145 Und als sie ihn neben feiner; Tochter da draußen hingebettet hatten den Herrn Rechts ­ anwalt, als der Metropolitan zu den zahlreichen Leidtragenden ergreifende Worte gesprochen und die Liedertafel „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" — gesungeu hatte, da war alles vorüber, die aus ­ wärtigen Verwandten waren abgereist, und ver ­ schüchtert und vereinsamt saßen die beiden trauernden Frauen schließlich in dein stillen Hause ganz allein. „Aber, wenn auch Du, liebe Line, wieder in Dein eigen Heim zurückgegangen sein wirst, und die Schulserien sind zu Ende, — dann —" klagte die blasse Wittwe. „Dann bleibe ich bei Dir, liebe Schwägerin, dann bin ich bereit, mein Heim und alles, was ich bin und was ich habe, Dir und den Kindern zu opfern. Wir werfen unser Soll und Haben, unser Wollen und Können einfach zusammeil, wenn Du einverstanden bist, Frauzel, iinb bleiben zu ­ sammen bis -- and) wir dereinst zur Ruhe gebettet werden." Aus alter und neuer Jett. Landgraf Wilhelm der Weise und das B a sil i s k e n - Ei. In den von I usti und H a r t - m a n n 1799 herausgegebenen „Hessischen Denkwürdigkeiten" Theil II findet sich aus Seite 50 die nachfolgende Anfrage des Land ­ grafen Wilhelm IV. von Hesfen wegen eines B a s ili sken - Ei es veröffentlicht, als ein Beweis „wie groß noch im sechszehnten Jahrhundert die Macht des Aberglaubens gewesen sein müsse, daß dieser Landgraf, ein fönst sehr verständiger kluger und gelehrter Fürst, der unter den preiswürdigen hessischen Regenten eine vorzügliche Stelle verdient, und der den Namen des Weifen nicht mit Un ­ recht führte, sich nicht nur mit astrologischen Grillen abgeben, sondern auch nachfolgenden Brief an Vietorinus Strigelius schreiben konnte". Dieser Brief lautet: „Land gravius Wilhelmus ad Victorinuin Strigelium, 19. Sept. 1578. Hochgelart er lieber Getreuer. Wir haben bis dahero vor ein Fabelwerk gehalten, was man von einem Basilisco sagt, daß nemlich derselbe ans einem vom Hanen gelegten Ey geboren werden solle. Nun mögen wir Euch gnädig nicht ver ­ halten, daß nur gestern unser Hauptmann Simon*) Uns untertheniglich berichtet, welchergestalt ime ein Han geschenket worden von groser Art, aber gar alt, also daß er auch nicht mehr auf ein Reck fliegen können, sei der Gertner daselbst, welcher den Hanen zur Aussicht und Verwahrung gehabt, zu ime kommen und gesagt, daß derselbig alte Han den ganzen Morgen bis 6 Stunden lang aufm Nest gesehen, und tvie ein Hun, das *) Gemeint ist Simon Bing, einer der bekanntesten Rathgeber des Landgrafen. da legen wolle, gegaaket habe. Eltdlich sei er vom Nest gelaufen, hat der Gertner das von ime gelegte Ey genommen und unsernt Hauptman noch etwas warmlechtig zubracht, sei dasselbige gar kugelrund und so gros, wie eilt hnney feye, weit rötlichter, doch gar glatt, als wans poliret. Darauf wer er unser Haitptmann zu gefahren und hätte das Ey zertrennet, den hauen aber in 2 Stücken von einander reysen und beyden Mit der Brücke liegenden Wachthnnden vorwerfen laßen, hätte der eine nichts vom Hanen, der andere aber sein vorgeworfen Theil gehen, wer aber draus von stunden umbgefallen und gestorben. Wandt Wir den unsern Hauptmann der Auf ­ richtigkeit wißen, das er uns in dem allen die Wahrheit berichtet, so begereit wir gnädiglich, Ihr wollet Uns euer judicium hinwieder eröffnen, ob Wale aus solchem Ey, da es ganz blieben und auskonnnen Wäre eures Erachtens ein Basiliscus hätte werden dürfen oder nicht. Uns verdrenßt sehr übel, daß er den Hanen so bald hat um ­ bringen laßen dan wir vermutet, ein lapidem Uedorium *) darvvn zu bekommen. Wollen wir euch also gnediglich nicht verhalten und seynd euch mit gnaden geneigt, datum 19. September anno 78. W i 1 h e 1 in u s Land. Hass.“ B ernh. Chrn. D uysing, welchem die „Hes ­ sischen Denkwürdigkeiten" diesen Beitrag verdaicken, weiß jedoch nicht, wer dieser Vietorinus Strigelius gewesen ist und wie derselbe die Wißbegierde des hessischen Fürsten befriedigt hat. Justi kann ebenfalls über Strigelins keine weitere Auskunft geben. ..Der berühmte Theologe dieses Namens", sagt er in einer Anmerkung, „der an dem streit ­ süchtigen Matth. Fla ein seinen heftigen Gegner *) Hahnenstein.