16 Ihr vorliegendes neuestes Werk Zeigt uns wieder ihre herrliche Begabung, zu schildern, Menschen zu zeichnen und fesselnde Situationen zu entwickeln, die zuweilen sogar dramatisch wirken. Die Personen treten uns als natürliche Gestalten des Lebens entgegen, gleichviel, ob sie uns aus den breiten Schichten des Volks, in ihrer schlichten Einfachheit und Sprache, oder aus den Kreisen einer höher stehenden Gesellschaft vorgeführt werden. Es ist greifbare Wahrheit, was die Dichterin schreibt, und diese Wahrheit fesselt durch die blühende Form des sprachlichen Ausdrucks. Iran Mentzel weiß zu schreiben, sie läßt keine Lücke in der Darstellung, vermeidet aber auch andererseits die großen Breiten. Die elf Frankfurter Novellen sind Zeichnungen aus dem bürgerlichen Leben der Stadt Frankfurt bis zur Goethe'schen Zeit, und ich irre wohl nicht, wenn ich sie theilweise als Frucht historischer Studien hinnehme. Einige sind freilich nur Er ­ zählungen bestimmter Vorgänge in der alten Kaiser ­ stadt, sie gewinnen aber und nehmen unser ganzes Interesse dadurch in Anspruch: daß wir den handelnden Personen tief in die Seele sehen und infolgedessen ihre Handlungsweise begreifen, wie z. B. in dem „Lindenzweig", im „Pfingst- wasser", „Meisterschuß". Die kleine Novelle „Der Hexenmeister" dagegen zieht uns an durch ihren „Helden", den kleinen Wolfgang Goethe, das „Wölfche" der „Frau Rath". Der kleine Wolf wird am Weihnachtsabend durch das Dienstmädchen zum alten Puppenspieler Döhler gebracht, wo er sich die Komödie: „Das wunderliche Leben und traurige Ende des weiland berühmten Dr. Johannes Faust" vorspielen läßt. „Wölsche" ist natürlich ganz Aug' und Ohr imb äußert dann am Schlüsse, 42- Verliehen: den Oberlehrern Dr. Franz und Dr. Po hl er zu Kassel und Hölzerkopf zu Marburg das Prädikat Professor; dem Bürgermeister a. D. Braun zu Hersfeld der rothe Adlerorden 4. Klasse. Ernannt: der Landgerichtsrath Dr. Martin zu Hildesheim zum Oberlandesgerichtsrath in Celle; der außerordentliche Pfarrer Pfeiffer zum Pfarrer in Hohenzell; der Gerichtsassessor Volley zum Auditeur; die Referendare Dr. Hill, Bock und Dr. Hahn zu Gerichtsassessoren; Postsekretär Röbel zu Kassel zum Oberpostkassenbnchhalter in Magdeburg. Geboren: ein Sohn: Secondlieutenant Eduard Strahler und Frau (Hanau, 9. Dezember); Oberlehrer Dr. Otto Paulus und Frau Julie, geb. Schieck (Kassel, 11. Dezember); praktischer Arzt Dr. Ludwig Held mann und Frau Anna, geb. Merzyn (Ditfurt, 18. Dezember); Regierungsrath Grimm und Frau Olga, geb. Stohlmann (Trier. 21. Dezember); Oberlehrer Dr. Ludwig Fenge und Frau (Jnowrazlaw, 21. Dezember); Gymnasiallehrer Fritz Heckmann und Frau Anna, geb. Wagner (Kassel, 21. Dezember); dem alten Döhler gegenüber, seine Meinung: „Ach, das war schön! Ich möchte auch alles wissen, — wie Faust", wobei er aber gleich die Hoffnung ausfpricht, daß er doch auch den Teufel zuletzt unter sich kriegen werde. Goethe ist auch die Haupt ­ person in der Novelle „Spinnenfädchen", in der wir mit einer seiner Liebes-Affairen, nach seiner Liebe zu Lotte, bekannt werden, aber auch den mächtigen Eindruck kennen lernen, den Goethe's Erscheinung aus die Frauen machte. In der an schönen Charakterzeichnungen reichen Novelle „Der Stein der Weisen", spielt Goethe nur insoweit eine Rolle, als am Abend des 8. Mai 1786 in Frankfurt die Darstellung des „Götz von Berlichingen" stattfindet, bei der die Frau Rath mit ihrer weißen Flügelhaube „wie das verkörperte Glück" aussah. Diese Ausführung ist zugleich der Ausgangspunkt der Konflikte, denen wir hier in einer Novelle begegnen, die uns mit einer srappirenden Darstellungs ­ kunst in das Fühlen und Denken einer alten Frankfurter Patriziersamilie einführt. — Von den weiteren Novellen als „Mutter Ra Hel" — meisterlich durchgeführt in der Seelenmalerei zweier im Unglück sich berührenden, aber von wider- streitenden Empfindungen geleiteten Mütter —, dann „Galgen-Ursel" und „Der Kirchen ­ stuhl" ist es schwer zu entscheiden, welcher man den Vorzug zuerkennen soll. Jede hat ihre besonderen Vorzüge, und die Leser dieser Blätter, denen das Buch hiermit bestens empfohlen sei, mögen das selbst beurtheilen. Hierbei sei schließlich bemerkt, daß die „Frankfurter Novellen" nicht etwa nur für Frank ­ furter Leserkreise bestimmt sind, sondern Anspruch auf allgemeine Beachtung haben. ^ ^ •«4 eine Tochter: praktischer Arzt Dr. Eysell und Frau Johanna, geb. Vilmar (Kassel, 21. Dezember). Gestorben: Professor Dr. phil. Albert Rands, 38 Jahre altlMarburg, 17. Dezember); Schatzzahlmeister a.D. Eduard Klöpfer, 76 Jahre alt (Kassel, 17. Dezember); Veterinärassessor Hermann Holzendorfs, 56 Jahre alt (Kassel, 17. Dezember); PostassistentIulius Dieterich, 26 Jahre alt (Kassel, 18. Dezember); Landgerichtsrath Karl Spangenberg, 63 Jahre alt (Marburg, 18. De ­ zember); verwittwete Frau Baronin E l i s a b e t h S ch w e r tz e l l zu Willingshausen, geb. Gräfin Bose (Kassel, 18. Dezember); Frau Pfarrer Wilhelmine Hast, geb. Paul, 23 Jahre alt (Niedergrenzebach, 20. Dezember); Handschuhsabrikant Karl Brübach, 66 Jahre alt (Göttingen, 21. Dezember); verwittwete Frau Amtsgerichts ­ sekretär Lina Sudrow, geb. Strem me, 46 Jahre alt (Kassel, 23. Dezember); verwittwete Frau Katharina Weiffenbach, geb. Bickhard, 82 Jahre alt (Kassel, 25. Dezember); verwittwete Frau W i l h e l m i n e K l e i n, geb. Bö dicker, 68 Jahre alt (Kassel, 26. Dezember); ver ­ wittwete Frau Luise Ruelberg, geb. Graes, 83 Jahre alt (Kirchberg, 27. Dezember); Lehrer a. D. Johann Jiegler (Bettenhausen, 27. Dezember); verwittwete Frau Julie Schieck, geb. Lohmeye^ (Kassel, 29. Dezember). Für die Redaktion verantwortlich: Dr. W. Grotesend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.