320 ihren Weg durch sich selbst machen, nur dürste die Handlung mit dem als Kürassier verkleidet sich unter das Volk mischenden König Heinrich IV. von Frankreich und seinem die Paradeklinge im Pfandhaus versetzenden Leibdragoner etwas mehr zusammengezogen werden. Bei der Oper Lion(s bedarf es ein wenig der Unterstützung durch die landsmännischen Kreise, um ihr nachhaltigen Erfolg zu sichern. Das verhältnißmästig recht gute Text ­ buch des Mainzer Dichters N o h a s ch e k behandelt das neuerdings wieder in so zahlreichen Variationen (Mascagni, Leoncavallo rc.) angezogene Eifersuchts ­ thema. Die einer reichen Weißen zur Liebe ver ­ lassene Indianerin Winapoh, die Lebensretterin, erschießt ihren treulosen mexikanischen Jäger Pedro, nachdem sie ihn wiedergefunden, stürzt sich selbst aber in den Abgrund. Die Musik des jungen Kasselaners zeugt von redlichem Streben und ist geschickt zusammengestellt, namentlich, soweit es sich um das lyrische Element handelt, in Bezug aus das Dramatische ist sie ein wenig zu banal gehalten. Es ist nicht zu leugnen, daß Zoellner in Bezug aus Originalität, Melodik und Instrumentation wenigstens vorläufig noch der Größere ist. Musikdirektor Or. Beier hatte Beides mit Liebe zur Sache einstudirt, auch ließ die Jnszenirung nichts zu wünschen übrig. Gleiches gilt von den mitwirkenden Kräften, unter denen in „Winapoh" Frl. Joachim (Winapoh) neben Herrn Bar tram (Pedro) und im „hölzernen Schwert" Frau Porst (Lisette) neben den Herren Bartram (König Heinrich) und Kietz mann (Gautier) besonders hervortraten. Todesfälle. In der Nacht vom 12. auf 13. November verschied zu Göttingen Professor Dr. Viktor Hüter, eine Autorität als Frauen ­ arzt, überhaupt einer der bekanntesten Aerzte seiner Vaterstadt Marburg, wo er am 16. Oktober 1832 als Sohn des Direktors der Entbindungsanstalt Professor Karl Hüt er geboren war. Sein ganzes Leben hat der Verstorbene dort zugebracht. Er hat dort Anfangs der 50er Jahre studirt, seit No ­ vember 1858 gelehrt und seine bedeutende Praxis bis kurz vor seinem Tode geübt. Am 16. November verstarb zu München der Kulturhistoriker Professor Wilhelm H. von Riehl im 75. Lebensjahre, der auch in Hessen durch seine gediegenen Vorträge und seine treff ­ lichen Bücher bekannt ist, ein geborener Nassauer aus Biebrich. Was uns veranlaßt, seiner an dieser Stelle zu gedenken, ist der Umstand, daß er in Marburg Anfangs der 40er Jahre (1841) studirte und zwar Theologie. In seinem so sehr lesenswerthen Buche: „Religiöse Studien eines Weltkindes" (Stuttgart 1894) schildert er auf S. 424 u. ff. seine dortigen Erfahrungen in höchst fesselnder Weise, sodaß wir unseren Lesern die Lektüre desselben dringend an's Herz legen. '^etfonatien. Verliehen: dem Erbschenken im vormaligen Kur ­ hessen Dr. Freiherrn Schenck zu Schweinsberg in Fünfkirchen in Ungarn, sowie dem Erbkämmerer eben ­ daselbst Grafen von Berlepsch auf Schloß BerleUch bei Witzenhausen der Kronenorden 2. Klasse; dem Forst ­ meister a. D. Cornelius zu Bischhausen der rpthe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und der Zahl 50; den Forstmeistern a. D. Wachs zu Kassel und Metz in Bracht der rothe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife; dem Forstmeister a. D. Siebert in Neustadt der rothe Adlerorden 4. Klasse; dem Pfarrer S e ß l e r in Schönstadt der rothe Adlerorden 4. Klasse. Ernannt: Staatsanwalt Wagener in Kassel zum Ersten Staatsanwalt in Liegnitz, Pfarrer Siebert in Wehrda zum Pfarrer in Eichen; die Referendare Bl ackert und Dr. Rundnagel zu Gerichtsassessoren. — Rohde, Sekondlieutenant der Reserve des Feldartillerieregiments Nr. 34 (Metz) zum Premierlieutenant. Versetzt: Staatsanwalt G r e f f r a th in Frankfurt a. O. an das Landgericht nach Kassel. Geboren: ein Mädchen: Major Graf Franz Pfeil und Klein Ellguth und Gräfin Amelie, geb. von Loßberg (Kassel, 17. November). Gestorben: Pfarrer Friedrich Nie meyer, 65 Jahre alt (Exten. 1. November); Eduard Scheller (St. Gilgenberg bei Bayreuth, 13. November); Frau General von Berger, geb. von Zeuner, 84 Jahre alt (Kassel, 15. November); Frau Hedwig Stölzel, 51 Jahre alt (Haßloch, 15. November); Professor Dr. Karl Jsraöl-Holtzwart (Frankfurt a. M., 16. November); verwittwete Frau Gert rüde Keßler, geb. Kirchhof, 44 Jahre alt (Kassel, 16. November); Lehrer Friedrich R o s e n st o ck, 34 Jahre alt (Kassel, 17. November); Bäcker ­ meister Konrad Weißenborn, 48 Jahre alt (Kassel, 18. November); Kaufmann Julius Kehm (Kassel, 19. November); Postsekretär a. D. Konrad Gehn er, 73 Jahre alt (Kassel, 25. November). Tonristische Mittheilnngen aus beiden Hessen, Naffau, Frankfurt a. M., Waldeck und den Grenze gebieten, herausgeg. von Dr. Wilh. Lange, Jahrgang V, Nr. 5 (November 1897). Inhalt: Grubenhagen von Scheibe. Die Taunusfahrt des Niederhessischen Touristen ­ vereins sZweigverein Kassels von G. Haupt (Schluß). Rheintour des Taunusklub. Von Fried. Ad. Schmidt. Eine alte Räuberherberge im Taunus. Die Fuchsmühle bei Schloßborn. Hexenritt von Ludwig Mohr. Berichte. Briefkasten. L. P. in Kassel. Der Verfasser des Artikels über „Die Kunst in Kassel" erklärt, seine darin geäußerten Ansichten nach jeder Richtung hin mit seinem Namen vertreten zu wollen. Demgegenüber würden wir nur dann Ihrem Gegenartikel Raum geben können, wenn Sie uns gleichfalls in den Besitz Ihrer genauen Adresse setzen möchten. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. W. Grotefend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kassel.