186 Da ließ der Meister Gerber Den Kalbmond alleweil, Der Färber ließ die Küpen, Der Zimmrer Säg' und Beil, Der Schreiner hobelte nicht mehr, Der Schneider legte weg die Scheer'; Lin jeder griff zur Büchs'. So zogen kühn, ein Kaufen, Iu's Blachfeld sie daun init. Da ging's zum vorderstreite Im raschen Lauf und Schritt, von ihren Büchsen blitzte'? Kraut, Aus Busch und Gräben krachte's laut Und flog der Tod zu Thal. voran den wackern Schützen Bei ihrer Fahne Weh'u, Handhabend feine Büchse, Der greise Kapitän. Mit einem Mal durchblitzt ihn Zorn, Er sieht, tm Streit auftauchend, vorn Den Pfauenfederhut. Und an die rechte Backe Der Büchsenkolben fliegt, Und ruhig, wie ein Steinbild, Er fest im Anschlag liegt. Die Büchse kracht' — und von dem Roß Zum grünen Rasen niederschoß Der Mann im Federhut.*) Erschrecken faßt die Feinde —, Die Hessen allemann Mit lautem Schurri stürzen Iin wilden Schock heran. Die Feinde fliehen aus dem Thal —, Sie lassen selbst den General In ihrer Gegner Hand. Der Velten steht beim Todten Und nimmt den Federhut: „Sollst stehen dem Schützenkönig In Ziegenhain nun gut! Heran, ihr Schützen! Tragen wir In'? Weichhaus fort den Offizier, Wie gestern er'? gewollt." Zwei Büchsen quer und drüber vier andre legt die Schaar Der Länge nach — dein Helden Zu einer Todtenbahr'. Auf Eichenreisig hingestreckt, Mit Eichenlaube zugedeckt, Ruht nun der General. Und bei gedämpfter Trommel Da zog im Trauerschritt Die Schützenschaar nach Hause, Den Todten in der Mitt'. „Im Weichhau?", schrieb er, „morgenfrüh! Im Uebermuthe, und nun sieh, Er ist'? und weiß e? nicht! — Zuin Rathhause sie brachten Al? Sieg?trophäe drauf Und hingen in dem Saale Den mächt'gen Sarra? auf. Dort hängt er noch in stummer Pracht Zum Angedenken au die Schlacht Im Riebel?dorfer Grund. — Zum Schützenkönig riefen In ihrem Schützenhau? Nunmehr den Velten Muhli Die Kampfgenossen au?: „Der hat den Meisterschuß gethan! Der muß den Federhut empfahn! Der Schützenkönig hoch!" Und wie den greisen Schützen Der stolze Schlapphut ziert, Rief alle? Volk: „Die Ehre, Dem Ehre just gebührt!" Dann gab'? ein lustige? Bankett! So lustig, daß erst spät zu Bett — Und wie! — das Ziegenhain. Ludwig Wahr. *) Johann Rudolf von Breda, Feldmarfchall-tieutenant in kaiserlichen Diensten. Burg Hercherg. ine uralte Straße führt vom Rheine und von Frankfurt her über Alsfeld und Hers ­ feld nach Thüringen, eine Straße, die im 16. Jahrhundert zum Unterschied von einer nörd- licheren Straße „durch die langen Hessen", welche von Frankflirt über Gießen, Kirchhain, Treysa, Homberg, Spangenberg, Waldkappel und Kreuz ­ burg nach Thüringen zog, die Straße „durch die kurzen Hessen" genannt wurde. An dieser Straße liegt, etwa 2 1 /2 Stunden östlich von Alsfeld und 3 Meilen südöstlich von Ziegenhain auf dem beherrschenden Höhenzuge, welcher den Knüll nach Süden hin mit dem Vogelsberg verbindet, dicht ans der südlichen Grenze von Niederhessen, und somit ein Schlüssel des Hessenlandes, die Burg Herzberg (= Hirschberg). Der Burg ­ berg, der sich 500 Meter über der Meeresfläche erhebt, bildet die höchste Kuppe eines südlich und