179 In diese allgemein bekannte Geschichte der Reichs- grasschast Hanau sügt sich nun ihre besondere Münzgeschichte ein. Das Münzrecht hatte die Grafschaft, schon ehe sie Reichsgrasschast wurde, im Jahre 1368 erworben, wobei ihr Baben ­ hausen als Münzstätte angewiesen wurde; sie hat aber bis zu ihrer Theilung keinen Gebrauch davon gemacht. Nach der Theilung lag dann die besondere Schwierigkeit vor, daß die Linie Münzen ­ berg (als die ältere) das Münz recht, die Linie Lichtenberg aber die Münzstätte (Babenhausen) besaß. Erst im Jahre 1587 (219 Jahre nach Erwerbung des Münzrechts, 180 Jahre nach der Theilung) erwarb die im Besitze der Münzstätte befindliche jüngere Linie für sich besonders das Münzrecht, prägte aber merkwürdiger Weise An ­ fangs nicht in Babenhausen, sondern in der lichten- bergischen Stadt Wörth im Niederelsaß; erst seit etwa 1607 tritt Babenhausen als wirkliche lichtenbergische Münzstätte ans. Die ältere Linie begann etwas später als die jüngere zu prägen, indem sie im Jahre 1603 in Hanan eine Münze anlegte. Somit giebt es Prägungen von Hanau- Münzenberg aus den Jahren 1608 bis 1639 (aus den letzten drei Jahren der älteren Linie kennt man keine Münzen), Prägungen. von Hanau- Lichtenberg aus den Jahren 1587 bis 1632 (die letzten zehn Jahre dieser Linie, also bis 1642, haben keine Münzen ergeben), endlich Prägungen von Gesammt-Hanau unter den Lichtenbergern aus den Jahren 1647 (statt 1642) bis 1731 (statt 1736). Suchier beschreibt alle aus diesen drei Abschnitten bekannt gewordenen Gepräge: von Münzenberg 175, von Lichtenberg 294, von Ge ­ sammt-Hanau 282, im Ganzen 751 Stück unb dazu 22 Münzstempel. Tie 20 meist trefflich ge ­ lungenen Lichtdrucktafeln bilden 350 Gepräge itnb 3 Münzstempel ab. Die Beschreibungen sind, ge ­ mäß den Anforderungen der Wissenschaft, peinlich genau; aber der Verfasser hat sich nicht auf Be ­ schreibung und Abbildung beschränkt, sondern eine Fülle von geschichtlicher Anregung in den Tert vertheilt/ indem er den Münzen eines jeden Regenten und innerhalb dieser oft denen einer jeden Gruppe allgemeinere Erörterungen voraus ­ schickt oder folgen läßt, bei werthvolleren oder interessanteren Stücken eine eingehende Besprechung anknüpft und überdies 55 Fußnoten giebt. Aus all diesem vermag der Fachmann, wie ich dankbar anerkenne, viel Belehrung von unserem Hananischen Meister entgegennehmen, aber auch für den Laien, der sonst leicht numismatische Bücher als zu trocken bald wieder aus der Hand legt, wird das Buch dadurch werthvoll uud fesselnd, wenn auch sein Genuß nicht an den des Numismatikers dabei heranreichen mag. Von besonderem Werth ist in dieser Hinsicht der 15 Seiten umfassende Abschnitt über Münzstätten und Münzmeister. So vielen Vorzügen gegenüber fallen einige wenige Unvollkommenheiten meist technischer Art nur unbedeutend ins Gewicht. Von Druckfehlern, die theils mir vom Herrn Verfasser gütigst mit ­ getheilt, theils von mir selbst entdeckt wurden, mögen als wichtigere erwähnt werden: S. 22, Z. 3 steht 1575 statt 1576; 41, Z. 19 fehlt A. nach SEM.; S. 48, Z. 14 steht 69 statt 96; S. 55, Z. 11 nach Felde fehlt: letzteres ein rothes Schildlein ebenfalls in goldenem Felde.; S. 77, Anm. 41, Z. 5 steht Mm. statt Mark; S. 87, Z. 41 fehlt ein Punkt nach GAS; S. 92, Z. 18 steht 1650 statt 1656; S. 97 fehlt bei Nr. 626 die Bemerkung, daß die 2 im Reichsapfel zwischen zwei Punkken steht; S. 99 fehlt bei Nr. 646 die Angabe, daß auch 11 statt V vorkommt; S. 106, Z. 9 ist der Punkt nach 60 zu streichen; Tafel XVI steht 797 statt 597. Bei den Abbildungen ist 441 (Tafel XI) schief gerathen; 510 (Tafel XIV) hat den Revers vor dem Avers; 702 (Tafel XIX) steht theilweise aus dem Kopse. Möchte das Buch recht viele Leser finden und die Sammler veranlassen, ihre Stücke mit ihm zu vergleichen und Abweichungen dem Verfasser mit ­ zutheilen. Leipzig. H^auk Weinmeisler. Festzeitnng zum Hanauer Jubelfest. — Der 30Ohunderijährigen Feier der Gründung der Neustadt Hanau ist die Entstehung einer Gabe, wie sie zweckentsprechender kaum gedacht, zu ­ zuschreiben, es ist die vom Preßausschuß des Fest- komitös herausgegebene „Festz eitnng zur 30 0jähr. Jubelfeier der Gründung der Neustadt Hanau". Kommissionsverlag von Fr. König's Hofbuchhaudlung (R. Altmannsperger) in Hanau. 20 S. 40. — Wir glauben unsern Lesern am leichtesten Gelegenheit zur Bildung eines Urtheils zu geben, wenn wir ihnen den Inhalt des auch äußerlich bestens ausgestatteten Blattes in kurzen Zügen vermitteln. Neben schwungvollen Gelegenheitsgedichten („Festgruß" von Otto Wacker mann und „Der 13. Juni" von Fritz Sch leuch er) finden wir da volksthümliche ge ­ schichtliche Aufsätze aus sicherer Grundlage von Otto Ankel („Alt-Hanau", „Neu-Hanau", „Gras Philipp Ludwig II". Die Gründer von Neu-Hanau") August Winkler, Karl Neßler und Arthur Wessel („Die Wallonisch-Nieder ­ ländische Kirche") und Heinrich Heusohn