111 kauften sich gentzlich enthaltenn. Unnd do einer oder mehr hierüber betretten wurden, welcher obenan ge ­ zogene Wahr uff dem Margkt vor der Stadtthornn oder sonstenn hin unnd Widder uf dem Landt nffkauffen, Gelt daruf thun unnd also der Burger ­ schafft vorgreiffen unnd eine Theuerung machenn werdenn, dieselbige sollenn hertiglich gestrafft, ihnen auch das Borhauckenn Hinfurt gentzlich verbotten sein. . . . Alß auch B. unnd Rahdt hiebevor geordnet, das die Vorheucker nuhr drey Tage alß Mittwochen, Freitagk und Sonnabent biß ahnn 12 Uhr usin Margk feilt habenn sollenn, so soll solichs gleich- sals nachmals deromaßen gehalten werden. Jnngleichen sollen auch die Vorheucker kein Saltz uf dem Markt kauffenn, welches sie Widder ver- kauffen wollen, es wehr dann, das es zum dritten- maell außqeruffeu unnd unqekaufft vonn der Buraer- schafft stehen pleibe." Daran knüpfen sich Festsetzungen über die Höhe des den Vorhökcrn bei den einzelnen Diktualien rc. zu gestattenden Verdienstes. Dann heißt es weiter: „Es sollen auch hinfuro kein Vorheucker gelitten werden, welche zweyerley Gewicht brauchen unnd sich der ander durchaußen eutschlagenn, zu ver- hueteu allerley Finantz, so hieraus begangen werden kann. . . . Unnd da ein Vorheucker in oder außerhalb Landts gekaufft hette und vom Bürgermeister unnd Rath befragt worden« were, wie theuer er die Wahr gelangt, aber er, der Vorheucker unrecht berichtet und mehr »emmen wurde, dann er auß- geben unndt uffgewendet hette oder zu Cassel der Kauff unnd Schlagt wehre, eine solchs auch auß- keme, derselbig soll sich hinsurters deß Vorhauckenns gentzlich enthalten, auch hierüber in Straff ge ­ fallen sein. Ferners soll auch kein Vorheucker dem anderm die Wahr uff Jahrmarckten oder sonstenn hindergeheu oder sonsten ohntrewlich handlenn, so hernachers gemeiner Stadt unnd der Bürgerschaft zu Nach ­ theil gerathen mochte. Item es sollen auch die Vorheucker keine Pakta oder Geding machen, dardurch die Wahr ver- tewert, auch der gemein Mann übernommen wurde. Mehr soll auch kein Vorheucker falsch Betrug oder Listigkeitt im Gewicht, Maaß unnd Wahr prauchen. daßelbig verselschenn oder geringern», sonndern einem jederm (!) recht Maß »und Ge ­ wicht, auch unverselscht Wahr geben, alls bey Straaff, so Bürgermeister unnd Raht erkennen werden. . ." Ist es von den hessischen Landgrafen bekannt, daß sie sich mit besonderer Vorliebe „des gemeinen Mannes" annahmen, „daß ihm gleich und recht widerfahre", wie es in der letztwilligen Verfügung Landgraf WilhelnLs IV., des Weisen, heißt, daß sic anderseits aber darauf bedacht waren, allen berechtigten Interessen der einzelnen Erwerbszweige ihren landesherrlichen Schutz zu Theil werden zu lassen, so gilt dieses auch in Bezug aus vorstehende Verfügung der Marburger Stadtobrigkeit, die, wie wir oben sahen, neben dem Interesse des Käufers auch das der Aufkäufer wahrte, soweit es eben wirklich berechtigt erschien. Aus Keimcrth Der Verein f ü r h e s s i s ch e G e s ch i ch t e und Landeskunde zu Kassel hielt am Abend des 30. März an gewohnter Stätte seine Monats- versammlung ab. Wiederum konnte der Vorsitzende, Bibliothekar Dr. Brunner, über den Eingang werthvoller Geschenke- (Hassiaca) berichten. So schenkte Apothekenbesitzer Dr. Weiß in Kiel außer einigen kleineren Druckschriften Rechnung der Hanse ­ grebengilde von 1798, Karte des Königreichs Westfalen sowie Expose de la Situation du royaume de Westphalie; ferner Major a. D. von Stainsvrd zu Kassel mehrere Drucksachen, darunter seine Schrift: „Der Antheil der hessischen Regimenter des XI. Armeecorps am Kriege von 1870/71". Rittmeister a. D. Freiherr Gustav Rabe von Pappen- rinö Iveinöe. heim überwies von ihm selbst angefertigte photo ­ graphische Ausnahmen von zwei Urkunden der Rabe von Kalenberg vom 21. Juni 1459 und l. August 1461 sowie der Siegel der erstgenannten Urkunde, von denen das erste, ein Heirathswappen (Allianzwappen), besonders bemerkenswerth ist. Nach Erledigung der geschäftlichen Mittheilungen hielt Oberstlieutenant a. D. von Stamford seinen angekündigten Vortrag über den Feldzug des Drusus im Sigambrer-, Cherusker- und Chatten ­ lande und die Schlacht bei Arbalo im Jahre 11 v. Chr., für den der Vorsitzende dem Herrn Redner zum Schluß den Dank der Versammlung aussprach.