245 auch heuet fertig wurde»i, und so etwas für Eller Liebdeil zu kaufen fursalleu werbt, wil ich Euer Liebdeu allch nit uneroffent laßin, beim der ­ selben Euer Liebdeu sreuntlich Diust zu ertzeigeil bin ich geneigt." An diesen Brief hat der verstorbene Keßler in feinen hinterlassenen Aufzeichnungen, die in der > Ständischen Landesbibliothek in Kassel aufbewahrt werden, folgende Betrachtungen geknüpft, die auch unseren Lesern einleuchten werden: Mit völlig unwiderleglicher Gewißheit, — sagt Keßler —, geht nun freilich aus diesem Schreiben nicht hervor, daß das darin erwähnte Pfeiflein die Form eines Schlüssels gehabt, mit der weiter geilannten Kette verbunden und zum Tragen vor der Brust be- ! stimmt gewesen, auch ist nicht ausgeschlossen, daß ! Kurfürst Friedrich „Pseislein" genannt habe, was eine andere Bestimmung gehabt. Ob aber das Angehänge die Form eines Schlüssels oder einer Pfeife gehabt, dürste zuvörderst bei Erörterung der vvrgedachten Frage von wenigem Belang sein, da, wenn der Landgraf kein Bedenken fiilden konnte, eine eigentliche Pfeife an einer Kette vor der Brust zu tragen, er natürlich ebensowenig Anstand genommen haben kann, einen zugleich als Pfeife zu gebrauchenden Schlüssel zum Zwecke dieses Gebrauchs an jener Stelle zu tragen. Sodann wird eine bestandene Verbindung der Pfeife oder des Schlüssels mit der zugesandten Kette schon deshalb angenommen werden müssen, weil Kette und „Pseislein" mit dem Schreiben offenbar abgegangen waren und demnach das Ueber- sendete nur Kette, wovon also die Pfeife nur ein Theil gewesen sein kann, genannt wird, auch von einer Ausbesserung der Kette selbst nicht die Rede ist, diese mithin nicht beschädigt gewesen und dem Kurfürsten mit dem Schlüssel oder der Pfeife nur iu der Absicht zugesaudt sein wird, die von ihr abgefallen gewesene Pfeife wieder an der Kette, zu welcher sie mithin gehörte, befestigen zu lassen. Wollte man die Zubehörung der Pfeife zu der Kette nicht einräumen, so würde auch jedenfalls eine Verlegenheit über die Bestimmung des von dem Goldschmied verfertigten und mithin ganz gewiß golden oder silbern gewesenen Schlüssels entstehen, der doch zum Ausschließen hölzerner Schubladen und eiserner Kasten nicht wohl ver ­ wendet sein kann. Die bedeutendste bisher bei Einräumung der Bestimmung oder Mitbestimmung des Schlüssels zum Gebrauch als Pfeife obwaltende Schwierigkeit scheint die Ansicht abgegeben zu haben, daß es der Würde des Landgrafen nicht entspreche, anzunehmen, er habe den Schlüssel zu solchen gewöhnlichen häuslichen und sonstigen minder wichtigen Zwecken wie zum Herbeirufen eines Kammerdieners, zum Gebrauche auf der Jagd u. f. w. offen vor der Brust getragen und sich damit abbilden lassen, während doch hierbei außer Acht gelassen wird, daß die Bestimmung der damals von Fürsten und anderen hohen Standespersonen getragenen Ketten hauptsächlich Erhöhung des Schmuckes der Kleidungen und Bezeichnung vorhandener Standesuuterschiede war, mithin au denselben auch Gegenstände zur Vermehrung solchen Putzes befestigt werden konnten, denen eine ideelle oder sonstige besondere Bedeutung nicht »mte^ulege»» war. So ist z. B. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen in Pautaleou's Prosographia lieroum, Basileae 1505, mit einem Ringe an einer goldenen Kette und sind andere Standespersonen daselbst ebenfalls mit ähnlichen Schmucksachen vor der Brust abgebildet. Warum hätte gerade der Schlüssel aus der Reihe von der ­ gleichen an den Ketten befestigten Gegenstände»! verbannt sein sollen, »vie denn Estor in der Vor ­ rede zum 1. Bande der Marburger Beyträge zur Gelehrsamkeit nnb Kunst auch in der Mehrzahl von fürstlichen Zeitgenossen Philipp's redet, welche Schlüssel an Ketten über der Brust getragen Hütten. Wenig Erfolg verspricht es, wenn wir nun darüber nachdenken wollten, zu »velcheu Zwecken sich Landgraf Philipp seines „Pseisleius" bedient habe und ob der an der Kette befestigten Pfeife irgendwelche tiefere Bedeutung zu Grunde liege, die sich etwa aus den persönlichen Beziehungen Landgraf Philipp's zu Kurfürst Friedrich dem Weisen erklären lasse. Vorläufig genüge es, die von Georg Ludwig Keßler mit besonderen» Glück vertretene Hypothese, daß der scheinbare Schlüssel in Wirklichkeit eine Pfeife sei, wieder zu Ehren gebracht zu haben. Aus Karl Schorn bürg's Briefwechsel. Auch ohne das ihm in K a s s e l errichtete Dent ­ inal würde der ain 4. Juli 1841 verstorbene Oberbürgermeister Karl Schomburg in» Gedächt ­ niß der Kasseler Bürger wie des Hessenlandes fortleben. Will man zu einer klaren Anschauung des Wesens des großen Patrioten gelangen, so bietet das Studiun» des fesselnden Buches von Karl Bernhardt: „Karl Schomburg. Brief ­ wechsel und Nachlaß mit biographischen Andeutungen. Kassel 1845" dazu die beste Gelegenheit. An dieses zwar alte, aber deshalb noch keineswegs veraltete Werk zu erinnern, bezweckt die Wieder ­ gabe der folgenden Zeilen aus einen» Briefe Schornburg's von» 17. November 1821, worin er die Gründe auseinandersetzt, d»»rch die er sich zu der Uebernahme des Bürgermeisteramtes