178 Die letzte Strophe des „Johannisfestliedes" lautet: Wo ist umher auf allen Auen Ein Fest, das diesem sich vergleicht? Wohin das Auge möge schauen, Die Freude ist's, die sich ihm zeigt. Die Freude tönt von allen Zungen, Sie töne lang' im Herzen nach, Und eh' ihr Laut dort ausgeklungen, Kehr' uns der Sankt Johannistag. Nachdenr noch die Nationalhymne gesungen, läßt die Stadtkapelle muntere Tanzweisen erklingen, unb die Kinder eilen zum Tanze, an den: sich kein Erwachsener betheiligeu darf. Nur die zu Ostern Konfirmirten haben das Recht, lwch ein ­ mal mitzunlachen. Aber and) die Erwachsenen brauchen sich nicht mit dem Zusehen zu begnügen, ihnen winken, wie dies nun einmal zu einem echten Volksfeste gehört, die verschiedensten Genüsse: Glücksräder, Kraftmesser, Würfel,- Schieß- und andere Buden, Karussels, und wie die Volks ­ belustigungen alle heißen. Für die leiblichen Be ­ dürfnisse sorgen zwei Konditoreien und etwa zehil Wirthszelte. So entwickelte sich bald das bunteste, fröhlichste Treiben. Für die Kinder endigt das Vergnügen mit dem Eintritt der Dunkelheit. Am Montag nach eingenommenem Mittagsmahl wird die Feier fortgesetzt. Irr der Regel ist es jetzt auf dem Festplatze, da weniger Menschen anwesend sind, gemüthlicher als an: Sonntage. — In der beschriebenen Weise verläuft das .„Johannisfest," Eschweges größtes Fest. Daß Wochenlang vorher die Schneider, Schuhmacher und Näherinnen vollauf zu thun haben, sei nur beiläufig bemerkt; gilt es doch als selbstverständlich, daß an diesen: Tage jedes Kind und wäre es das ärmste, in neuen Kleidern erscheint. Möge das schöne Fest noch recht viele Jahre in seiner Eigenart die Kinder erfreuen und dem Alter das in der Erinnerung zurückzaubern, wo ­ bei es am liebsten verweilt: die glückliche, selige Jugendzeit! -!'&!- Tief) wanderte am heißen Tage ^ Den Fluß entlang am Waldessaum. Ta schritt vom Walde her die Sage Und führte an der Hand den Traum. Sie sprach zu mir bedächtig leise: „Willst Du nicht jetzt im Schatten ruh'n. Und dann, wie sonst wohl Deine Weise, Nach ,Einstmals' manche Frage thun! Laß schweifen in die ferne Weite In ihrer Schönheit Aug' und Sinn, Der Traum und ich wir halten Beide Dir unsern Zauberspiegel hin, Der strahlt die Gegenwart Dir wieder Im Glanze der Vergangenheit; Dann wallt und wogt auf Dich hernieder Des Mittelalters reiche Zeit!" — Wie steht, von waldbekrüuzten Höhen Umringt, das Schloß in stolzer Pracht, Im frischen Wind die Fahnen wehen, Die gvldnen Löwen halten Wacht! Ein hoher Tag ist aufgegangen Der Burg, dem Städtleiu an der Lahn: Sieh, wie in ritterlichem Prangen Die Fürsten mit dem Kaiser nah'n! — Dort schreiten durch des Thores Enge Des Deutschen Ordens stolze Herrn, Und fröhlich eilt des Volkes Menge Zum Feiertag von nah und fern! — Sie, die im grauen Bußgewande Dem Dienst der Armuth sich geweiht. Die Fürstin aus dem Ungarlande, Die sich in Demuth nicht gescheut Sich allen Glanzes zu berauben. Verschmähend jede üuß're Pracht. Der Nächstenliebe, ihrem Glauben Das ganze Leben dargebracht -, Sie soll im Tode jetzt empfangen Als tiefer Demuth höchsten Lohn Für alles Leiden, alles Bangen Der Heiligen Märtyrerkron'! — Wie herrlich in der Landschaft Rahmen Strebt himmelwärts der hehre Dom, Der Sankt Elisabethens Namen Verkündet in der Zeiten Strom! Es strömt zu seinen hohen Hallen Das Volk, bewegt, mit frommem Sang; Hin, feierlichen Schrittes, wallen Die Pilger unter Gloüenklang. — Dort — fröhlich mit dem Wanderstabe, Dem Ränzel und dem Sammtbarett. Der Schritt so leicht und leicht die Habe - Zieht hin ein Hochschüler-Ouartett! Die wollen Marburgs alma mater Erkenntnißdürstend sich vertrau'«. Es half ein weiser Landesvater Der Wissenschaft die Stätte bau'n. — Das Fähnlein jetzt von reis'gen Knechten Da. wo der Weg gen Frankfurt führt —, Wer hat, daß Ihr für ihn sollt fechten, Die Werbetrommel denn gerührt? Heut' nennet Feind Ihr den von Hessen. Den morgen aus kurmainzer Land! — In fremder Fehde ward vergessen Was an die eig'ue Heimath band! —