183 Kesfrscbe ^Sücßerscßcut. Müller, Pros. Dr. Adolf. Vier Schreckens- tage d e r S t a d t H e r s f e l d. Hersfeld, Ver ­ lag von Hans Schmidt. 1896. Preis 50 Pf. Unter dem obigen Titel erschien vor einigen Monaten aus der Feder eines geborenen Hers- selders ein Merkchen, das für jeden Freund hes ­ sischer Geschichte von dem größten Interesse sein wird. Aus der Geschichte der altehrwürdigen Lullusstadt Hersseld werden uns in anziehender, fesselnder Darstellung vier Schreckenstage vorgeführt, die uns zugleich eip anschauliches Bild von den Leiden und Freuden der Stadt in vergangenen Zeiten entrollen. Nach einer kurzen Uebersicht über die Geschichte Hersselds im Mittelalter, seine Gründung, sein Wachsen und Gedeihen, schildert uns der kundige Verfasser die Bedeutung Hersfelds für die Gegen ­ wart, die Einleitung schließt mit einer erschöpfenden Darstellung des sogen. Lullusfestes, das alljährlich im Oktober mit großem Prunk gefeiert wird. Sodann geht der Verfasser zur Schilderung der vier Schreckenstage über. Ter erste Schreckenstag ist der St. Vitalis- tag, der 28. April 1378. Während des ganzen 14. Jahrhunderts lag die immer mehr ausblühende Stadt Hersfeld im Streit mit den Aebten. Die Zwistigkeiten erreichten ihren Höhepunkt unter dem Abte Berthold von Völkershausen (1366 — 1388). Es kam so weit, daß der Abt in ein Bündniß mit dem Sternerbund trat und die Stadt mit dessen Hilfe zu überrumpeln beschloß. Am St. Hli- talistag sollte die ruchlose That ausgeführt werden. Alles war zum Anschlage bereit, und um die nichts ahnenden Bürger ganz sorglos zu machen, lud der Abt den neu gewählten Stadtrath zu einem großen Bankett in das Stift ein. Indessen befand sich unter den vorn Abte gewonnenen Rittern einer, Simon von Hanne, der diese boshafte Art, eine friedliche Stadt zu überfallen, mit seiner Ritterehre für unvereinbar hielt und den Bürgern Hersfelds regelrecht Fehde ansagte. Hierdurch gewarnt, waren die Bürger aus der Hut und schlugen den Angriff ab, wobei als Erster der Ritter Eberhard von Engern fiel, dessen durchschossener Helm noch heute am Rathhause deutlich sichtbar ausgehängt ist. Ein steinernes Denkmal in den Anlagen mit entsprechender Inschrift erinnert an den unvergeß ­ lichen St. Vitalistag. Der zweite Schreckenstag ist der 20. Dezember 1760, der Brand des Stadtthnrmes. Abends gegen 7 Uhr schlug der Blitz in die Thürme der im gothischen Stil erbauten Stadtkirche ein. All ­ gemeines Entsetzen herrschte in der Stadt, man befürchtete ein größeres Feuer, es gelang aber, demselben Einhalt zu thun und auch das Kirchen- geläute zu retten. Indes sind die Folgen dieses Naturereignisses noch heute zu sehen, anstatt einer- würdigen Spitze trägt der Thurm eine Nothhaube, die nichts weniger als schön ist. Die zum Neu ­ bau einer stattlichen Thurmspitze nöthigen Geld ­ mittel haben leider bis aus den heutigen Tag noch nicht ausgebracht werden können. Der dritte Schreckenstag ist der 19. Februar 1761, die Zerstörung der Stiftskirche. Bekanntlich hatte Hessen unter den Stürmen des siebenjährigen Krieges viel zu leiden. Speziell die Hersselder Gegend war von den Franzosen nach der Schlacht bei Bergen 1759 besetzt worden. In der Stadt befand sich das Hauptmagazin der ­ selben, in den Stiftsgärten und der herrlichen, romanischen Pseilerbasilika waren ungeheuere Vor- räthe aufgespeichert. Als aber Anfang 1761 preußischer Entsatz kam, sahen sich die Franzosen zum Rückzug genöthigt. Damit nun die reichen Vorräthe nicht in die Hände der Feinde sielen, wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1761 die Brandfackel in die Stiftskirche geschleudert und so dieses herrliche Banwerk vernichtet. Seit ­ dem ist es denn auch Ruine geblieben und noch heute schauen die hohen Mauern jedem Beschauer- grausig entgegen, eine schwere Anklage gegen die brutalen Zerstörer. Der vierte Schreckenstag war der 20. Februar 1807. Der Abschnitt trägt die Überschrift: „Oberstlieutenant Lingg reitet die Stadt." Dieser Abschnitt behandelt die in voriger Nummer dieser Zeitschrift (S. 166 s.) gelegentlich der Entstellung des Thatbestandes durch das „Berliner Tageblatt" erörterte Rettung der Stadt durch den genannten Offizier, der den aus Napoleons Veranlassung ge ­ gebenen Befehl der Inbrandsetzung unausgeführt ließ. Soviel über den Inhalt des interessanten Merkchens. Näheres lese der geneigte Leser selbst nach, wir können die Lektüre des Büchleins nur angelegentlichst empfehlen. <$*. Kürzlich erschien: I u st u s Schneider, Führer durch die R h ö n. Nebst 1 großen Gebirgskarte und 3 Spezial ­ wegkarten sowie einem Touren-Verzeichniß für die Rhön. 5. vermehrte und verbesserte Auf ­ lage. Würzburg (Stahel) 1896. 249 S. 8°. Preis 2 M. Die neue Auslage dieses bestens bekannten Führers glauben wir unsern Lesern ganz besonders em-