159 sitzungen, die unter dem Vorsitze des Kurfürsten stattfanden, zur Vortage. Der Kurfürst hatte jedoch keine Neigung für ein solches Gesetz, und zwar nicht etwa, weil es für ihn etwas Neues war, oder weil er aus Eigensinn an dem Alten hing, nein: er bewies feinen Ministern, daß von einer Ver ­ koppelung eigentlich der Großgrundbesitzer den Hauptvortheil habe, während der kleine Mann unverhältnißmäßig höher bei den Kosten belastet würde, unter Umständen sich auch die Aussicht genommen sähe, eben so leicht ein Stückchen Land zu kaufen, als unter den alten Besitz ­ verhältnissen. Den kleinen Mann aber behauptete der Kurfürst besonders schützen zu müssen und setzte dabei noch sehr deutlich auseinander, welche Gewissensbedrängniß er fühle, wenn er so all ­ gemein in das den Bauern besonders heilige Besitz- und Eigenthumsrecht eingreifen solle.*) Im Uebrigen führe die logische Konsequenz eines Verkoppelungsgesetzes doch eigentlich zur Wiederaufhebuug der Freitheilbarkeit, sowie zu einer Aenderung des bäuerlichen Erbrechts-. Und wie richtig der Kurfürst hierbei urtheilte, beweiseil uns die letzten zwanzig Jahre mit ihren weit- läufigen Verhandlungen, Berathungen und Be ­ gutachtungen gerade des bäuerlichen Erbrechtes in Beziehuilg aus Erhaltung eines tüchtigen Bauernstandes. **) Zu wiederholten Malen würde alsdann der Gesetzentwurf wieder vorgelegt, allein die Minister hatten kein Glück damit, es kamen zu den alten immer neue Bedenken, die wesentlich das Interesse des kleinen Grundbesitzers betrafen, und die landesherrliche Genehmigung blieb dem Entwurf beharrlich versagt. *) Ganz ähnlich erklärt Otto B ä h r in seinem neu erschienenen Buche „Das frühere Kurhessen" die Ab ­ neigung des Kurfürsten gegen ein Vorgehen in der Ver ­ koppelungsfrage. (S. 86.) Die Red. **) Wer sich dafür interessirt, vergleiche mein Buch: „Die Erhaltung des Bauernstandes", Leipzig bei Otto Wiegand, lll. Auslage 1894. Der Verf. Da endlich glaubten die Minister den alten Herrn geneigter zu machen, wenn sie ihm vor ­ rechneten, wie bedeutend höher, nach einer Ver ­ koppelung, die Renten jener Güter sein würden, die der Kurfürst für seine Söhne in Hessen angekauft hatte. Zahlen beweisen ja, wie die Welt regiert wird, und in der That legten ihm die Herren eines Tages eine genau aufgestellte Berechnung darüber vor, was aus jedem einzelnen Gute Aecker und Wiesen mehr werth würden und um wieviel höher sich die Grundrente stelle. Sonderbar, daß Männer wie die Minister, die doch dem Kurfürsten so nahe standen, mit dem landläufigen Vorwürfe seines Eigennutzes oder seines Geizes rechneten, während ihm Beides so entschieden fremd war, daß er um seiner fürst ­ lichen Ehre und seines Standes willen — seine schmale Hinterlassenschaft ist Beweis dafür!*) —, vor keinem Opfer zurückschreckte. Kurz, die Lockspeise der Excellenzen versagte nicht nur voll ­ ständig ihre Wirkung, sondern die Zumuthnng, des eigenen Vortheils wegen einen Gesetzentwllrf sanktioniren zu sollen, brachte den Kurfürsten in den höchsten Zorn, und bitterer sollen ihm nie Vorwürfe über die Lippen geflossen sein, als in dieser stürmischen Ministerialsitzung. Der unglückliche Gesetzentwurf durfte sich so ­ bald nicht wieder sehekl lassen. Erst int Frühjahr 1866 kam er, nach vielem Drängen, wieder zum Vorschein, aber mit all' den Abänderungen, die der Kurfürst zu Gunsten der Kleingrnnd- besitzer begehrt hatte. Wir wissen, daß es in ben damaligen politischen Wirren nicht mehr zur Erledigung des kurhessischen Entwurfs kam. Seit jener Zeit sind dreißig Jahre in das Land gegangen, aber die theoretischen Gründe des kurfürstlichen Widerstandes sind von der Praxis auch heute kroch nicht ganz überwunden. Wozu also damals der Lärm? *) Siehe meine Mittheilung darüber im „Hessenland" 1887. S. 322. Der Verf. Alte Häuser in Fulda. Von Joseph Schwank. (Schluß.) sjft ehen wir nun von der Friedrichsstraße, die von )s den früher daselbst seßhaft gewesenen Schmieden i „Schmittgasse" hieß, in das „Nvnuen- güßchen", so kornmen wir zunächst zu dem Hartmann'- schen Eckhause, worin sich die Weinstube des früheren Lyzeal-Pedelleu Deichmüller, „das Kapellchen" genannt, befand. Männer der besseren Gesellschaft tranken irr diesem kleinen, gemüthlichen Lokale gern ihr Glas Wein. Dem „Kapellchen" gegenüber in der Nonnen-