240 Neustädter und dessen Schluß das Zugeständniß, zu dem die Altstädter in Wirklichkeit bereit waren. Die Erinnerung an die Feuersnöthe lag für die Frankenberger recht nahe, hatte doch am 9. Mai 1476 ein furchtbares Feuer Altstadt und Neustadt verheert und fast eingeäschert, ein Er ­ eigniß, das sich am 19. November 1548, also kurz vor dem Abschluß des Eingemeindungs ­ Vertrages fast wiederholt hätte, wenn es nicht geglückt wäre, das 'Feuer auf seinen Heerd in der Teichgasse zu beschränken, *) und dessen Land ­ graf Wilhelm in dem Eingangs dieses Aufsatzes erwähnten Bescheide ausdrücklich gedachte. Schon aus den oben erwähnten Paragraphen unserer Urkunde würde hervorgehen, daß die Alt ­ städter bei der Eingemeindung das hemmende, die Neustädter das fördernde Element waren. Zur Gewißheit wird diese Vermuthung im Hin ­ blick aus die Beschwerde des seiner Herkunft nach höchst wahrscheinlich der Neustadt ungehörigen Baumeisters und Seniors Emanuel Höften,— den Namen Hüsten führen zwei der Rathmänner aus der Neustadt, die den Vertrag von 1556 unterzeichnet haben, — deren oben gedacht ist, sowie in Berücksichtigung der Randbemerkungen, welche Emanuel Höften seiner Abschrift des Re ­ zesses beigefügt hat. Weiter erfahren wir aus diesen Aktenstücken, was für die Neustädter der durchschlagende Grund war, um die Vereinigung mit Nachdruck zu be ­ treiben. Unter den Klagen über den Bürger ­ meister und Rath der Altstadt führt der auf das Wohl der Neustadt so ernstlich bedachte Mann, der die Liebe und Freundschaft der Altenstädter gegen die Neustädter mit der König Saul's gegen David vergleicht, abgesehen von der Beschwerde über das nicht eingehaltene Abkommen, daß die Neustadt im Rathe der Sammtgemeinde stets durch drei ihrer Angehörigen vertreten sein solle, vornehmlich den schlechten Zustand der Stadt ­ mauer an. Der Neubau der Stadtmauer sei trotz seiner eifrigsten Bemühungen in den vollen dreißig Jahren, die seit Errichtung des Ver ­ gleiches von 1556 verflossen wären, bis dahin so wenig gefördert, daß die Mauer bislang *) S. Wigand Gerstenberg, Frankenbergische Chronik, und Land au's Kollektaneen in der Landes ­ bibliothek unter Frankenberg (Stadt), Excerpte in 8°. nur in einer Länge und Höhe von 46 Ruthen, jede Ruthe 14 Schuhe lang und hoch, hergestellt sei, während noch 36 Ruthen ihrer Fertigstellung harrten. Und doch leide der weitere Ausbau durchaus keinen längeren Aufschub, in Be ­ trachtung, „das bei nacht ein beharlich diebischs unnd gantz geverlichs auß unnd einlauffens", in Betrachtung ferner, „das wir in denn eusersten grentzen des landes wonen unnd uns teglichen boßer buben und streuffender rotten izunder sheimsuchens, . . . über gvtt, was hilffe das Porten zuschliesßens, weil idermann die benebenn genge weiß unnd die boßenn dieselbigen miß- bruchenn, wi dan zuvor beschehen unnd noch be- schihet, wi am tag unnd mit den gengen zu beweißenn. Ich kann mich nicht genugsam ver ­ wundern der großen hinlesßigkeit, das niemants betrachten will bey unns denn groisßen schaden, so durch solche unbilche hinleßigkeit der algemeiner stadt ervolgenn kundt". Die noch fehlenden 36 Ruthen werden im Wesentlichen in den Be ­ reich der Neustadt gefallen sein. Da diese eindringlichen Vorstellungen bei dem Landgrafen Wilhelm IV., der als gerechter und sorgsam wägender Fürst bekannt ist, Gehör fanden, indem selbiger in seiner Antwort auf die Beschwerde des braven Baumeisters wegen der bösen Buben und Landläufer, „der es izo durch die immer wehrende kriegsleufft hin und Widder viell giebt, endlichen auch der in der nähe sich er- eugenden kriegshandell halber" Bürgermeister und Rath zu Frankenberg die Fertigstellung ihrer Mauer ernstlich anbefahl, so dürfte kein Zweifel darüber herrschen, daß dieselben im Wesentlichen begründet waren. Darüber, in wie weit der An ­ ordnung des Landgrafen Folge geleistet wurde, fehlen die Nachrichten, doch wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach geschehen sein, wenigstens hören wir nichts von ferneren Schwierigkeiten, die der Ausführung des Eingemeindungsvertrages von 1556 noch in den Weg gelegt wären. Vielleicht ist es uns vergönnt, gelegentlich noch andere bisher unbekannte Belege ausfindig zu machen, die es ermöglichen, die gleichen Vorgänge wie hier in Bezug auf Frankenberg auch für- andere Städte des Hessenlandes zu verfolgen und so zur Erweiterung unserer Kenntnisse der hes ­ sischen Städtegeschichte ein Scherslein beizutragen.