaritisches" Früh ­ stück eingenommen. Das übliche gemeinsame Tischgebet vor wie nach dem Essen wurde, wie Wolrad sagt, juxta verbi divini praescriptum, wie es scheint mit Musikbegleitung gesungen (modulamiue pio et musa docta decantatur). Nach aufgehobener Tafel führte der Bräutigam die Braut wiederum zum Tanz, jedvd) wurde die Festesfreude wieder durch mehrfach sich wieder ­ holende Fieberanfälle der armen Braut gestört.* **) Nach der spät stattfindenden Abeudtafel wurde der unterbrochene Tanz wieder aufgenoinmeu; daran schlossen sich allerhand, leider nicht näher beschriebene Hochzeitsscherze und natürlich der Sitte des Jahrhunderts gemäß ein Trinkgelage cum meu8i8 secundis illecebrarum. *). Es war ein Geschenk Landgraf Wilhelm's IV. Land ­ graf Georg brauchte also von da an nicht mehr von Zinn zu speisen, wie von ihm aus der ersten Zeit seiner Regierung berichtet wird, wo er sich sogar, das Haus- geräth zum Theil von seinen Unterthanen borgen mußte. **) Dies Fieber ' war der Vorbote einer heftigen Er ­ krankung an den Kiuderblattern, die Magdalene auf der Hochzeitsreise in Dresden befielen und lange Zeit an's Bett fesselten. Rommel 6, 102. (Schluß folgt.)