7 Wenn wir der Lesart der Monumenta Germaniae folgen, so lagen diese Besitzungen in Marzhausen und (Nieder-)Elsungen im Hessengaue, in den (Cent-)Grafschaften der Grafen Gumbo und Reginwerth. So liest man wirklich in einer älteren Urkundenabschrift. Zwei andere überliefern aber Melesenga statt Elesenga und Reginverichi statt Reginwerthi, also Melsungen in der Graf ­ schaft Reginwerk's — Reinwerk's. Die Verwaltung zweier nicht zusammenhängenden Centgrafschaften durch einen Grafen bietet wohl Schwierigkeiten, aber keine unübersteiglichen Hindernisse. Jeder, der weiß, daß Reinwerkerode nur eine Viertel ­ stunde von Melsungen entfernt lag, wird in der erwähnten Urkunde den Lesarten Melsungen und Reinwerk den Vorzug geben. Denn der sächsische Name Reinwerkerode mitten im Hessengau findet auf diese Weise eine höchst einfache Erklärung als Gründung des sächsischen Centgrafen Reinwerk. Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes Reinwerkerode fallen in die Jahre 1303 und 1332. Damals stattete der Melsunger Priester Konrad, Herold's Sohn, den Allerheiligen- und Marienaltar in der Stadtkirche mit den Mitteln zu einer Frühmesse aus. Unter den Gegenständen der Schenkung waren auch eine Wiese und eine halbe Hufe in Reinwerkerode, die „das Lehen" hieß. Ein halbes Jahrhundert später (1384) gehörte dieses Lehen zu den schoß ­ pflichtigen Besitzungen Werner's von Schlutwins ­ dorf, wurde aber dann wieder Eigenthum der Frühmesse. Die Schlutwinsdorf hatten auch den Zehnten von Reinwerkerode als hessisches Lehen inne, nach ihrem Aussterben ging er auf die Wolfershausen über. 1375 besaß die Melsunger Burgfrau Else von Leimbach schoßpflichtige Acker und Wiesen in Reinwerkerode und an dem Spangenbergischen Wege diesseits des Tiefenbachs. Reinwerkerode lag also nicht, wie der gelehrte Schmincke im vorigen Jahrhundert annahm, auf dem jetzigen Katzenroth, das schon 1470 unter diesem Namen (Coczinrade) vorkommt, sondern zwischen der Kaisersau und dem Abhange des Schöneberges, unter den Waldtheilen, die Tiefen ­ bach und Kraftshecke heißen. 1415 giebt Wolf von Wolfershausen in einer Urkunde an, daß Reinwerkerode unter dem Karlshagen gelegen war, und unterscheidet darin obere und untere Wiesen. Die oberen Wiesen hatten ehemals die Herren von Schlutwinsdorf besessen. Wie wir aus einer Frühmeßurkunde von 1416 erfahren, gehörte zu dem „Lehen" auch ein Driesch, dem Walde abgerungenes und am Rande des Waldes gelegenes, noch nicht anbaufähiges Land. Zwei Kirchhöfer Bauern pachteten das „Lehen", das damals noch nicht zur Melsunger Flur ge ­ rechnet sein muß, 1449 ist wiederum von Reiwigkerode zwischen der Stadt Melsungen und dem Dorfe Kirchhof die Rede, 1463 von Wiesen und Ländereien zu Reybeckerade, bei der Wiese des Jsernhenze, der Karthäuserwiese, dem Frühmesserlande und der Hospitalswiese. Die letztere befand sich nach einer Urkunde von 1400, einer Grenzbeschreibung von 1577 und liegt noch heutigen Tages auf dem linken Ufer des Kehrenbaches, zwischen Kaisersau und Tiefen ­ bach. Also noch eine Bestätigung für unsere Angabe, daß Reinwerkerode dort lag. 1495 wird das „Gelände" Rewyckerode genannt, und das Melsunger Saalbuch von 1575 theilt mit, daß Jörge Eyserheintz, dessen Vorfahr 1463 Jsernhenze hieß, Rentegeld von seinem Lande zu Rückeroda zu geben hatte. Dann ist alles still, der Name Reinwerkerode ist der Vergessen ­ heit anheimgefallen, die Flur des Ortes nach der Grenzbeschreibung von 1577 zur Melsunger Feldmark geschlagen. Die unsichere Schreibweise des Namens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bereitet gewissermaßen schon auf seinen gänzlichen Untergang vor. In allen Erwähnungen, die wir angeführt haben, ist Reinwerkerode nur noch ein Flurname, der Ort muß also wohl schon vor dem Jahre 1300 zerstört oder verlassen sein. Möglich ist es, daß die Einwohner bei der Erhebung Mel ­ sungens zur Stadt dorthin übergesiedelt sind. Wenn Schmincke in seinen Aufzeichnungen von einem Schlosse Reinwerkerode spricht, so ist das eine bloße Vermuthung, die aber viel Wahr ­ scheinlichkeit für sich hat. Denn Graf Reinwerk wird doch zunächst ein Herrenhaus angelegt haben, in dem er zur Ausübung der Gerichts ­ barkeit absteigen konnte. 2. Burg Schwarzenberg. Steil steigt man vom Kirchhöfer Grunde, dem Thale des Kehrenbaches, den Karlshagen hinan, und abschüssig geht es auf der anderen Seite hinunter nach Schwarzenberg. Noch heute sieht der Berg, an den es sich lehnt, schwarz aus; denn bis zum Fuße bedeckt ihn Nadelholz. Er verdient eher jenen Namen als das freundliche Dorf. Dort, wo die Schule liegt, erhob sich ehemals die Burg der Herren von Schwarzenberg und spiegelte ihre Zinnen im Fuldastrome. Ein winziges Bächlein, jetzt noch Burggraben benannt, trennte sie von dem Grunde und Boden, den die Kirche und die benachbarten Häuser nun einnehmen.