6 Meksunger Familiennamen dis 1626.°°) Beinamen im engeren Sinne. Auch die Berufsnamen sind Beinamen. Hier sind aber hauptsächlich solche Beinamen gemeint, die zur näheren Bezeichnung, zur Charakterisirung der Persönlichkeit, ihres Wesens, ihres Aeußern und ihrer Wohnstätte beitragen. Den Uebergang von den Gewerbenamen zu den Beinamen bilden diejenigen Namen, welche die Gegenstände, Werkzeuge oder Stosse bezeichnen, mit denen sich jemand beschäftigt, und die Er ­ zeugnisse seiner Arbeit. Theilweise mögen dies auch bloße Abkürzungen von Bernssnamen sein, wie schon oben Pflügt neben Pflüger erwähnt wurde. Beige (1626; Bege 1575 in Körle) bedeutet in Süddeutschland einen Haufen übereinander geschichteter Dinge, besonders von Getreide. Beigenreifs oder Beigenrisf (1626) ist das Seil oder der Riemen, der einen derartigen Hausen zusammenhält; der Name meint also einen Menschen, der einen Haufen aufgeschichteter Dinge mit Hülfe eines Seiles fortschleppt: einen Ackerknecht oder ganz armen Bauern.*) **) Ertz (1561) scheint die Abkürzung für einen Erzgrüber oder Erzgießer zu sein. V y n n e oder Fynne (1377-93; Fyen 1430) bezeichnet den Ver ­ fertiger von Knopfnägeln (mhd. sinne). Hops oder Hofs (1561 — 1626) stellt einen Hopsenbauer vor, Kenne (1541) und Krugk (1569) einen Gastwirth. Kippe (1575) ist der allgemeine hessische Ausdruck statt Tasche; Taschenmacher werden an manchen Orten erwähnt. Saul (1626) nennt der Hesse die Schusterpfrieme, doch mag der Name des Judenkönigs mit hineinspielen. Schölling (1435) ist der Nachkomme eines Bearbeiters der Scholle. Eben dieselbe Person wird vier Jahrzehnte später Schulte genannt; und schon 1443 studierte in Leipzig ein- Melsunger Namens Scholle. Meister Knieriemen wird durch Schnell) (1435; Schvyche 1443; Schlich 1575—1626) gekennzeichnet, der Sporenmacher durch Spoer (1626; Spaer 1652—65). Der Bader, der im „Bottloche" in der Mühlenstraße seine Thätigkeit entwickelte, hieß Steub (1577) d. h. Stube, Badestube, der Schlachter und Wurst ­ macher Morst (1575-1626). Stucke (1535) *) Vgl. XIV. Jahrg., Nr. 20-24. **) Wenn beide Namen nicht nebeneinander vorkämen, so wäre mit größerer Wahrscheinlichkeit Beige auf den altdeutschen Namen liigo, der schon im 7. Jahrhundert nachzuweisen ist, zurückzuführen und Beigeureifs im ­ perativisch (biege den Reif!) zu erklären. nennt man in Hessen den Haufen zum Einfahren bereiter Getreidegarben, mithin auch denjenigen, der sich damit beschäftigt. Wie es noch jetzt üblich ist, daß der Barbier seine Messingbeckeu, der Hufschmied ein Hufeisen und der Uhrmacher eine große Uhr vor die Haus ­ thür hängt, so pflegten das auch früher viele Handwerker zu thun und machten so in der ein ­ fachsten und deutlichsten Weise auf ihre Wohnung und ihr Geschäft aufmerksam. Andere aber ließen vom Holzschnitzer oder Bildhauer Bilder von Holz oder Stein herstellen und fügten diese in den Neubau ihres Wohnhauses ein. Nach solchen Bildern wurde dann nicht nur das Gebäude, sondern auch der Besitzer benannt. Zierte ein Stern die Außenwand, so nannte man den Eigenthümer Stirn er oder knrzweg Stirnn (1575 — 1626). War der Thürklöpsel besonders schön oder merkwürdig, so ward vom Klupphcl (1465; Klöppel 1626) gesprochen, Waffen waren auch in dieser Zeit beliebt, so erblickte lnan an dem Hause eines Bogen- oder Bvlzenmachers einen Pfeil (1535—1626; 1288 Sagittarius), an anderen einen Spies (1626) oder einen Hackenpvg (1483), einen mit Haken versehenen Bogen, der sonst als Hornbogen bekannt ist. Das Pflanzenreich war in den Hansbildcrn vertreten durch einen Strauch oder eine Stvyde (1369—98), einen Raudenzweig (1626), einen Kien- oder Fichtenast (Kynnß 1495p) nnb ein 9tvsinblad (1412—1626). Bei Hochapfel (1626) bleibt es aber sehr zweifelhaft, ob eine Apfelart ge ­ meint sei. Das Thierreich war noch beliebter. Dem edlen Rosse (1457) gebührt da die erste Stelle. Das im Schritt gehende Roß wurde Czeldir (1432—1577) genannt. Ihm schloß sich das Kalb (1626, auch Kalp geschrieben), ein brauner Bock (Braunbock 1626) und der gefürchtete König der Thiere, der Löwe, an (1406 — 1578 Lewe; 1626 Loewe). Ob dieses ein bloßer Hausname ist, scheint die Urkunde von 1406 zweifelhaft zu machen, die von „Henne Gryffe, genannt Lewe" spricht. So mag auch mancher andere dieser Hausnamen in Wahrheit den Inhaber charakterisiren. Jedenfalls bildete der märchen ­ hafte Vogel Greif ein Hauszeichen und einen Familiennamen (1626 Greibe?). In achtungs ­ voller Entfernung von ihm hält sich der kleine Fincke (1575) und die Drossel (? Trvissels 1) Eine gleichnamige Burg gab es in Schlesien.