241 mußte, so lange er diensttauglich war, so konnte später nur Ueberfluß an Rekruten sein, und man hatte die Auswahl. Kurhessen zeigte bis zum Jahre 1821, zum Todestage des Kurfürsten, ein eigenthümliches Bild. Aeußerlich konnte man den Menschen im allgemeinen nicht ansehen, was sie bedrückte, sie sahen aus wie Leute aus anderen Ländern, man bemerkte so nicht, wie alles in der Regierung einen Weg ging, den niemand begreifen konnte. Da der Kurfürst 77 Jahre alt starb, so hatte man auch schon einige Jahre früher Grund, auf seinen Tod zu rechnen. Der kleine Krieg im Lande gegen ihn hatte ziemlich aufgehört. Auch im Offiziercorps war dies der Fall, nachdem der Kurfürst die Gehalte der Subalternosfiziere im Jahre 1817 um einige Thaler erhöht hatte, weil diese sämmtlich, mit alleiniger Ausnahme von dreien, den Abschied eingereicht hatten. Aber die Armuth im Offiziercorps war arg. Reiche Leute waren im Lande überhaupt selten, und wer Vermögen hatte, bestimmte seine Kinder nicht für das Militär. Der Adel war meist arm, die wenigsten Familien hatten Grundbesitz, und dieser warf sehr wenig ab. Zudem war in der westfälischen Zeit ein großer Theil der Subalternoffiziere aus dem Unteroffiziersstande emporgerückt, da viele junge Leute ohne Ver ­ mögen, mit der Hoffnung, rasch zu avauciren, eintraten. Jetzt heiratheten gar noch viele der ­ selben und ein großer Theil ging im Trinken unter. Man verlor allmählich die Hoffnung, sah den elendesten Zivildienst als Gewinn an, ja, sogar ein tüchtiger Hauptmann der Landwehr, der früher vom gemeinen Soldaten sich empor ­ gearbeitet hatte, jetzt aber ein geringes Warte ­ geld genoß, ging wieder auf sein kleines Ackergut, legte die Uniform ab und zog mit den Ochsen an den Acker. Ein anderer wurde Wirth bei Bettenhauseu, und man konnte täglich hören wie die Bauern riefen: „Herr Leutnant, ein halb Kännchen!" Das Militär sah bald, im Dienste wenigstens, aus wie zur Zeit des siebenjährigen Krieges, und dabei erstaunlich ärmlich und lumpig. Den Zopf trugen außer Dienst nur wenige Offiziere, die Vorgesetzten sahen es nach. Auf Urlaub gingen wenige, gewiß nur sehr selten in's Ansland und dann gewiß nicht in Uniform. (Schluß folgt.» Prinz Wilhelm von Oranien und Landgraf Wilhelm IV. von Dessen. Nach Aufzeichnungen des vormaligen kurhessischen Staatsarchivars Ludwig Keßler von Heinrich Keßler. >ei dem Herannahen Alba's war Prinz Wilhelm von Oranien bekanntlich nach Deutschland entflohen, wo er sich im Früh ­ jahr 1568 auf die Kunde von der Vergeblichkeit aller für seine bedrängten Glaubensgenossen unter ­ nommenen Vermittelungsversuche und entrüstet über die Hinrichtung Egmont's und Horn's als ­ bald entschloß, gegen die Spanier zu Felde zu ziehen. Weil er aber nicht im Stande war, die für das angeworbene Söldnerheer erforderlichen Geldmittel aus eigenem Vermögen aufzubringen, so mußte er versuchen diese durch Anlehen und fremde Unterstützungen zu beschaffen. Zu dem Ende beabsichtigte er sich außer an mehrere ver ­ mögende Privatpersonen an die bedeutenderen damaligen evangelischen Fürsten Deutschlands, den Kurfürst Friedrich von der Pfalz, Kur ­ fürst August von Sachsen, Herzog Christoph von Württemberg, Herzog Wilhelm von Sachsen- Weimar, Herzog Julius von Brauuschweig- Wolfenbüttel, Markgraf Hans von Brandenburg und Landgraf Wilhelm IV. von Hessen, zu wenden. Er glaubte bei ihnen Anklang mit dem Gesuch nicht nur wegen der Sympathie zu finden, die sie an die bedrängten niederländischen Glaubensgenossen band, sondern hauptsächlich auch wegen des realen Interesses, das sie augenfällig an dem glücklichen Ausgang seines Unternehmens haben mußten, ein Land wie die Niederlande dauernd für die Sache des neuen Kirchenthums zu gewinnen und der spanisch-katholischen Herr ­ schaft zu entreißen. Bei Kurfürst August von Sachsen und Land ­ graf Wilhelm von Hessen zog der Prinz überdies weiter die verwandtschaftlichen Verhältnisse in Betracht, welche seit seiner Verheirathung mit Anna, der einzigen Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen und dessen Gemahlin Agnes,