6 borgenes großes Vermögen sein, die ihn schwer ängstigte. Er hielt sich damals bei seinem Bruder, dem Landgrafen Karl, dem dänischen Statthalter von Schleswig, in Gottorp auf, und von hier aus schrieb er unter'in 14. November an sein Ge ­ heimes Ministerium: im Falle sein Eigenthum noch nicht entdeckt worden sei, so solle jenes dafür sorgen, daß die mit dessen Bergung hauptsächlich vertrauten Personen, nämlich der Oberbaudirektor Jnssow. die Burggrafen Steitz und Bo eg er zu Wilhelmshöhe iin Schloß bezw. auf der Löwen ­ burg, die Beamten zu Sababurg und der Maurermeister Feist zu Kassel, sowie alle weiteren Personen, welche Jussow namhaft machen würde, sich mit größter Vorsicht aus dem Laude entfernen und nach Altona begeben möchten, von wo aus sie den« Geh. Kriegsrath Buderus von Carlshausen behufs Regulirung ihres weiteren Fortkommens Nachricht von sich zu geben hätten. Im unverhofften Falle der Einziehung dieses Eigenthums aber soll Geheimes Ministerium vereint mit der General-Landesdirektion, — der vom Kurfürsten bei seiner Abreise eingesetzten Regierung, — dafür die strengste Sorgfalt tragen, daß alles bis zur Ertheilung weiterer genauer Nach ­ weisungen beisammen bleibe, indem sich Unter ­ pfänder, Papiere der Militär- und Zivilwittwenkasse und anderer milder Stiftungen, Kautionen und Sachen von Privatpersonen dabei befänden, welche Gegenstand der Wegnahme nicht sein könnten. Z ’) Mss. Hass. fol. 375 der Ständischen Landes ­ bibliothek. (Fortsetzung folgt.) Uerschwundene Burgen und Ortschuften bei Weisungen. Von Dr. L. Armbrust. 1. Reinwcrkerodc. Wenn zerstörter Burgen und verlassener Ort ­ schaften Erwähnung geschieht, pflegt man ge ­ wöhnlich dem dreißigjährigen Kriege die Schuld an der Verwüstung zuzuschreiben. Das stimmt nur in einzelnen Fällen, in keinem Falle bei den Wüstungen, die in Melsungens Umgebung nach ­ zuweisen sind. Wer diese kennen lernen will, der schnüre sein Bündel und wandere mit mir. Im Kehrenbachthale machen wir Halt. Der Kehrenbach fließt an den Dörfern Kehren ­ bach und Kirchhof vorbei und mündet der Stadt Melsungen gegenüber in die Fulda. Er bewässert den Grund zwischen dem Schöneberge und dem Karlshagen. Dort steigt vor unserem geistigen Auge aus Feldern und Wiesen eine Ortschaft hervor — Reinwerkerode. Die Silbe „rode" verräth uns, daß der Ort nicht zu den ältesten Ansiedelungen der Deutschen gehört, sondern daß wir den Neinwerk, der hier den Wald ausgerodet hat, erst im helleren Theile des Mittelalters, meinetwegen seit der Zeit der Karolinger, zu suchen haben. Nun fällt uns ein Umstand sehr ans: Rein ­ werk ist kein hessischer Name. So sorgfältig ivir auch die älteren Urkunden durchforschen, er begegnet uns nicht ein einziges Mal. Gehen wir dagegen ein Stücklein über die Nordgrenze des Nachdruck verboten. Hessenlandes, z. B. nach Westfalen, so wissen uns die Korveier Ueberlieferungen und andere Quellen von verschiedenen Trägern des Namens Reinwerk zu erzählen. Der Gründer von Nein ­ werkerode scheint also sächsischen Stammes gewesen zu sein. Wie kommt aber ein Sachse nach Hessen? Zu einer solchen Uebersiedelnng war offenbar in der Ottonenzeit besondere Ver ­ anlassung. Als der Herzog Eberhard von Franken, dem auch Hessen Unterthan war, als Aufrührer seinen Tod gefunden hatte, verfuhr der deutsche König Otto I. nach dein altrömischen Grundsätze: theile, so kannst du leichter herrschen, und zerschlug das Herzogthum in kleine Stücke. Bei der Ver- theilung dieser Stücke berücksichtigte er ohne Zweifel seine treuen Stammesgenossen, die Sachsen vor allen anderen; und so mag auch der Sachse Neinwerk eine Centgrasschaft im Fuldagebiete erhalten haben. Uin 974 finden wir einen Grafen Reinwerk, der im Gaue Nihtherse (um Korbach) waltete. Sollte dies der Gründer von Reinwerkerode sein? Eine Urkunde, die die Frage wahrscheinlich beantworten würde, ist leider nicht mehr in der Urschrift vorhanden, und die Abschriften sind gerade in der Lesart der Namen ungenau. Am 16. Juni 973 schenkte nämlich der deutsche König Otto II. in Fritzlar einer gewissen Dietrat einige Besitzungen, die ihm von dem Freigelassenen Warmunt überlassen waren.