58 berg dasteht. Nur waren die Seitenstraßen viel länger ausgedehnt als jetzt. Nun standen aber auf den vielen angewiesenen Bauplätzen nach dem Abzug der Mehrzahl nur wenige Häuser, und zwar ganz zerstreut; nur die erste Seitengasse, die von Joh. Guillaumon's Haus nach dem Pfarr ­ garten zieht, war ziemlich besetzt, in der Haupt ­ straße aber standen nur acht Häuser, „sodaß das Ganze eher den Eindruck eines wüsten Feldes als eines Dorfes machte". Daher befahl der Gras, „um doch den Ruhm zu haben, ein einigermaßen regelmäßiges Dorf gegründet zu haben", daß die, welche in die äußersten Straßen des alten Grund ­ risses gebaut hatten, ihre Baracken abbrächen und ihre neuen Häuser mehr in der Mitte des Dorfes wieder ausbauten.*) Die ersten konnten sich die Bauplätze wählen; aber innerhalb vier Jahren sollten alle Häuser gebaut sein. Es waren 44 Baracken gewesen, von denen aber mehrere leer standen; es wurden gebaut bis zum Jahre 1715 36 Häuser; 8 Häuser aus jeder Seite der Haupt ­ straße, die anderen in den Seitengassen; im Jahre 1731 waren es 40 Häuser. Die den Abge ­ zogenen zugewiesenen Bau-, Hof- und Garten- plätze, die von den Zurückgebliebenen urbar ge ­ macht worden waren, wurden diesen als Aecker und Gärten überlassen. In der Mitte des Dorfes, an der Stelle, wo jetzt die Kirche steht, war ein Betsaal errichtet worden, in dem wahr ­ scheinlich auch die Schule gehalten wurde. An der Stelle des jetzigen Pfarrhauses stand das Haus, das sich Pfarrer Roman gebaut hatte; das also sein Eigenthum war. Schräg gegenüber an der Stelle, wo das Hvhn'sche Haus steht, war der Gemeiudebackvfen gebaut worden, und davor hatte man einen Brunnen gegraben, der aber kein Wasser gab. Abraham Passet hatte sein Wirthshaus an die Seite des Bet- und Schulhauses gesetzt in die Gasse, wo jetzt das Schulhaus steht; nach seinem Wegzug hatte Jullien die Wirthschaft in seinem Hause, in dem jetzt der Aelteste Schmidt wohnt, und das „Hof- verwalters" genannt wird. Das Haus gegen ­ über, das Joffroh und Moritz gehört, ist voll *) Règlement pour la construction régulière de Waldenberg vom 10. Juni 1702. R. A. Diese An ­ weisung schließt: Lebt nur in Frieden in dieser Welt, als wenn ihr nur ein Leven hier zu leben hättet; lebt darin als einige Brüder, denen Gottes Vorsehung eine Zuflucht in diesem Lande zubereitet hat. einer angesehenen, jetzt ausgestorbenen Familie Fillhol gebaut worden. Nach dem Tod des Pfarrers Roman trat die Nothwendigkeit an die Gemeinde heran, ein Pfarrhaus zu bauen, und zugleich mußte man an eine Kirche denken. Mit Hilfe von Kollekten ­ geldern wurde wenigstens zunächst im Jahre 1716 ein steinernes Pfarrhaus gebaut — es ist die jetzige Kirche. Die Maurer bekamen 145 Gulden für ihre Arbeit. Der Platz daneben in der Gasse, auf dem Pafset's Baracke gestanden hatte, war für die Kirche bestimmt. Vorläufig aber konnte kein Kirchbau gewagt werden, da man schon zu dem Pfarrhausbau 100 Gulden in Büdingen hatte leihen müssen. Man kaufte Roman's Haus und richtete es zum Schnlhaus ein, hielt auch darin die Kirche; später, bei Pfarrer Königes Zeit, kam man zum Gottesdienst in einer Stube des Pfarrhauses zusammen, die wahrscheinlich etwas größer und höher als die Schulstube war, aber doch nur ein nothdürftiger Behelf war. Die Straßen waren zuerst natürlich nur bloße Feldwege, ganz uneben, auch standen noch Bänme darinnen; erst 1702 wurde Befehl gegeben, die Straßen wenigstens gleich und eben zu machen und die Stämme auszuhauen. 1724 ordnete der Bürgermeister Jullien an, daß jedermann vor feinem Hanse die Straße in Ordnung halten und einen drei Fuß breiten Fußsteig vor seinem Grundstück herstellen sollte; aber um dies durch ­ zusetzen, mußte er erst den Rath Schmidt um einen Befehl von der gräflichen Kammer an ­ gehen. Ebenso hatte man für Schönheit kein be ­ sonderes Verständniß. Der gräfliche Beamte be ­ richtet 1702: „Ich habe auf gnädigen Befehl den Waldensern gesagt, sie sollten die Miststätte nicht in die Gassen machen, habe aber eine un ­ willig und lnulicht Antwort von dem Bürger ­ meister empfangen, indem daß er so kühn ist ge ­ wesen und mich gefraget. warumb man dan Miststätte in Wächtersbach leidete."*) In Wächtersbach wie in Waldensberg sind noch heute die Miststätten vor den Häusern, und die Jauche, „das flüssige Gold der Landwirthschast", fließt über die Straßen. Nur in einigen Füllen wird dem Willen des Grafen jetzt noch entsprochen. *) R. A. (Schluß folgt.)