134 wobei dieser die vor der Thüre befindliche steinerne Treppe so unglücklich hinabfiel, daß er das Genick brach. Der Wirth verließ danach eilig die Stadt und flüchtete tu seine Heimath Batten in der Rhön, kehrte aber von da bald zurück, als er sichere Kunde erhielt, daß seine Handlung als eine in der Aufregung verübte und die Ver ­ letzung mit tödtlichem Ausgang als eine nicht beabsichtigt gewesene angesehen werde. In der That blieb Höfling in der Folge ganz unbehelligt. Gehen wir nun in die anstoßende Töpfengasse, ehedem Ollergasse (von olla, der Topf), jetzt Marktgasse genannt. Dort stoßen wir zunächst aus ein Haus, welches eine in Stein gehauene Rose über der Hausthüre führt. In demselben befand sich vor Jahren die Metzgerei von Schultheis. Ob eine Wirthschaft darin betrieben worden ist, ist unbekannt. Gegenüber liegt aber das rühmlich bekannte „Ballhaus". Ueber dessen Eigenschaft als Gasthaus können wir nichts berichten. Schon int Anfang dieses Jahrhunderts wurden aber dort Vergnügungen und Versammlungen, welche große Räume erforderten, abgehalten. Mitte der vierziger Jahre war der „Bürgerverein" dorthin verlegt. Im Jahre 1848 hielt der Turn ­ verein, der auch dort gegründet wurde, daselbst seine regelmäßigen Zusammenkünfte. In der Nähe des „Ballhauses" befand sich der Gasthos „zum goldenen Schwan". Diese Bezeichnung befand sich auch in neuerer Zeit noch an dem Hause, welches dem Kaufmann Ignaz Ducke lange Jahre gehörte. In der Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zechten dort zwei Fuldaer Soldaten, zwischen denen ein Wortwechsel entstand, welcher in Thätlichkeiten überging. Ein gleichzeitig im Zimmer anwesender Knabe machte nun dem Streite dadurch ein Ende, daß er, mit einer Gabel versehen, unbemerkt unter den Tisch kroch, an dem die Streitenden saßen, und dieselben, während sie sich rauften, solange in die Beine stach, bis sie, durch die ihnen von unsichtbarer Hand bei ­ gebrachten Stiche entsetzt, eilig das Zimmer ver ­ ließen. Sie waren nicht zu bewegen, dahin wieder zurückzukehren, weil sie nicht anders glaubten, als daß der Gottseibeiuns seine Hand im Spiel gehabt habe. Der Knabe aber, der eilig aus (entern Versteck hervorkam, war erfreut, Friede gestiftet zu haben, und er ist es auch gewesen, der uns als Gymnasiasten in den dreißiger Jahren als hochbetagter Greis diesen Vorfall erzählt hat. Nur durch ein Haus vorn „Schwan" getrennt, befand sich in dem jetzt dem angesehenen Bürger ttnd Lederhändler Ferdinand Ducke, früher deut Senator Koch eigenthümlich zustehenden Hanse eine nur von vornehmen Personen besuchte Wein ­ stube. Der muntere itttb freundliche Wirth machte sich ein Vergnügen daraus, die in den zwanziger Jahren in Fulda aufgeführten Fast ­ nachts-Maskenzüge bei deren Vorbeiziehen mit gutem Wein, den er ja anerkannt führte, reichlich zu bewirthen. Noch lange nach seinem Tode er ­ freute sich die Weinstube eines regen Besuches. Eine Verwandte, Fräulein F. Simon, ererbte das Koch'sche Haus und betrieb die Weinwirthschaft weiter. Sie war darauf bedacht, die von ihr verkauften Weine ebenso rein und schmackhaft wie ihr Vorgänger zu halten. Der alten, freund ­ lichen Dame, welche im Fuldaer Provinzial- Wochenblatt den Einwohnern Fuldas ihre Wein- wirthschaft empfahl, spielte aber der Setzer oder Drucker dieser Anzeige einen übeltt Streich, indem er daselbst bekannt machte: „Ich empfehle meine alten, reingehaltenen Beine" statt Weine, was große Heiterkeit verursachte. Der Koch'schett Weinstube schräg gegenüber lag die sog. Garküche. Das geräumige Eckhaus der Pfarrkirche gegenüber führte in einem Balken des ersten Stockwerkes einen großen nietallenen Ring, dessen Bedeutung uns nicht bekannt ist. Im Hause war stets warmes Essen zu bekommen. Von einer darin atlch betriebenen Gastwirthschaft haben wir keine Kunde. In der Friedrichsstraße war in der jetzigen „Bierhalle" int sog. Alerander'schen Hause eine gut besuchte Wirthschaft, ihr gegenüber neben der sog. „gelben Lust" die Weinstube des Konrad Wehner, später des Sattlers Vogel. Das Haus wurde später dem Wählerischen Haus angebaut. Ntlr durch ein Haus davon getrennt lag die Schenk- wirthschaft „zur grünen Schluppe", deren Eigenthümerin Fratt Elisabeth Groß (st 1799), Großmutter der spätern Frau Elisabeth Schmitt in Horas, eine große Wohlthäterin Armer und Bedrängter war, insbesondere hilfsbedürftigen Wanderern bereitwillig Ausnahme gewährte. Der Fürstbischof, dem dies bekannt wurde, ließ derselben beim auch durch zwei seiner Leibhusaren seine An- erkennung zu erkennen geben, in Folge dessen die so Geehrte nicht umhin konnte, die fürstlichen Abgesandten mit gutem Salecker Wein reichlich zu bewirthen. (Fortsetzung folgt.)