108 Wahrscheinlichkeit nach seine Zukunft gestaltet haben! Aber die damals bei den großen Ver ­ kehrsschwierigkeiten noch viel mächtiger wirkenden, ihn an seine engere Heimath fesselnden Ver ­ bindungen und Beziehungen ließen ihn den: Drängen seiner Freunde, in knrhessische Dienste zu treten, nachgeben. Ich führe dies alles so breit aus, um dadurch den Nachweis zu geben, daß bei seinem Eintritte in den Staatsdienst schon die Basis, auf welcher eine rasche Carriere sich aufbauen kann, bestand. Nach den Schilde ­ rungen in den Werken über die Geschichte der damaligen Zeit muß man den Eindruck gewinnen, daß sein rasches Emporsteigen das eines von Persönlicher Gunst emporgetragenen Höflings ge ­ wesen sei. Im Januar 1800 erhielt er seine erste An ­ stellung als Kanzleisekretär. Bald erfolgte seine fernerweite Ernennung zum Regierungsassessor unter Beibehaltung der ersten Stellung. Mit dankbarer Verehrung spricht er in seinen Auf ­ zeichnungen aus dieser Zeit von dem Präsidenten der Regierung von Baumbach, trotzdem dieser ihm persönlich nicht besonders wohlwollend ge ­ sinnt gewesen zu sein scheint. Es ist dies so be ­ zeichnend für seine Denkungsart, daß ich hierüber seine eigenen Worte anführen will. Er schreibt: „Der Präsident von Baumbach, ein in der Verwaltung und Landesverfassung durchaus erfahrener, sehr thätiger und tüchtiger Mann, übte seine Autorität mit großer Strenge ans, besonders gegen die jüngeren Mitglieder der Regierung, welche aber jetzt, im späteren Leben, es mit mir einsehen und es ihm herzlich danken werden, daß wir dadurch an Ordnung und Pünkt ­ lichkeit im Dienste und an die zur Erhaltung eines regelmäßigen Geschäftsganges unumgänglich nöthige Subordination gewöhnt wurden. Mir war derselbe, wohl nicht um meiner Person willen, sondern weil er mich als Freund des mit ihm nicht in freundlichen Verhältnissen stehen ­ den Geheimen Referendarius Kopp betrachtete, nicht besonders günstig. Da ich jedoch in keinem Stücke mcüteit Dienst versäumte, so war er mir auch nicht entgegen." Mit wahrer Anhänglichkeit spricht er von an- deren Vorgesetzten, besonders von dem damaligen Vicekanzler, späteren Präsidenten Kunkell von Löwenstern, und erwähnt unter den ihm im Laufe der Jahre in Freundschaft näher getretenen Per ­ sönlichkeiten die älteren Mitglieder der Regierung Ledderhose, von Porbeck, Richter, von Motz und Wittich; ferner die mehr in gleichem Alter stehenden von Wille, von Kruse, Krafft, von dem weiter unten noch die Rede sein wird, Rommel, von Schmerseld, dessen Sohn in den 1880 er Jahren Eisenbahndirektionsprüsident in Hannover war und dem Schreiber dieses gegenüber mit großer Anhänglichkeit von der Familie desselben sprach; ferner Gr an di di er, von Dörnberg und von Baumbach. Diese ersten Dienstjahre in Kassel zählte er stets zu den heitersten seines Lebens. Kassel war damals reich an guter Gesellschaft, in der ein harmlos-lebenslustiger Ton herrschte. Im Winter von 1801 zu 1802 lernte er seine spätere Frau, welche als Pflegetochter der verwittweten Erbmarschallin von Ri cd es el von dieser in die Kasseler Gesellschaft eingeführt wurde, kennen. Sie war als Tochter des Ober ­ amtmannes Häusel, durch den Tod beider Eltern als kleines Kind verwaist, in die Riedesel'sche Familie aufgenommen worden. Dort wuchs sie in Geineinschaft mit der gleichaltrigen Amerika von Riedesel auf. Diese letztere verdankte ihren ungewöhnlichen Taufnamen dem Umstande, daß sie, während ihre Eltern in Amerika, wo ihr Vater mit auf englischer Seite gegen die Amerikaner kämpfte, weilten, geboren wurde. Durch die Freundschaft, welche die beiden jungen Mädchen mit einem Fräulein von Apell, späteren Frau von Ra et, verband, in deren Familie der junge Assessor sehr viel verkehrte, wurde bald eine nähere Bekanntschaft angebahnt. Nach Jahres ­ frist schlossen sie den Bund für's Leben. (Fortsetzung folgt.) Aas stehende hessische Aeer von 1670—1866. Ein Abriß seiner Geschichte. Von Carl von Stamford. (Fortsetzung.) Die Vertheidigung von Rheinfels durch die Hessen. I. Bis 16./26. Dezember 1692. Das Jahr 1692 sollte nicht zu Ende gehen, ohne hessische Regimenter noch zil hohem Ruhme gelangen zu lassen. Die Heere waren sämmtlich in die Winterquartiere abgezogen, die Schauplätze des Krieges waren unsicherer Ruhe hingegeben, die Landschaften am Rheine besonders in bestän ­ diger Gefahr, von französischen Parteien über-