173 Als Anton vor dem Lamprecht'schen Hause seinen ergebenen Gruß an den Herrn Ober ­ gerichtsrath zu entrichten bat und seinen Besuch auf morgen ankündete, wußte Schwester Mariechen, was Anton und Helenchen seit einigen Stunden als „ihr" Geheirnniß bewahrten. In voller Glückseligkeit schritt Anton nun neben der Mutter einher über den im vollen Mondesglanz säst taghell schimmernden Friedrichsplatz. „Mutter, Helene Lamprecht ist meine Braut!" rief er plötzlich, stehen bleibend, voller Begeiste ­ rung aus. „So, so!" versuchte die Mutter in strafendem Tone zu erwidern, „also hat doch der ,Referendar' das Wort gesprochen, das der ,Herr Assessor' erst Hütte wagen dürfen'!'" „Ach Mutter, denke nur, Halsbinden kann Helenchen aber nicht anfertigen, das sagte Mariechen nur so!" „Nun, Antonchen, Du hast doch gut gewählt. Den eben erwähnten Mangel achte ich gering, denn ich hoffe, es wird mir noch vergönnt sein, einer späteren Generation mit meiner besondern Kunstfertigkeit Freude zu bereiten!" „Arme Jungen!" seufzte leise der Referendar zum Monde ans und gedachte der Hinunelblauen mit weißer Blonde! -i-äH- Marum öoch? Warum doch singt zur Lenzzeit Wom Kerbst des Sängers Lreö, Warum im vollen Leben Klingt Sterben in's Gemüth? Wan sagt rvohl: nur dem Deutschen Sei Dieses eig'ne Art —: Doch ist in jedem Kerzen So Lust mit Leid gepaart. Warum doch? Weil in allem Dem Kerz ein Sehnen bleibt. Das auch im ganzer: Leben Kein einz'ger Hag vertreibt. Weil allem Lenz auf Erden Kin Kerbst schon innervohnt. Weil Wlühen — Glühen — Werden Wiemals der Hod verschont. Weil Lenz und Lust und Liebe Won kurzer Dauer sind — Wnd all die bunten Wlätter Werrveht der Kerbstesrvind. Vber-KIingen. Karl Grnst Knodt. Arts crllerr rtnö netter: Jett. Die Einnahme der Feste Rheinfels und andere Ereignisse nach dem Gefechte bei Lutterberg (Herbst 1758).*) Friedrich der Große sagt im 6. Kapitel seiner Geschichte des siebenjährigen Krieges: „Die Begabung und die Entschlossenheit eines Feldherrn haben im Kriege größeren Werth als die Trnppenzahl." Der König selbst bietet ja neben dem Herzoge Ferdinand von Braunschweig einen vorzüglichen Beweis für dieses Wort, er meint aber an der erwähnten Stelle den General Sey blitz. Das gerade Gegen ­ theil zu diesem tüchtigen Manne bildete der An ­ *) Hauptsächlich entnommen dem ersten Bande von C. Renouard, Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen 1757—1763. Kassel 1863. führer des französischen Heeres, der Prinz von Soubise. Seiner gewaltigen Uebermacht gelang es zwar, am 10. Oktober 1758 den Unterseldherrn des Prinzen Ferdinand von Braunschweig, den General Ob erg, bei Lutterberg zwischen Kassel und Münden zurückzuschlagen. Allein auch dieser kleine Sieg war weniger das Berdieust des 'Prinzen Soubise als des Generals Chevert, der von dem Marschall Contades, dem Befehls ­ haber in Westfalen, zu dem französischen Heere in Hessen gesandt war. Chevert wurde mit seiner Abtheilung schon drei Tage nach der Schlacht zurückgerufen, und so blieb es Soubise überlassen, den Sieg bei Lutterberg auszunutzen. Die Aus ­ nutzung bestand aber nur in wenigen unbedeutenden Streiszügen.