158 hältnißmäßig nur, welch' herrliche Thaten sich von 1757—1762 ans den Kriegstheatern von Hannover, Hessen und Westsalen abspielten und wie hier deutsche und englische Tapferkeit vereint um den Lorbeer des Sieges kämpften. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Fridericianische Sonne von jeher so intensiv geleuchtet hat, daß dieselbe alle anderen Gestirne verdunkelte, und daß auch die diese Sonne umkreisenden Trabanten, die sich an die Namen Seydlitz, Schwerin, Ziethen u. s. w. anknüpfen, auch ihrerseits durch den von ihnen ausstrahlenden Glanz alle anderen Waffen- thaten in Schatten stellten, die sich außerhalb ihrer Sphäre abspielten. Die großen Verdienste Friedrich's und seiner Generale aus den schlesischen und böhmischen Schlachtfeldern erkennen Freunde wie Feinde gleichmäßig an, unb sind dieselben von allen Seiten stets nach Gebühr gewürdigt worden. Eine derartige Anerkennung berechtigt uns indessen nicht, auch die Thaten anderer Zeit ­ genossen zu vergessen oder wissentlich zu ver ­ schweigen. Die Thaten anderer Feldherrn dieser Zeitperiode brauchen deshalb noch lange nicht unter den Scheffel gestellt zu werden und der Vergessenheit anheimzufallen. Freilich hat schon Herzog Ferdinand von Braunschweig, der Sieger von Wilhelmsthal, zu seinen Lebzeiten an sich und seiner späteren militärischen Laufbahn eine gewisse Zurücksetzung erdulden müssen, die ihn schon 1763 veranlaßte, seine Stellung als Corps- kommandeur niederzulegen. Nicht ohne Grund sah der große König immer in Ferdinand einen Nebenbuhler seines Ruhms, von dem er sich doch selbst sagen mußte, daß er und das ganze Land Preußen ihm viel zu verdanken habe. Den öfteren Anblick eines solchen Mannes zu ertragen und sich ihm gegeu- über gehörig zu benehmen, lag nicht in Friedrich's Charakter, und so sieht Ma uvillon, dem ich diese Mittheilungen wörtlich entnommen habe, nicht in kleinlichen Differenzen oder verletzenden Kri ­ tiken gelegentlich der letzten Manöver die Ursache des Sturzes Ferdinand's ans der Gunst des großen Königs, sondern lediglich in Friedrich's geringer Neigung, sich dankbar zu beweisen. Ohne Sang und Klang und mit einer höchst kümmerlichen Pension, die nicht einmal ausgezahlt wurde, erhielt der hochherzige Ferdinand den Abschied. Und doch hatte dieser unendlich viel geleistet. Ferdinand besaß große Feldherrneigen- schasten alls theoretischem wie ans praktischem Gebiete und war seiner Zeit in gewissem Sinne weit vorausgeeilt, besonders zeigte er sich in der Verwendung leichter Truppen den meisten Führern seiner Zeit weit überlegen. Die hessischen und hannoverschen Jäger Ferdinand's bewegten sich bereits in anschmiegenden Tiraillenr- ketten, denen jedes Gelände gangbar war, denen jede Tageszeit genehm war. Ferdinand war kein toller Draufgänger, kein Freund der einfachen Niederwersungsstrategie, d. h. der Zertrümmerung der feindlichen Streitkraft a tout prix. Der Erreichung dieses Zieles vor der zu entfesselnden Schlacht gingen bei ihm erst die richtigen Truppen ­ bewegungen, die ausschlaggebenden Märsche und Manöver voraus, und wie mustergiltig er diese Ausgabe zu lösen verstand, die Waffenentscheidung erst taktisch vorzubereiten wußte, dafür ist ein ganz hervorragendes Beispiel die Schlacht bei Wil ­ helmsthal, die eigentlich als eine der instruk ­ tivsten Schlachten für die alten unb jungen Schüler des Mars gelten kann und schon des ­ halb werth ist, der Vergessenheit entrückt zu werden. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Verkoppelung in Kurhessen, Von Carl Prefer. » ie Angelegenheit der Verkoppelungs-Gesetz ­ gebung gehörte bei uns bekanntlich zu den Dingen, die man, wie so manches Andere, dem letzten Kurfürsten vorwurfsvoll als eine Vernachlässigung anrechnete. Geht man indessen den Sachen ans den Grund, spürt man der Wahrheit nach, so gelangt man zu einer anderen Auffassung; denn nicht selten zeigt sich alsdann das, was öffentlich getadelt wurde, nur als Ausfluß großer Gewissenhaftigkeit. Hierher ge ­ hört auch der Grund des Zurückschiebens einer Lösung der Verkoppelnugssrage, das seiner Zeit dem Kurfürsten so schrecklich übel gedeutet wurde. Nachdem in anderen Ländern längst Gesetze über die Zusammenlegung von Grundstücken erschienen und in der Ausführung begriffen waren, glaubte auch das Ministerium in Kassel ein solches Gesetz in Kurhessen einführen zu sollen und brachte den von ihm ausgearbeiteten Entwurf in einer der gewöhnlichen Ministerial-