71 der Kreise Fulda und Hüufeld entfaltete sich eine rege Thätigkeit. Die meisten der zu den Außenseiten des Domes verwendeten Steine er ­ folgten ans den im Thäte der Kemete unterhalb des Torfes Hauswurz belegenen Brüchen, die auch die zu den Gesimsen, Gewänden, Säulen und dergl. erforderlichen Quadern lieferten. Den Brecherlvhn für die Steine bezahlte die fürstliche Nentkammer. Die Anfuhr der Steine geschah theils für Geld, theils zur Frohnde, und es wurden mit Ausnahme von Hammelburg, Brücke ­ nau und Herbstein alle Pflichtigen des damaligen , Fürstenthums Fulda zur Leistung von Frohn- fuhreu herangezogen. Auch mit dem Beschaffen des Gerüstholzes wurde bereits 1701 begonnen. Sowohl das Ge ­ rüstholz wie das erforderliche Eichenbauholz lieferten lediglich die fürstlichen Waldungen, na ­ mentlich die Forsten Kothen, Motten, Brückenau, Hattenhof, Nenhof, Niederkalbach, Dammersbach und Burghaun. Die Forsten bei Kothen und Motten lieferten die längsten Baumstämme. Auch das Bauholz wurde theils gegen Bezahlung, theils zur Frohnde angefahren, und zwar zunächst auf den vor dem damaligen Panlusthore befindlichen Zimmerplah. Sowohl zu allen Dachwerken wie zu den Thürmen wurde lediglich neues Eichen ­ banholz verwendet. Die Eichenbaustämme waren zum Theil von außerordentlicher Länge, und Eichen wie die damals verwendeten sind jetzt in den Forsten der Umgegend Fuldas weder in solcher Länge noch in solcher Menge vorhanden. Tannenbauholz ist zu sämmtlichen Zimmer ­ arbeiten des Domes nicht verwendet worden, und 32 Tannenbaumstämme, welche die Fnldaische Nentkammer 1710 ans der Herrschaft Schmal ­ kalden bezogen hat, sind zu anderen fürstlichen Bauwerken und nicht zum Dome verwendet wor ­ den, denn die Zimmerarbeiten desselben waren 1710 bereits ausgeführt. Der Neubau des Domes wurde nicht aus ein ­ mal, sondern, wie ich jetzt ausführlich darlegen werde, stückweise und int Laufe mehrerer Jahre beschlossen. Dieses bestätigt meine Ansicht, daß Dientzenhöfser mit Rücksicht ans die damaligen Berkehrsverhültnisse ohne Beihilfe eines römischen Architekten und aus sich selbst die erforderlichen Pläne geschaffen hat. Als endlich 1704 der Ban begonnen wurde, war nur der Abbruch des alten Langhauses be- ! schlossen; die Vierung, das Onerschiff und der Westchor, sowie deren Bedachungen sollten beibe ­ halten werden. Auch der Ostchor sollte bleiben, jedoch außen mit Quadern neu umkleidet werden. Es war 1704 ferner beschlossen, daß die St. Andreas- und die Taufkapelle erbaut würden; daß das Langhaus wegen Baufülligkeit hätte ab ­ gebrochen werden müssen, ist nirgends gesagt; es war dieser Abbruch vielmehr deshalb noth ­ wendig, weil es nicht möglich war, die in den unteren Theilen nur aus freistehenden dünnen Säulen bestehenden Mauern zwischen dem Mittel ­ schiff und den Seitenschiffen als Stützen und Widerlagen der beabsichtigten Ueberwölbung zu verwenden; die nur mit ziemlich kleinen Fenstern durchbrochenen Mauern des Querschiffes und des Westchores gedachte man beizubehalten und durch pfeilerartige Verstärkungen, welche an der inneren Seite aufgeführt werden sollten, zum Tragen der beabsichtigten Ueberwölbung geeignet zu machen. Sodann sollte die ganze Kirche mit Backsteinen überwölbt werden. Der 1704 genehmigte Plan wurde jedoch 1705 geändert, denn in diesem Jahre legte Dientzen- höffer einen neuen Riß zur Genehmigung vor, nach dem die Kirche im Ganzen länger und breiter werden sollte. Gleichzeitig legte der Baumeister Entwürfe vor über den Neubau des Westchores mit der Bvni- satiusgrnst, der Sakristei, des Kapitelhauses (b. i. der jetzigen Marienkapelle) sowie über vier Arten zur Ausführung der großen Kuppel. Da nun die Kuppel ohne eine neue Vierung nicht mög ­ lich war, und eine solche nicht ohne ein neues Onerschiff, so werden die neuen Entwürfe sich auch auf diese Bautheile, obwohl sie nicht aus ­ drücklich aufgeführt sind, bezogen haben, unb es scheint, als ob die Genehmigung zum Neubau dieser weiteren Bantheile auf Grund der 1705 vorgelegten Pläne erfolgt sei. Endlich wurden dem Dientzenhöfser im Jahre 1709 weitere Arbeiten an den beiden östlichen Thürmen übertragen; es werden solches die ­ jenigen gewesen sein, durch welche diese Thürme ihre jetzige Gestalt erhalten haben. Der Bauherr entschloß sich hiernach nur all ­ mählich zur gänzlichen Erneuerung des alten, ehrwürdigen Baues, sei es, daß er anfänglich den Hnnpttheil, als welcher der Westchor mit dem Grabmal des hl. Bonifatius zu betrachten ist, er ­ halten wollte, sei es, daß er anfänglich das Können seines Baumeisters bezweifelte. Für den Baumeister entstand dadurch eine große Schwierigkeit, daß der Neubau erst nach und nach beschlossen wurde, und daß Theile vor ­ handener Bauten bei dem Neubau benutzt wer ­ den mußten, nämlich die östlichen Thürme zum Theil, und die östlichen Außenmauern des Kreuz ­ ganges vom angrenzenden Kloster. (Der Vor ­ tragende legte einen Grundriß vor, der die bei ­