98 an die Bergstraße und vereinigte sich mit dem Heere des Markgrafen t>on Baireuth, und am 10./29. Juli brach die ganze Armee gegen Wiesloch auf, von wv am 1./11. August gegen Heidelberg vorgerückt wurde. Es folgten Uebergänge über den Rhein auf Schiffbrücken in der Gegend von Mannheim, endlich am 1. September n. St. auf das linke Flußufer, worauf der Landgraf mit feinem Heere gegen Speyer rückte, während der Markgraf auf Dudenhofen zog. Am 4./14. September früh 4 Uhr bekam man den Feind bei Speyer zu Gesicht, 16—18 000 Manu stark. Die Armee war die ganze Nacht durch marschirt, doch stellte Landgraf Karl sie alsbald in Schlachtordnung, den linken Flügel bei Dudenhofen, den rechten bei der Wormser Warte. Das Feuer des Geschützes wurde von beiden Seiten eröffnet, mit Musketen, fünf Stunden lang gefeuert, ohne Erfolg und nennenswerthe Verluste. Während der Nacht legten die Franzosen Verschanzungen an, und den 5. September n. St. begann wieder das Geschütz ­ feuer, der beabsichtigte Angriff auf die Franzosen unterblieb als aussichtslos. In diesem Treffen blieben 1 Obrist, 1 Obristwachtmeister, einige Hauptleute und Leutnants sowie 2—300 Ge ­ meine, ebenfvviele wurden verwundet. Der Feind hatte viel geringeren Verlust, weil er feine Truppen und fein Geschütz vortheilhafter auf ­ gestellt hatte. Der Landgraf faßte nach verschiedenen Be ­ wegungen am Rhein noch den Plan, die Ebern- b n r g in der untern Pfalz an der Nahe zu erobern, und führte ein starkes Truppencorps von der Gegend von Worms nach der Ebernburg, nachdem er ­ den Generalmajor von Spiegel mit 2000 Reitern und Dragonern am 21. September hatte voraus marschiren lassen, um die Ebernburg zu berennen. Am 24. wurde das Lager aufgeschlagen, uitb der Landgraf erkundete nun mit dem Feld- zeugmeister Thüngen die Festung, und ein Theil der Truppen arbeitete an Herstellung der Lauf ­ gräben. Gegen diese Arbeiten, zu denen am 26. Batterien aufgeworfen waren, ließen die Be ­ lagerten eine Mine springen, ohne eine Wirkung hervorzurufen. Die Festung wurde am 27. aufgefordert, sich zu ergeben, doch schlug der Kommandant die Uebergabe ab. Der Franzose sandte als Erwiderung dem deutschen Generale einige Hahnen, Feldhühner sowie 20 Quart Wein in das Lager mit der Eröffnung, daß ihm der ­ gleichen Lebensmittel noch mehr zur Verfügung ständen. Auf diesen Scherz wurden in der folgenden Nacht einige Karthaunen und andere Geschütze auf die drei fertigen Batterien gebracht, und am 28. früh kam großes Geschütz und Mörser ans Mainz an. Das Feuer wurde kräftig eröffnet, am 29. fortgesetzt, und am 30. gelang es, in dem Schlosse durch Bomben einen Brand zu entzünden, der indessen bald gelöscht wurde. Am 2. Oktober traf eine Verstärkung von Truppen aus Koblenz, Mainz und Rhemfels bei dem Belagerungscorps ein und gegen das Schloß wurden neue Batterien erbaut, auch die Laufgräben fortgesetzt. So waren am 6. Oktober die Anstalten zum Sturme bereit, die Laufgräben bis dicht an die Contrescarpe vorgerückt. Doch in der Nacht traf ein Courier von dem Markgrafen von Baireuth ein, daß die Franzosen zum Entsätze von Ebernburg heranzögen; im Laufe des 7. Oktobers trafen Nachrichten davon von verschiedenen Seiten ein, auch zeigte sich bereits Reiterei in der Nähe. Der Landgraf berief deshalb einen Kriegsrath, woriu beschlossen wurde, die Belagerung aufzuheben. Am 8. Oktober- würden noch 30 Bomben airs das Schloß ge ­ worfen, das Lager aufgehoben und ein Theil des Heeres nach Bingen und hier über den Rhein geführt. Thüngen marfchirte mit 3000 Mann nach Mainz, wo er von nun an wieder den Befehl zu führen hatte. Das Geschütz und das Gepäck wurde am folgendeu Tage dem Heere nachgeführt und unter dem Schutze von 2 Regi ­ mentern Fußvolk über den Rhein gesetzt. Die deutsche Armee zog am 9. Oktober auf das rechte Rheinufer zurück, die Schiffbrücke bei Sandhofen, etwas unterhalb Mannheims am rechten Rheinufer, die seither die Verbindung der Länder des rechten und des linken Ufers in diesen Gegenden aufrecht erhalten hatte, wurde abge ­ brochen. Die Winterquartiere wurden vertheilt und die Kriegsvölker zogen am 12. Oktober dahin ab. Der hessische Generalwachtmeister Baron von Schlitz genannt von Görz rückte mit feinem Regimente zu Fuß und drei Kompagnieen zu Pferd in sein früheres Winterquartier zu Koblenz; die übrige hessische Reiterei wurde nach dem rechten Rheinufer, meiftentheils in die hessische Grafschaft Katzen ­ elnbogen verlegt. Die französische Armee bezog die Winterquar ­ tiere im Ober- und Unter-Elsaß, im Hunsrück und theilweise in Lothringen. Der General ­ leutnant Graf von Tallard besetzte Landau mit 6000 Mann; er war dazu ausersehen, eine Kriegsthat auszuführen, von der der französische König sich großen Erfolg versprach. Der Landgraf von Hessen begab sich in feine Residenz Kassel, wo er in diesen Jahren viele und große Regentenobliegenheiten zu erfüllen hatte.