194 des 17. Jahrhunderts erloschenen hessischen Adels- geschlechte dieses Namens auf Betzigesdorf, das er im Jahre 1653 der Familie von Löwenstein abkaufte, und zwar einen solchen über die Salzquellen zu Schmalkalden (betrifft dereu Ausnutzung durch Errichtung einer Saline), einen zweiten über Abhaltung eines Viehmarktes in Kassel und endlich einen brüten über die Anrichtung einer oder zweier allgemeinen Jahrmessen daselbst. Das Jahr, aus welchem diese Aufzeichnungen des Johann Heinrich Hund, die wohl völlig privaten Charakters sind, stammen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben, doch steht fest, daß sie nicht allzulange nach dem Jahre 1645 zu^ Papier gebracht fein müssen, da dieses Jahr in dem zweiten Aussatz erwähnt wird. Wir gelangen mithin aller Wahrscheinlichkeit nach in die Zeit Landgraf W i l h e l m' s VI. An der Spitze seiner Ausführungen, zu denen er sich wohl kaum veranlaßt gesehen habe würde, ohne daß die behandelten Fragen damals im Vordergründe der Erörterung gestanden hätten, stellte er den Satz: die Einführung der regelmäßig wiederkehrenden Messen könne unstreitig ein statt ­ liches eintragen, wenn es in Schwang gebracht werden möchte. Dann beleuchtete er die Gründe, die etwa dagegen sprechen könnten. Als solche führt er deren vier an: 1. Die Lage der Stadt Kassel wäre dafür nicht günstig genug, 2. es wären in Kassel nicht so reiche Kaufleute wie all anderen Orten, es mangele demnach 3. an dem bei solchen allgemeinen Messen nöthigen und unentbehrlichen „Wechsel", und 4. sei ein zu großer Widerstand von Seiten der Stadt Frankfurt zu befürchten. Gegenüber der ersten Einwendung sagt er: Kassel ist besser gelegen als Nürnberg, Leipzig, Erfurt und etliche andere Orte, es liegt gleichsam in der Mitte von Deutschland, besonders für Westfalen, Niedersachsen und vermuthlich auch Obersachseu. Der englische Tuchhandel wird sich zumal gern dahill ziehen, die Weser ist „sehr bequem". Was von Nürnberg auf Hamburg, Lübeck und Brauuschweig und von diesen Plätzen ans Nürnberg, Ulm und Augsburg geht, hat unterwegs feine rechte Abladestelle und geht jetzt bei Stadt Vacha oder noch mehr abwärts durch das Land. Die Er ­ Aus Keirnuth Es dürfte die Leser des „Hessenlandes" wohl interessiren zu hören, daß von den im Jahre 1866 in die preußische Armee übergetretenen kurhessischen Offizieren, in Folge der Verabschiedungen des richtung einer Abladestelle in Kassel kommt diesem Handel recht gelegen, vornehmlich wird dadurch der Seidenhandel hierher gezogen. Zu Punkt 2 hebt er hervor: Nürnberg, Augsburg, Ulm, Braun ­ schweig und andere Handelsstädte haben auch ihre Anfänge gehabt und zwar geringe, das heutige Kassel steht weit besser da als jene in ihren Anfängen. Außerdem „liegen deren Oerter einer oder ander gegen Kassel gänzlich in Wildnissen; als aber man daselbst die Kaushandel angefangen, finb solchem auch die Kaufleute als Adler dem Aas nachgegangen und haben sich gesunden, ja wenn man allhier in Kassel nur us 30 Jahre zurückgehen und den itzigen gegen derozeitigen Handel vergleichen wollte, würde sich schon im Werke fünden, was itzo gesagt worden und zwar also, daß nichts mehr mangele als daß man nur den ^anstellten Anlaß und zu handeln Gelegenheit gebe". Damit ist seiner Ansicht nach auch der dritte Einwurf hinfällig geworden, da dann der „Wechsel" mit den Kaufleuten von selbst kommen würde. In Bezug auf Punkt 4 giebt er freilich zu, daß Frankfurt mit der Zeit die Kasseler Messen etwas empfinden würde, gtanbt aber, daß es keine begründete Ursache haben könne deren Einführung zu verhindern; denn der Frankfurter Handel wird seiner Meinung nach dadurch nicht verboten, sondern nur genöthigt einen neuen Konkurrenten zu dulden, „wie denn der Kaufhandel keinem Orte also zur Ehre gegeben, daß er nicht sich auch an andere Orte ziehen möchte, gleich wie von Gent und Brügge ill Flandern der Kaufhandel gen Antors (Antwerpen), von da gell Amsterdam und Hamburg und also voll anderen Orten mehr auf anbere ge ­ zogen und verwendet ist worden". Aus solchen Auszeichnungell geht hervor, daß es and) ül früheren Zeiten an Köpfen nicht fehlte, die, ohne sich in amtlichen Stellungen zu befinden, über die Tagesfragen nachdachtell. Einzelne Bruch ­ theile der Bevölkerung haben eben von jeher für öffentliche Angelegenheiten Blick iinb Verständniß besessen und der Lösung der schwebenden Fragen Zeit llnd Interesse gewidmet, im Verhältniß zum Ganzen sind diese Bruchtheile aber wahrscheinlich gegen früher beständig in der Zunahme begriffen. und Iremöe. Monat Juni, heute, nach nunmehr 30 Jahren, gerade noch 12 im Dienste sind. Dieselben waren alle im Jahre 1866 noch Secondlieutenant und gehörten mit Ausnahme eines Artilleristen sämmtlich