287 Airs Keinrcrth un6 Arrenröe. Verein für hessische Geschichte und Landeskunde zu Kassel. Die erste Sitzung des Geschichtsvereins im Winterhalbjahr 1897/98 eröffnete der erste Vorsitzende Bibliothekar an der Landesbibliothek Dr. Hugo Brunner am 25. Oktober an gewohnter Stätte mit einer Begrüßung der Anwesenden und geschäftlichen Mittheilungen. Darnach sind 27 Mitglieder in den letzten Monaten neu eingetreten, abgegangen dagegen 21. Professor Lenz, der 37 Jahre das Amt des Kassenführers mit großer Umsicht verwaltete, hat dasselbe seiner Gesundheit halber niederlegen müssen. Sein Nach ­ folger wurde laut Beschluß der Generalversamm ­ lung zu Gudensberg Landesbankrath Wolfs von Gndenberg. Professor Lenz wurde ebendaselbst zum Ehrenmitglied ernannt. In etwa 14 Tagen wird der neue Band der Zeitschrift mit den Mit ­ theilungen zur Ausgabe gelangen können. Wiederum sind zahlreiche Geschenke eingegangen, darunter von Weinhändler Le Goullon eine Anzahl Ansichten von Wilhelmshöhe, von Dr. Lange sein Buch: „Zu den Sooden", von Major a. D. von Löwen ­ stein ein Zengdruck, in dessen Mitte eine Ab ­ bildung: „Hessische Bürgergarde im Eichenhain", in den Ecken Fahnen und militärische Embleme mit verschiedenen Umschriften (1832), und von den Hof-Juwelieren Range, ebenfalls zu Kassel, ver ­ schiedene Druckschriften aus dem Jahre 1813. Be ­ vor dann der Hauptredner des Abends, Land ­ gerichtsrath Büsf, das Wort nahm, sprachen noch mehrere andere Herren, so erläuterte Dr. nioä. Schwarzkops ein Koloritbild, welches den Dichter Seume vor der Doppelreihe der zur Exekution auf ­ gestellten Soldaten in Ketten zeigt, daneben die Unteroffiziere, welche ihm die Handfesseln abnehmen sollen. Seume war nach seiner Desertion aus hessischen Kriegsdiensten nach der Rückkehr aus Amerika bekanntlich bald wieder von Werbern an ­ gehalten, dieses Mal aber von preußischen Werbern, die ihn dem Regiment „Courbiores" in Emden ein ­ reihten. Auch hier versuchte er zu desertiren, aber ohne Erfolg, er wurde vor das Kriegsgericht ge ­ stellt und zu zweimaligem Spießruthenlausen ver- urtheilt, doch wurde das Urtheil nicht vollzogen, vielmehr die Strafe in Gesängnißhaft umgewandelt, aus der Seume sich dann bald zu befreien wußte. Die Vorlage gab dem Redner Anlaß, seine be ­ deutende Bewandertheit in der Unisormskunde an den Tag zu legen, indem er nachweisen konnte, daß die Uniform der aus dem Bilde dargestellten Unteroffiziere von der Montur des Regiments „Courbisres" in verschiedenen Einzelheiten abwiche. Bezüglich eines Fundes von menschlichen Gebeinen, darunter ein Schädel, in dem noch eine Flinten ­ kugel steckte, der bei den kürzlich auf dem Grundstück der Bodenheimffchen Faßfabrik am Grünen Weg p Kassel vorgenommenen Kanalarbeiten gemacht wurde, könnte Dr. Schwarzkopf an der Hand des Werkes von Dr. Hugo Brunner „Kassel im siebenjährigen Kriege", S. 173 — 174, nachweisen, daß diese Ge ­ beine aus dem Jahre 1762 stammen, als die Alliirten die Franzosen unter General von Diesbach in Kassel belagerten. Dort auf bem Grundstück der jetzigen Bodenheimffchen Fabrik, dem Reiß- berg, lag eine vorgeschobene französische Ver ­ theidigungsschanze, auf die am 23. Oktober 1762 von den Alliirten ein Sturm eröffnet wurde, der endlich abgeschlagen wurde. Es kann nach dieser Darstellung als sicher angenommen werden, daß die jetzt wieder arbs Tageslicht gekommenen Knochen- maffen von den damals gefallenen verbündeten Truppen (Braunschweigern) herrühren. Fast der ­ gleichen Zeit gehören die auf dem Grundstück des Dr. Mense am Philosophenweg ausgegrabenen Kanonenkugeln an, vermuthlich sind sie bei der von Gras Wilhelm von Bückeburg 1761 aus ­ geführten Belagerung Kassels dorthin gekommen. Weiter legte Bankier Fiorino einen Thaler vor, welcher in der Münze Heinrich Hermanns von Milch ­ ling aus Burg Milchling geprägt ist, der 1569 von Kaiser Maximilian II. in den Reichsfreiherrn ­ stand erhoben wurde. Er besaß das Münzrecht, übte es zumal in den Jahren 1608 -1610 aus, aus denen der vorgelegte Thaler stammt, der auf der einen Seite das Bild Kaiser Rudolfs II., ans der anderen das Milchlingffche Wappen zeigte, ver ­ muthlich ist die Prägestätte Nürnberg. Alsdann hielt Landgerichtsrath Büss seinen angekündigten Vortrag über „Hessisches Leben in Sage und Sitte", der die ungewöhnlich zahlreiche Zu ­ hörerschaft, die den Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatte, zu lebhaftem Beifall begeisterte. Vortrag. Am Mittwoch, den 20. Oktober, Abends, hielt Se. Excellenz Generallieutenant z. D. von Schmidt im großen Saale des neuen evangelischen Vereinshauses den zum Besten des Philipps den km als angekündigten Vortrag über: „Kassel im 16. Jahrhundert als Stadt und Festung", welcher sehr großen Beifall fand. Durch das gütige Entgegenkommen des Herrn Vortragenden sind wir in den Stand gesetzt, dessen inhaltreiche, aus den sorgfältigsten Studien fußenden Ausführungen demnächst im Wortlaut zum Abdruck zu bringen.