Buden mit Waaren aufschlagen uitb Butter ­ kringel, Wecke und Bier verkaufen durften. Bei dem Feste von 1654 war bei strenger Unter ­ sagung aller Ueppigkeit Vorsorge getroffen gewesen, daß den Schützen ein guter Trunk Wein und Bier neben anderen Viktualien gegen billige Be ­ zahlung verabfolgt wurden. Den von der Obrigkeit gewährten größeren Vergünstigungen entsprach es, wenn dieselbe andererseits darauf bedacht war, das Band der Organisation straffer anzuziehen und die An ­ forderungen an die Schützen zu erhöhen. In der Ordnung von 1665 wurden sämmtliche Strafen höher normirt und bereu Festsetzung dem Ermessen der Schützenmeister uitb Schieß ­ gesellen entrückt. Wer Schütze werden wollte, hatte sich beim Schützenmeister zu melden und ein Einschreibegeld von 4 Albus zu erlegen. Wer bei den monatlichen Zusammenkünften, die demnach reglementsmäßig festgelegt wurden, ohne Erlaubniß oder ohne hinreichende Entschuldigung fehlte, hatte 1 Albus Strafe zu zahlen. Wohl zur Unterstützung der Schützenmeister findet sich im Laufe des 17. Jahrhunderts ein von den Schützen erwählter Ausschuß der Siebener, dessen 1665 des Näheren gedacht wird und dessen Anordnungen Folge zu leisten war. Aus diesen Siebenern sind vielleicht die späteren Schützen ­ offiziere hervorgegangen. Während bis dahin amtlich Offiziere liiib Unteroffiziere nicht anerkannt waren, vielmehr ein Antrag des Schützenkapitäns, richtiger Schützen ­ meisters, vom l7. März 1649, „den Herren Offiziers von Seiten der Stadt einen liecompens für ihre Ergöhlichkeit zu bewilligen", gar nicht beantwortet worden war, wurde im Jahre 1705 die Stellung der Schützenoffiziere und Unter ­ offiziere geschaffen, bezw. von Amtswegen ge ­ nehmigt; erstere ernannte anfangs der Komman ­ dant, seit 1763 wurden sie vom Landgrafen mit besonderem gnädigsten Reskript versehen. Gleich ­ zeitig wurde eine zweite Schützenkompagnie errichtet und ihr alsbald eine Fahne verliehen, wie sie die alte Kompagnie seit 1690 führte. Schon vorher hatte man aus Zweckmäßigkeitsrücksichten die vor ­ handene Kompagnie unter der Hand getheilt und zwei sogenannte Ausnahmskompagnieen ge ­ bildet, fodaß das Eingreifen der Obrigkeit im Jahre 1705 nur das Gepräge der endgültigen Regelung bereits länger vorhandener Einrichtungen trug. Auf die militärische Seite des Schützen ­ wesens wllrde überhaupt mehr und mehr Gewicht gelegt. Neben der strafferen Organisation, der Genehmigung des Instituts der Schützenoffiziere und der Verleihung von Fahnen spricht dafür auch der Umstand, daß sich zum Beginn des Schießens am Osterdienstag die Schützen ain Markt vor dein Rathhause versammelten und dann in geschlossenem Zuge unter Trvmmelschlag ausrückten. Im Anschluß daran wurde auf Vervollkommnung der Uebung im Gebrauch der Waffen immer mehr gesehen. Nachdem die Landgräfin Hedwig Sophie im Jahre 1664 verfügt hatte, daß sich jeder Hausmann zur Landesvertheidigung gegen die Türken, welche damals Wien und Deutschland bedrohten — mit tüchtigem Gewehr, Muskete oder Feuerrohr sammt Patrontasche zu versehen habe, wurde am 19. März 1680 vom Kommandanten von Kassel angeordnet, daß die Schützenkapitäns ihre Kompagnien „in denen Exercitiis" zu unterrichten hätten. Landgraf Karl ging auf diesem Wege weiter vor. Die Maß ­ regel der offiziellen Anerkennung der zweiten Schützenkompagnie hatte ben besonderen Zweck, eine eigene Abtheilung für die zur Vertheidigung der Stadt unerläßlich nothwendige Bedienungs ­ mannschaft des schweren Gewehrs, der Doppel ­ haken, zu schaffen; die neue Kompagnie wurde ausdrücklich Doppelhaken - Kompagnie benannt. In einer Verfügung vom 24. April 1705, in welcher der Landgraf an bte früher in dieser Hinsicht bestandene, unseren Lesern bereits be ­ kannte Gepflogenheit, sich in dem Gebrauch der Gewehre schwereren Kalibers zu üben, er ­ innerte, befahl er dem Kommandanten Oberst Baron von Uffeln „das Exercitium des Doppel- haken- und schweren Gewehrschießens" wieder zu erneuern lind in Aufnahme zu bringen imb darauf zu halten, daß „dasselbe Exercitium nicht wieder in Abgang komme. Zn welchen! Ende derselbe ider Kommandant) ungefähr 40 Mann aus obbesagter Unserer allhiesigen Schützen- kompagnie, welche nicht nur Lust hierzu haben, sondern auch kräftig darzubesunden werden, aus ­ zuwählen, denselben sodann ihre eigenen Offiziers und zwar solche, die von selbst Belieben darzu tragen, anbei zu diesem Exercitio eapabel seindt, die Schützen fleißig unterrichten und zu steter Uebung beständig anhalten, zu bestellen hat". Die Schützen, welche in die Doppelhaken-Kompagnie eintraten, waren damit von den übrigen Schützen- freiheiten nicht ausgeschlossen, sondern durften nach wie vor auf die anderen Scheiben mitschießen und genossen die gleichen Privilegien und Benefizien wie die übrigen Schützen. Die Anforderungen, welche ein so umsichtiger und energischer Regent wie Landgraf Karl an die Schützen stellte, waren so erheblich, daß die Kasseler Bürger anfingen in ihrem Eifer für das