191 Melsunger Stadtbuch, „war solche große Wasser ­ flut!), daß mau nit allein mit Schifflein an Johan Braudaun Hausecken fahren können (dies ist wahrscheinlich das schone Eckhaus ain Markte und der Brückenstraße), sondern es ist auch das Wasser bei dem Brückenthor über dem Schnitz, welcher bei der großen Wasserflut!) 1552 am 10. Januar geschehen, einen ganzen Schuh laut Zeichens übergangen, es hat auch diese Flnth nit allein die oberste Schneidemühle und Lohmöhle und viel Bäume und Zäune hinweggeführt, sondern auch einen großen Riß an der Brücken gethan. Dasmal sind regierende Bürgermeister gewesen Caspar Hilgenberg!, Conradt Möller, Curdt Erningk, Johan Thias." Rath und Ausschuß kamen zusammen und beriethen über die Ausbesserung des Brücken ­ schadens. Aber das Bürgerthum war damals die Bevormundung durch die Regierungsbehörden schon so gewohnt geworden, daß man sich zu keinem besseren Entschlüsse aufschwang, als den Vogt von Merxhausen und den von der Haida bei Morschen holen zu lassen, damit sie als „Baumeister zur Brucken" den Schaden be ­ sichtigten. Der Strom war geduldig und richtete mittlerweile kein größeres Unheil au. Mit Weiden und anderen Stoffen füllten dann Acker ­ leute die Löcher in dein Baue aus, fuhren Steine auf die Brücke und ließen sich dabei das Bier des städtischen Brauhauses wohl schmecken. Die Beschädigung mußte immerhin bedeutend sein, das sehen wir aus den Kosten und Anstrengungen bei der Wiederherstellung. Zimmerleute mußten ein Balkengerüst an der Brücke aufschlagen, für eiserne Stäbe und Klammern gab man allein 44 Thlr. 12 Albus aus, und ein Pflasterer arbeitete mit einem Handlanger fünf Wochen und vier Tage, um das Plaster auf und vor der Brücke wieder herzustellen. Die Stadt war durch das Kriegseleud schon in arge Schulden gerathen, aber mehrere Kasseler Gläubiger hatten ein Ein ­ sehen und erließen ein Ansehnliches an den Zinsen. Die erneuerte Brücke war der Macht des Wassers noch immer nicht gewachsen. Schon 1647 mußte sie durch Eisbalkeu geschützt werden. Und seit 1648 sind trotzdem fast jedes Jahr Aus ­ gaben für Ausbesserungen an der Brücke ver ­ zeichnet. 1675 stand es so schlimm, daß am 28. Mai der Wegemeister schleunigst die hölzerne Brücke, welche löchricht und schädig war, wieder herstellen mußte; die gnädige Herrschaft hatte nämlich ihre Durchreise angekündigt. Die Un ­ brauchbarkeit der steinernen Brücke rührte daher, weil der letzte Brückenbogen, unmittelbar an der heutigen Vorstadt, schadhaft geworden war. Hieran hat man lange gebaut. Schon in einem Aktenstücke vom 27. Mai 1678 wird angeführt, daß man 1675 bis 1677 an der steinernen Brücke gebaut, dazu eine starke Summe Geldes geborgt und mit Gottes Hilfe den Bau vollendet hätte. Allein Risse und Einsturz wiederholten sich fort ­ während. Noch 1715 wurden 16 Eichenstämme aus dem alten Schöneberge für den Brückenbau angewiesen. In dieser Zeit müssen auch die be ­ nachbarten Aemter Fuhren für die Herstellung der Melsunger Brücke übernehmen, bedürfen aber öfterer Mahnung. Erst 1733 scheint der Brücken ­ pfeiler solche Festigkeit erlangt zu haben wie seine Brüder. 1746 kam der Obersalzgräse Waitz in Kassel auf den Gedanken, auch Wehr und Schleuse von Stein zu bauen. Diese Arbeit vollführte aber die hessische Regierung allein. Trotz der neuen Eisenbrücke, welche jetzt den Bahnhof mit der Stadt Melsungen verbindet, gehen noch immer Tausende über die alte Stein ­ brücke. Aber wer denkt dabei au die Sorgen und Schweißtropfen, welche diese Anlage der Vor ­ zeit gekostet hat? Gerd von Falkenberg und die Niederwerfung Tillinghausens im Jahre 1530. Von Dr. Wilhelm Chr. Lange. (Fortsetzung.) M er rechtmäßige Eigenthümer dieser Aktenstücke, Jpjj Dillinghausen selbst, wurde „über Berg und Os Thal" nach der Blankenau geschleppt, — wir kennen Gerd's Haus schon als Aufbewahrungsort für Gefangene, — und dort in einen Keller gesperrt, wohl der Heimlichkeit wegen; der „Prinzipal" Georg Ziegenmeier mußte ihm zu mehrerer Sicherheit Ge ­ sellschaft leisten, d. h. ihn bewachen. Gerd, der Viel ­ beschäftigte, hatte andere Sachen zu thun, denn zu ­ nächst handelte es sich bei ihm um den springenden Punkt, den klingenden Erlös der mühevollen Unternehmung einzuheimsen. Der Gefangene hatte