Gin zeitgenössisches Urtheil über den ..Ssldatenhandet" Landgraf Friedrichs II. und seine Würdigung. Von I. Für er. (Fortsetzung.) ^Mlarum aber, so höre ich trotzdem noch ein- wenden, warum ließ man sich, wenn die 1 Absicht der Desertion bestand, mit aus ­ wechseln, statt das Einfachste zu wählen und die Zeit der Gefangenschaft dazu zu benutzen? Klingt das nicht doch nach „vorher genommenem Abschied"? Gut! Dann gab es eben zwei Möglichkeiten: Er wurde genehmigt oder er wurde abgeschlagen. Die Annahme des Ersteren richtet sich nach oben Gesagtem von selbst. Wer aber dennoch daran festhält, der muß konsequenter Weise auch dein Gedanken an „ohne Wissen und Einwilligung" erfolgten „Verkauf" Valet sagen und volens nolens einem völlig freiwilligen nicht nur, son ­ dern auch — eine für Bestand und Zusammen ­ halt des Heeres freilich recht zweifelhafte Ga ­ rantie — jederzeit, nicht etwa erst nach Beendigung des Feldzuges wieder lösbaren Vertrag das Wort reden, eine Konsequenz, deren Unvermeidbarkeit heraufzubeschwören am wenigsten gerade in der Absicht derjenigen liegen dürfte, die ein Interesse daran haben, die Aussagen der beiden Deserteure ansrecht erhalten zu sehen. Erfolgte aber, um auch die zweite Möglichkeit in Betracht zu ziehen, auf besagtes Abschiedsgesuch ein abschlägiger Bescheid, was wiederum nur möglich war, wenn ein so leicht lösbarer Vertrag nicht bestand, dann würde man auf die kampfes ­ müden Fähnriche zu erwartender Fahnenflucht halber ein solch' scharfes Auge gehabt haben, daß ihnen jeder Versuch der Desertion wohl gründlich mißglückt wäre. Hätten wir hiermit den vom Delinquenten, wie wir ihn jetzt schon nennen zu dürfen glauben, für seine nochmalige Rückkehr zum Regiment an ­ gegebenen Grund als haltlos erwiesen, so glauben wir nun auch noch die positive Erklärung dieses auf den ersten Blick so räthselhaft erscheinenden Verhaltens schuldig zu sein. „Wir haben viel ausgegeben!" Diese schon früher kurz gewürdigte Bemerkung dürfte den Schlüssel dazu enthalten. Nicht leichten Herzens wie den Handschuh wechselte man Vaterland und Freundschaft. Wären nur die lästigen Schulden nicht gewesen und noch so manches Andere, was das „Kerbholz" auswies, wie gerne wäre man im Regiment geblieben! Man wollte sich doch erst noch einmal überzeugen, ob inzwischen nicht dies oder jenes in Vergessenheit gerathen, sehen, ob nicht die eine oder andere mitleidige Seele viel ­ leicht sich fände, die Schuldenlast erleichtern zu helfen, ehe man sich definitiv zu dem folgen ­ schweren Schritt entschloß, alle Brücken hinter sich abzubrechen. Ein letzter, verzweifelter Ver ­ such war es. Erst als dieser fehl schlug, als man zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein ferneres Verbleiben im Heere doch nicht möglich, daß schimpfliche Kassation drohte, da beschloß man, diese lieber unter den in puncto honoris weniger empfindlichen Yankees als später in der Heimath zu ertragen. Was aber bezweckte man mit jener Lüge von dem „vorher genommenen Abschied" ? Nun, wir deuteten es bereits an, als wir bemerkten, daß die Deserteure neben dem Bestreben, ihre seit ­ herige Gegnerschaft als eine möglichst unverschuldete hinzustellen, auch noch ein Interesse daran hatten, ihre Entfernung vom Heere als unter möglichst unanfechtbaren Umständen erfolgt erscheinen zu lassen. Offenbar in wohlberechneter Absicht ver ­ fiel man dann in der Darstellung auf die effekt ­ volle Form der „gradatio“. Am nöthigen Pathos zwar, an rhetorischem Schwung ließ man es schon am Anfang nicht fehlen; allein alle die hoch- und gelehrt tönenden Phrasen vermochten doch das Gefühl nicht zu unterdrücken: Wir finb und bleiben auch in den Augen der Amerikaner Deserteure und werden als solche nie „so rein dastehen, wie irgend welche andere Unterthanen dieser vereinigten Staaten". Wie aber, wenn wir ihnen klar zu machen verstünden, daß „dies noch nicht ganz unsere Lage ist", mit andern Worten, daß wir eigentlich gar keine Deserteure sind? Und als solche können wir doch nicht gut mehr gelten, wenn wir — Ehrenmänner, die wir nun einmal sind — ganz ordnungsmäßig vorher unsern Ab ­ schied eingereicht haben. Ja, _ wie ganz anders noch werden wir dann erst dastehen! Der gute Pankee, den wir schon halb, momentan vielleicht auch ganz von der Ehrenhaftigkeit unserer Desertion überzeugt haben, er wird uns „Uebermenschen" gerührt cn seine Arme schließen! Wir bringen hiermit unsere Widerlegung, so ­ weit sie sich auf die in der Natur der Sache liegenden Momente und aus den Charakter der Rechtfertignngsschrift stützt, zum Abschluß, halten