199 sich Gersfeld, wie wir bereits wissen, nicht zur Stadt, sondern lediglich zum Marktflecken empor. In den Rahmen der Bestrebungen der Aebte von Fulda, ihre landeshoheitliche Stellung in Gersfeld zu sichern, füllt es, wenn derselbe Abt Heinrich die angesehensten und einflußreichsten Grundbesitzer dort zu seinen Lehnsleuten zu ge ­ winnen suchte. So wies er im Jahre 1350 dem Hans von Schneeberg aus dem alten Ge ­ schlecht, welches zweifelsohne vom nahen Schnee- berg, einem Vorsprung des Feldberges zwischen Obernhausen und Sandberg, stammt, wo noch heute Grundmauern eines alten Schlosses sichtbar sind, als Burglehen (feudum castrense) sechs Pfund Heller auf die Stadtbede zu Fulda unter der Bedingung an, diesen Betrag in seiner Kem ­ nate (befestigtem Hause, schwächer befestigter Burg) zu Gcrsfeld zu verdienen und dem Abte und Stifte zu Fulda darin Oeffnnng zu gewähren*), wofür dann Hans von Schneebcrg dem Abte einen Revers ausstellte, in welchem er sich als Erbburgmann des Abtes und seines Stiftes be ­ kannte.**) Demgemäß vollzogen die Brüder Reinhard und Hans von Schneeberg in ihrer Eigenschaft als Patrone der Kirche zu Gersfeld die Auflassung von Gütern in und bei Gersfeld im Werthe von 100 Pfund Hellern, welche sie dem Pfarrer Dietrich Vogel am 19. August 1362 zur Erhöhung des Einkommens der Pfarrstelle verliehen, vor dem Abte von Fulda als ihrem rechten Lehnsherrn. ***) Ein zweites in Gersfeld schon früh begütertes Adelsgefchlecht waren die im Jahre 1628 aus ­ gestorbenen Herren von Hun (Hüne, Hanne), deren Stammburg auf dem Gipfel des nördlich von Hünfeld gelegenen Stoppelsberges noch jetzt als Ruine sichtbar ist. Doch sind sie weiter nicht in Betracht zu ziehen, weil die Brüder Heinz und Simon von Hun für sich, ihre Erben und Brüder bereits am 31. Januar 1363 dem Ritter Johann Vogt von Salzburg, Amtmann zu Bischofsheim, und dessen Schwiegersohn Hermann von Weyhers und deren Erben u. A. auch ihren ganzen Besitz zu Gersfeld verkauften, fl) Doch waren die Herren von Hun für diesen Besitz nicht Lehnstrüger des Abtes von Fulda, es handelte sich vielmehr un ­ zweifelhaft um freies Eigen (Allod). Dagegen wurden die vermuthlich auch schon von Alters her dort begüterten Käufer des Hun'schen Güter- komplexes in und um Gersfeld, wenigstens die *) Clientela Fuldensis, ed. Schannat, S. 331. **) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 33. ***) Die Urkunde ist abgedruckt bei Ludwig Müller a. a. O. S. 78. t) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 122. Herren von Weyhers, oder wie sie sich nach Wieder ­ aufbau ihrer zerstörten Stammburg auf dem Ebersberg nannten, von Ebersberg, genannt von Weyhers, die fortan daselbst ansässig blieben, aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1396 wie mit ihren übrigen Besitzungen so auch mit ihren Gersfelder Gütern Lehnsmannen des Abtes von Fulda. Für die Jahre 1411 und 1424 ist es sicher verbürgt, daß der früher Hun'sche, später Ebersberg-Weyhers'sche Besitz daselbst, im Ganzen zwölf Güter und Hütten statten, bereits in den ful- dischcn Lehnsverband übergegangen war*), in welchem derselbe dann geblieben ist, bis er im Jahre 1777 verkauft oder vertauscht würde. Dem ­ entsprechend erscheint er vor allem in dem Ebers ­ berger fuldischen Stammlehnbrief des 16. Jahrhun ­ derts. Hatten die Ebersberger bislang ihre Bllrg zu Weyhers noch als Eigen zu freier Verfügung gehabt, so sahen sie sich genöthigt, auch diese mit Zubehör vom Abt Johann von Fulda zll Lehen zu nehmen, als der Bischof Johann von Eglvsfstein zu Würz bürg gegen sie erfolg ­ reich zu Felde zog; hätten sie damals nicht an dem Abte von Fulda gegen Auftragung von Weyhers eine Stühe gcfuildcn, so würden sie sich nicht haben aufrecht erhalten können. Ungeachtet ihrer nahen Beziehungen zu den Herren von Ebersberg-Wehhers hatten die Aebte von Fulda keine Veranlassung, mit dem Gange, den die Dinge in Gersseld einschlugen, zufrieden zu sein, ihre etwaigen Absichten, den Ort zu einer befestigten, ausschließlich fuldischen Stadt, bezw. mit den umliegenden Dörfern zu einer fuldischen Herrschaft zu erheben, denen das Glück bislang günstig gewesen war, sollten bald auf iminer vereitelt werden. Der folgende Abschnitt Gers- felder Geschichte in den Jahren 1400 bis 1440 faßt sich von selbst unter dem Gesichtspunkt der Gewinnung der Landeshoheit über Gersfeld durch den Bischof von Würzburg und der Erhöhung der Machtstellung der Herren von Ebersberg, genannt von Weyhers, unter Beseitigung der Familie von Schneeberg. Wie gegen Weyhers, so rückte Bischof Johann im Jahre 1401 auch gegen Hermann von Schnee ­ berg zu Gersseld, den Bundesgenossen der Herren von Ebersberg-Weyhers, und zwang ihn zu dem Versprechen der Oeffnung seines Schlosses. Als Hermann der übernommenen Verpflichtung nicht nachkam, kehrte der Bischof im Jahre 1405 mit Heeresmacht zurück, eroberte das Schloß Gersfeld und führte Hermann von Schneeberg nebst seiner Gemahlin Anna und seinem Sohne Wilhelm *1 Karl Ludwig Müller a. a. O. S. dl f.