j^eitscKvift M 'HessucKe -L« Geschichte und Literatur. ^ dl &iiiüBküSß: ! ij M 1. X. Jahrgang. Kassel, 2. Januar 1896. Das neue Jahr. ä uf des Berges Gipfel, der hoch aufstrebt Ueber Wälder und Thal und Höhen, Wenn das nächtliche Dunkel vom Himmel schwebt, Da mußt Du vor Mitternacht stehen! Vergangenes rufe im Geiste zurück, Doch nach Osten wende den suchenden Blick! In der letzten Stunde vom sterbenden Jahr Rauscht wundersam flüstern und Weben, Und weithin wallende Geisterschaar Weckt zaubrisches Regen und Leben! Hoch oben ertönt es wie heiliger Sang — Im Thale der Glocken ernst mahnender Alang! Und verklingt dann der letzte, der zwölfte Schlag, Aufflammt es wie sprühende Garben, Als erwachte der herrlichste Frühlingstag, Umloh't von weitleuchtenden Farben, Und von purpurnen Wolken ein Thron ersteht Für des Erdeneroberers Majestät: Für das siegende Jahr! und rings um es her Da harren die neuen Vasallen: Der Friede, der Arieg mit der dräuenden Wehr, Das Glück mit den: Füllhorn vor allen! Sie warten in Ehrfurcht, zu dienen bereit Dem Willen des Herrschers, der ihnen gebeut! Sieh', da nahet dem Thron im Smaragdgewand Die Hoffnung und ihre Getreuen, Die wieder mit flehend gehobener Hand Ihr stetiges Bitten erneuen: „Das entschwundene Jahr es stieß uns zurück, Gewähre Du endlich erbetenes Glück." — Und nun steigen empor von dem Erdenrund All' die Wünsche, die unerfüllten, Und die sich aus tiefinnersteni Herzensgrund Noch niemals in Worten enthüllten, — Doch mit heiliger Ruhe im Räthselblick Wägt das neue Jahr unser künftig Geschick! Jeanette Aramer.