139 Dr. Heinrich Julius Rothfuchs in Münster (ge ­ boren den 23. Juni 1838 zn Witzenhausen, s. Z. Gymnasiallehrer in Marburg und Hanau) ist der Charakter als Geheimer Regierungsrath ver ­ liehen worden. — Am 5. Mai d. I. verstarb in Genf, wo er seit 1852 als Professor der Geologie lebte, der Naturforscher Karl Vogt, geboren zn Gießen am 5. Juli 1817. Größere Lorbeeren als durch seine politische Thätigkeit in der Frank ­ furter National-Versammlung von 1848/49, derent ­ wegen er, als redefrohes Mitglied der äußersten Linken, seine Professur in Gießen verlor, erntete er ans dem Gebiete der Naturwissenschaften, um deren Popularisirung er sich lebhaft bemüht hat. Vogt war in Wort und Schrift einer der eifrigsten Vorkämpfer des wissenschaftlichen Materialismus uub später des Darwinismus, dessen letzte Folge ­ rungen er mit großer logischer Klarheit zog. In der letzten Monatsversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde zn Kassel am 29. April d. I. berichtete Herr Dr. ureck. Schwarz köpf über prähistorische Alterthümer, welche Einwohner der Umgegend bei Kulturarbeiten des Bodens oberhalb Spiekershausen, der grauen Katze gegenüber, vor längerer Zeit gesunden lind Dr. Schwarzkops zum Geschenk gemacht hatten. Es sind dies eine Haarnadel von Bronze, die, durch Schönheit der Form und Zierlichkeit ihrer Arbeit ausgezeichnet, vielleicht einst das Haupt einer vornehmen germanischen Frau geschmückt hat, dann ein Armband, ebenfalls von Bronze, das aus zahlreichen, leider zerbrochenen, zierlichen Ringen bestand. Beide Gegenstände, die dem Kasseler Museum überwiesen sind, wurden zur Ansicht umher ­ gereicht. Außerdem legte Dr. Schwarzkopf noch ein vom Oberstlieutenant von Eschstruth ge ­ zeichnetes Bild vor, welches den verstorbenen Kur ­ fürsten in einem offenen, mit den berühmten Isabellen bespannten Wagen darstellt. Sodann sprach Oberstlieutenant a. T>. von Stamford aus Wahlhansen über den Feldzug des Germani ­ ens in's Chattenland im Jahre 13 n. Chr. und die Zerstörung von Mattium. Damit haben die dieswinterlichen Vortragsabende des Ver ­ eins ihr Ende erreicht. Mit dem Wunsche: „Auf fröhliches Wiedersehen im nächsten Herbst" schloß der Vorsitzende,Landesbibliothekar Dr. Brunner, die Sitzung. Universitätsnachrichten. Professor Dr. Schulze in Marburg ist dem Vernehmen nach als Nachfolger des Professors Dr. Vechtel nach Göttingen berufen worden. — Der jüngst nach Marburg berufene Professor Dr. med. Emil Behring wurde zum ordentlichen Professor er ­ nannt. — Oberkvnsistorialrath Köstlin in Darm ­ stadt folgte einem Rufe als ordentlicher Professor der Theologie nach Gießen an Stelle des Professors Dr. Reischle. Hessische Biicherschan. Gekrönte Häupter. Zur Naturgeschichte des Absolutismus. (Folgt der spezielle Titel. | Berlin. Verlag von Hans Baake. 8. City Passage. 0. J. (Preis jedes Heftes 20 Pfg. — 13 Kr. — 25 Ctm.j Unter diesem vielversprechenden Titel erscheint seit einiger Zeit in dem oben angegebenen frag ­ würdigen Verlage eine Reihe von Charakteristiken der „blut- und schmutzbedeckten Gestalten größen ­ wahnsinniger Cäsaren, von Nero, von Calignla an, bis zn so manchem absoluten Herrscher unseres Jahrhunderts"*). Die „Verfasser" dieser erbärm ­ lichen Broschüren, die in edler Offenheit ihren deutschen (?) Namen schamhaft verheimlichen, wollen anscheinend in weitestem Umfange eine erzieherische Thätigkeit am deutschen Volke ausüben und die Nichtswürdigkeit der bisherigen Geschichtsschreibung durch Musterleistungen wahrhafter historischer Kritik schonungslos ansdecken. „Gerade heute müht sich eine feile Asterwissenschaft an der Ausgabe ab, reißende Wölfe als unschuldige Lämmer darzustellen, die Köpfe der heran ­ wachsenden Jugend zu verfinstern und ihnen Elende als erhabene Beispiele vor ­ zuführen." Zu diesen- „Elenden" gehören unter Anderen, um nur einige ans dem Prospekte dieses vaterländischen Unternehmens anzuführen, König Friedrich der Große, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und — was uns hier am meisten interessirt— Kurfürst Wilhelm II. von Hessen **), der angeblich in Heft 19 dieser Monumenta historica abgehandelt werden soll ***). Es würde vielleicht passend sein, derartige Schundliteratur mit der ihr gebührenden Verachtung unberücksichtigt zn lassen, allein die Tendenz dieser Schmutzschriften ist heute zn wichtig, um ganz mit Stillschweigen *) So heißt es in der Ankündigung auf der Rückseite des Umschlages dieser Hefte, deren Vorderseite in weißem Drucke auf rabenschwarzem Grunde ihren famosen Ur ­ sprung schon von Weitem erkennen laßt. **) Von dein Heft 17 „Jérôme Napoleon, König von Westfalen" ganz zu schweigen. ***) Auf dem Umschlage bieten die Herausgeber ein „Portrait" des Kurfürsten, überhöht von der neuen deutschen Kaiserkrone, die auch auf Heft 17 den König von Westfalen schmückt!