146 Es dichtet je lieber, je länger Herr Weintraut, der Marburger Sänger"). Vom Musensitz Schwimmhosen weh'n: Ach re. Wer Sonntags wird haben 's Frischbacken"), Ruft Null aus mit vollen Backen, So Ausrufer giebt es sonst keene: Ach rc. Giebt er mit der Schelle sein Zeichen. Die Mägde am Brunnen selbst schweigen. Andächtig bleibt jedermann steh'n: Ach rc. Doch nunmehr ist's Zeit auch zu schweigen, Wie könnt' auch mit Worten man zeigen Was täglich gesetzt wird in Scene: Ach in Marburg ist's gar zu scheene! Zahllos sind die Verse, die dazu „gedichtet" worden sind, doch wir sehen von allen weiteren ") Bekannter Marburger Dichter und Inhaber einer Badeanstalt an der Lahn. ") Bis 1866 durfte in Marburg nur eine kleine Anzahl Bäcker Sonntags backen. Allsamstag- lich rief der städtische Ausrufer Null mit Stentorstimme in den Straßen der Stadt aus: „Morgen haben das Frisch ­ backen N. N. im ersten, X. U. im zweiten nnd Matthäi im dritten — Stadtviertel." Professor Dr. Karl Krause. — (K Zwei verspät Im Herbste v. I. verstarben fern von der hessischen Heimath zwei treue Söhne unseres engeren Vaterlandes, zwei Männer, deren Namen in den Wissenschaften einen guten Klang haben, nnd die wohl verdienen, daß ihrer in dieser Zeit ­ schrift gedacht, bezw. etwas Näheres über ihr Leben hier mitgetheilt wird. Dr. Karl Krause, gestorben den 31. August 1894 als Professor am Gymnasium Francisceum zu Zerbst, war eine wissenschaftliche Autorität ersten Ranges ans dem Gebiete der Geschichte des Humanismus. Er war geboren am 24. Sep ­ tember 1835 zu Sontra, besuchte von Ostern bis Pfingsten 1844 das Gymnasium zu Marburg, von da bis Ostern 1853 das zu Hersseld. Auf den Universitäten zu Marburg unb Bonn studirte er Theologie und Philologie, legte in Marburg im Winter 1856—57 das theologische und ein Jahr darauf das philologische Staatsexamen ab. Ostern 1858 trat er am Marburger Gymnasium als Praktikant ein, wurde nach vollendetem Probe ­ jahr zur Aushilfe nach Hanau geschickt, wo er neun Jahre lang als Gymnasiallehrer wirkte. 1868 besuchte er die Zentralturnanstalt in Berlin, erhielt darauf eine Gymnasiallehrerstelle in Rinteln, von wo er Ostern 1871 an das Gymnasium zu Zerbst berufen wurde. Fortsetzungen ab und sprechen mit Schmuhl (Platen's „Verhängnißvolle Gabel"): „Gern hätt' ich manches wörtlich euch aus ihnen nach ­ gewiesen. Doch ihre Verse sind zu schlecht, sie passen nicht zu diesen." Um noch einmal aus K. v. H. zurückzukommen, so wollen wir unter Hinweis auf den Nekrolog, den unser verewigter F. Zwenger seinem Freunde v. H. im Hessenland 1892, S. 255, gewidmet hat*), dem Wunsche Ausdruck geben, es möchte noch das eine oder andere scherzhafte Gedicht H.'s hier veröffentlicht werden. *) „In hohem Grade ausgezeichnet durch die Gabe des Witzes und der Satire, war ihm auch ein nicht gering zu schätzendes poetisches Talent eigen, davon giebt eine größere Anzahl Gedichte humoristischer Färbung aus der Jugendzeit Zeugniß, die heute noch unter seinen ehemaligen Marburger Kommilitonen und seinen Fuldaer Freunden in Abschrift kursiren und mit großem Beifall immer und immer wieder gelesen werden." -8° t)eintet Bergrath Eduard Danket. t e Nekrologe. Die erste Frucht seiner Studien über den Humanismus war eitle Biographie des hessischen Lehrers, Dichters und Arztes Euricius Cordus. Dann beschäftigte er sich mit Eobanus Hessus, dem Haupte des Erfurter Humanismus. Das be ­ treffende Werk erschien 1879 und wurde von der Kritik überaus günstig ausgenommen. 1885 ließ er den Briefwechsel des Mutianus Rusus erscheinen tlnd fast gleichzeitig seine „Melanchthoniana“. 1892 erschienen von ihm im 19. Heft der Jahr ­ bücher der Erfurter Akademie die „Beiträge zum Texte, zur Chronologie und Erklärung der Mutianischen Briefe", sowie die „Epigrammata des Euricius Cordus". Für uns» Hessen ist es von Interesse tloch zu erfahren, daß der Ver ­ storbene eine fast drucksertige Arbeit: „Satirische Dialoge des Eobanus Hessus" und eine ebenfalls fast vollendete Sammlung der Briefe des Eobanus Hessus hinterlassen hat. Drei Abhandlungen Krause's zieren das „Hessenland": Der fünfte Jahrgang (1891) brachte S. 114—119: „Zwei neue Gedichte des Euricius Cordus (1486—1535), mitgetheilt und übersetzt" mit den nöthigen Erläuterungen. Derselbe Jahrgang S. 152—154 enthält: „Vota Namen des Dichters Euricius Cordus", und „Neue Unter ­ suchungen über den Namen und über die Schul-