19 btftion unterworfen. Wofern sie aber auf den Berg- und Hüttenbezirken sich eines Verbrechens schuldig machten, oder auch in ihrer Arbeit sich etwas zu Schulden kommen ließen, so gehörte die Bemessung der Strafe ebenso vor das Berggericht wie bei den in wirklicher Dienstpflicht stehenden Leuten. Um die Behörden immer über den Bestand der Hütten- und Bergwerksgemeinden auf dem Laufenden zu halten, zumal aber um der: Betrieb der Werke durch gerichtliche Vorladungen nicht Zu stören, wurden den gerichtlichen Behörden all ­ jährlich namentliche Verzeichnisse aller Berg-, Hütten- und Hammerleute zugestellt, auch der Köhler und Köhlerknechte. Gerichtshandlungen in Betreff von Berg-, Hütten- und Hammerantheilen, Kontrakten, Ver ­ schreibungen waren der Berggerichtsbarkeit unter ­ worfen, während die Zivilgerichtsbarkeit über alle ihrer Jurisdiktion unterworfenen Güter zu erkennen hatte, mochte es sich nun um Streitig ­ keiten zwischen Hüttenverwandten oder zwischen diesen und Amtsunterthanen handeln. Vor allem gehörte hierher das Ab- und Zuschreiben in den Grundbüchern laut Bestimmungen des Reskripts vom 16. Dezember 1752, die anscheinend auf eine Beschränkung der Berggerichtsbarkeit hinausliefen. Vor dem Bergbeamten geschah die Eheberedung, wenn ein in Pflicht und Arbeit stehender Hütten ­ oder Bergmann eines in gleicher Pflicht und Arbeit stehenden Berg- oder Hüttenmanns Tochter oder eine auf der Bergstätte wohnhafte Wittwe heirathen wollte, doch mußte auch der Prediger des Orts, in dem beide Parteien wohnten, zu ­ gegen sein. Ihrer Stellung als besonders privilegirter Stand entsprechend wurden die Bergleute, wenigstens seit Erlaß der Verfügung vom 28. Oktober 1751, feierlich in Pflicht genommen, worüber ein förm ­ liches Verpflichtungsbuch angelegt wurde, in welches die Namen der Verpflichteten, sowie die Zeit ihrer Verpflichtung und in wessen Gegenwart sie vorgenommen war, eingetragen wurde. Jungen, die das 15. Jahr noch nicht erreicht hatten, wurden nicht verpflichtet, sondern nur in einem Anhang der Berglisten aufgeführt. Die Formel des Eides lautete: „Ihr N. N. sollt gegenwärtig schwören einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmächtigen, daß ihr dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Wilhelm, Landgrafeu zu Hessen, unsern allerseits gnädigsten Fürsteu und Herrn wie auch höchst deroselben nach ­ gesetzten Bergrathseollegien uitb hiernächst denen Euch vorgesetzten Bergbeamten und Dienern jederzeit getreu, gehorsam und ge ­ wärtig sein, höchstgedacht Jhro Hochfürstl. Durchlaucht wie auch derer Gewerken gemeinen Berg- oder Hüttenwerks Nutzen, Eurem besten Verstand oder Vermögen nach fördern, soviel an Euch ist, Schaden warnen und abwenden helfen, der Euch zugetheilten Bergarbeit treulich warten itttb überhaupt Euch so aus ­ führen und alles das thun und handeln wollet, das einestheils die Berg-, Hütten- Hammer- und andere vorgeschriebene Ver ­ ordnungen vermögen, sonst auch einem ehr ­ lichen und getreuen Berg- und Hütten-Mamw von Pflichten wegen gebührt." Das letzte Vorrecht der Bergleute dessen wir zu gedenken haben, ist die bereits in Nr. 6, S. 66 des vorigen Jahrgangs erwähnte Be ­ stimmung über die Hinterlegung von l°/o der wirklichen jährlichen Ausbeute aller Werke, nach dem Vorgang der Eisenwerke, zum Unterhalt alter und beschädigter Bergleute vom 18. Februar 1749, welche unsere Blicke unwillkürlich auf die sozial ­ politische Gesetzgebung der neuesten Zeit lenkt. Lassen wir uns nunmehr über die Pflichten der Bergleute belehren, so ist an die Spitze zu stellen, daß völlige Pünktlichkeit jedem zur Pflicht gemacht wurde. Nach einen: Patente Landgraf Wilhelm's VI. vom 31. Mai 1652 lies die Frühschicht von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags, die Mittagsschicht von 12 bis 8 acht Uhr. War es nöthig, Nachtschicht zu gebrauchen, die also nur aushilfsweise zur Anwendung gelangte, so wurde um 8 Uhr abends ein- und um 4 Uhr morgens wieder ausgefahren, jede Schicht umfaßte also acht Stunden. Bei den Kohlenbergwerken am Meißner und im Habichtswalde sowie ausdeu Alaunbergwerken 51t Kaufungen und Großalmerode Ab ­ terode und Wickenrode re. war von 11 bis 12 Uhr vormittags zum Mittagsmahle frei, und wurde dann wieder bis 4 Uhr nachmittags ge ­ arbeitet. Es war wohl allgemein üblich, wie von Schmalkalden bezeugt ist, daß vor Beginu der Arbeit ein gemeinsames Gebet verrichtet wurde, und nach dem Gebet die Verlesung der Knapp ­ schaft statt hatte. Wer zu spät kam oder zu früh abgiug oder sonst sein Maß nicht erfüllte, dem wurde ent ­ sprechend zu Gunsten der Armenbüchse am Lohne gekürzt, doch wurde später wenigstens in Schmal ­ kalden (1726) gestattet zur Buße einige Stunden Bergarbeit zu thun, damit Weib und Kind nicht mitzubüßen hatten. (Schluß folgt.)