143 schränkten Arbeitszeit des 4h-. Buchenau nicht so bald zu erwarten. Der Vorsitzende beschließt die Berichte mit der Bemerkung, daß die Unternehmungen der Kommission säst durchweg in gutem Stande seien und für das neue Geschäftsjahr ein stärkeres öffentliches Hervor ­ treten erwartet werden dürfe. Es liege in der Natur der Sache, daß gelehrte Arbeit längere Zeit bedürfe, um zu reifen. Ausflug des hessischen Geschichtsver ­ eins zu Kassel. Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde unternahm am 26. Mai seinen ersten diesjährigen Sommerausflug und zwar nach der Altenburg bei Felsberg, an welchem sich 60 — 70 Herren und Damen bethei- ligten. Leider nöthigte das unfreundliche Wetter zunächst zur Einkehr im „Schwan" zu Gensnngen, wo Dr. med. Carl Schwarzkops seinen an ­ gekündigten Vortrag über die „Geschichte der Altenburg" hielt. In seiner fesselnden Weise erläuterte Redner die Banart und Einrichtung dieses alten Rittersitzes, um sodann aus die älteste Vergangenheit des im Bauernkriege 1525 zerstörten Schlosses einzugehen, das er zu den ältesten des Hessenlandes zählt. Schon für die Zeit der römischen Kaiser vermuthet er dort Befestigungen der alten Chatten gegen Germaniens, auch erblickt er in der Altenburg den Stammsitz der Grafen von Felsberg, welche schon im 13. Jahrhundert verschwinden. Im Jahre 1322 wird die Alten ­ burg zuerst genannt und zwar als im Besitze der Familie von Besse befindlich, die sich nach ihrem Sitz aus Schloß Felsberg auch von Felsberg nannte. Landgraf Otto. erwarb damals von der Wittwe des Ritters Werner von Besse und dessen Söhnen die Altenbnrg nebst Mühle an der Eder. Später waren die von Elben, von Holzheim und von Lin ne im Mitbesitz der Burg als landgräs- liches Lehn. Nach der Eroberung der Burg und deren Vernichtung, abgesehen vom Thurm und Ringmauern, durch die aufständischen Bauern gab Landgraf Philipp die Anwartschaft aus die Burg dem ehemaligen Landhofmeister und Regenten von Hessen Ludwig von Boineburg unter der Bedingung, daß er dieselbe wieder herstelle. Nach dem Aussterben des Mannesstammes des Geschlechts von Holzheim im Jahre 1537 und dem Tode des Ludwig von Boineburg fiel sie dann dessen Söhnen zu, von denen sie wieder aufgebaut wurde. Auch diese unb ihre Nachkommen weilten jedoch nur vorübergehend daselbst. Im 30 jährigen Kriege erlebte sie nochmalige Verwüstung durch Tilly's Scharen. Friedrich von Boineburg, der Schwieger ­ sohn des berühmten hessischen Generals von Geyso, sorgte für Wiederaufbau. Sein Sohn Urban war der erste seiner Familie, welcher seinen Wohnsitz ständig ans der Altenbnrg nahm und auch auf derselben starb (1721). Ihm ist die Entstehung des Herrenhauses am Fuße des Burgberges zu ­ zuschreiben, das er zum Wittwensitze bestimmte. Infolge eines weitläufigen Rechtsstreites in der Familie blieb die Altenbnrg um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts unbewohnt. Die Ge ­ bäude zerfielen und das Schloßgebäude wurde 1811 niedergelegt. Nach Beendigung des mit reichem Beifall auf ­ genommenen Vortrags, für den der Vorsitzende Bibliothekar der Landesbibliothek Di-. Brunner dem Redner den Dank des Vereins aussprach, er ­ möglichte die inzwischen eingetretene Besserung des Wetters noch den Besuch der alten Burgstätten Altenbnrg und Felsberg. Die XI. Versa m m lang des H e s s i s ch e n Städte tags wird am 15. und 16. Juni in Schmalkalden stattfinden. Aus der Tages ­ ordnung stehen n. a. folgende Fragen: „Einführung von Gemeindegrundstenern nach dem gemeinen Werth der Grundstücke" (Berichterstatter Bürgermeister I o ch m u s - Kassel), „Einführung einer Rnhegehalts- kasse für Gemeindebeamte, in Verbindung mit einer Kasse zur Versorgung der Wittwen und Waisen derselben im Regierungsbezirk Kassel" (Bericht ­ erstatter Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda und Stadt- ,nnd Kassenrath Bödicker-Kassel), „Verbesserung der Verkehrs- und gesundheitlichen Verhältnisse in Städten durch Niedcrlegung alter Stadttheile"(Berichterstatter Stadtbaurath H ö p f n e r- Kassel). Universitätsnachrichten. Dem Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Roediger zu Mar- bürg ist der Charakter als Geheimer Regierungsrath verliehen worden. — Ter Assistent am Gesammt- katalog der preußischen Bibliotheken Dr. Philipp Losch zu Berlin ist zum Hülssbibliothekar an der Universitätsbibliothek zu Greifswald ernannt worden. — Vom 7.—8. Juni tagt in Marburg die Versammlung Deutscher Biblio ­ thekare. Todesfälle. Am 24. Mai verschied zu Darm ­ stadt, 54 Jahre alt, Prinz W i l h e l m v o n H essen, Bruder des verstorbenen Grvßherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein, großherzoglich hessischer General der Infanterie. Ohne in der Oesfentlich- keit hervorzutreten, war der Verstorbene, der mor ­ ganatisch vermählt war, wegen seines schlichten Wesens in Darmstadt sehr beliebt.