114 Die älteste Geschichte der Malstmrg und ihrer Besther. Von W. Grotefend. (Fortsetzung.) ^M^onnte ein Ministerial an und für sich ebenso- WZ gut freier wie unfreier Abkunft fein, so ist doch ^\\ die freie Abkunft der Familie von Scharten- berg-Malsburg mit Sicherheit anzunehmen, da sie schon vor dem Jahre 1210 über freies Eigen (Allod) in ansehnlichem Umfange verfügte, so über die Mühle und 300 Morgen Land zu Zwergen. Diese alten Ministerialen von Schartenberg-Malsburg waren überhaupt ein kühn aufstrebendes Geschlecht, das um das Jahr 1200 bereits besonderes Ansehen genoß imb umfang ­ reiche Besitzungen hatte. Ihr Ruf war so un ­ tadelhaft, daß sich Geschlechter, die unzweifelhaft dem damaligen Adelstände angehörten, wie die von Ziegenberg, von Homburg und auch die von Gudenberg, mit ihnen verschwägerten, sie also als ihnen gleichstehend anerkannten, ohne Rücksicht auf das gültige Reichsrecht, welches derartige Ver ­ bindungen zwischen Edeln und Ministerialen, selbst den angesehensten, immer wieder untersagte. Nun gehörten die von Schartenberg-Malsburg schon insofern zu den vornehmsten Ministerialen, weil sie in Beziehung zu dem Erzbischof von Mainz standen, dessen Dienstmannen nach denen des Kaisers den ersten Rang im ganzen Reiche hatten und bereits vor dem Jahre 1100 das Recht be ­ saßen, ohne Erlaubniß ihrer Herren einzuholen, heirathen zu dürfen. Schon früh werden die Ministerialen des Schartenberges und der Mals ­ burg die mit dem 12. Jahrhundert fast von keiner Seite mehr angefochtene Berechtigung zur Geltung gebracht haben, auch von anderen Herren als ihren ursprünglichen Lehen empfangen zil dürfen, wir treffen sie wenigstens außer in der Umgebung des Erzbischofs von Mainz bei Herzog Heinrich dem Löwen lind bald nachher bei Land ­ graf Hermann von Thüringen, Bischof Bernhard von Paderborn und Abt Hermann von Corvey und gleichzeitig auch im Besitze vizegräflicher richterlicher Befugnisse in der Grafschaft Meiser- Schartenberg. Schon um die Mitte des 13. Jahr ­ hunderts hatten die von Malsburg-Schartenberg, welche etwa seit 1240 als Ritter erscheinen, eigene Vasallen, die selbst ein rittermäßiges Leben führten, wie die von Zwergen, zählten also bereits zum vierten Heerschilde, nicht mehr zum fünften. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts müssen diese Vasallen bereits recht zahlreich ge ­ wesen sein, werden doch in der ältesten Urkunde des von der Malsburgischen Archivs zil Elmars ­ hansen bei Wvlfhagen vom 26. September 1284 Bestimmungen über die Verleihung der von der Familie zu ertheilenden Lehen unter ausdrücklicher Hervorhebung der Zustimmung der Vasallen ge ­ troffen. Ueber die Stellungnahme der Familie von der Malsburg-Schartenberg zu den politischen Er ­ eignissen der damaligen Zeit ist nicht allzuviel überliefert, immerhin fehlt es nicht ganz an An ­ haltspunkten darüber. Zunächst werden deren Glieder zum Erzbischof von Mainz gehalten haben, dem sie verpflichtet waren, zumal die Erzbischöfe darauf bedacht waren, die Gegend um Malsburg und Schartenberg urbar zu machen und zil be ­ siedeln, wie aus der häufigen Erwähnung der Zehnten von Neubrnchsfeldern in auf eben diese Gegend bezüglichen Mainzischen Urkunden des 12. Jahrhunderts zu entnehmen ist. In den Bereich derartiger Mainzischer Bestrebungen scheint auch die Ausgestaltung des Hofes Escheberg zum Dorfe zu fallen. In einer Urkunde von 1162 verlieh Erzbischof Konrad von Mainz dem Kloster Hasungen Rodzehnten in der Nähe der Malsburg ans dem Gebiete des Dorfes Escheberg. Möglich ist freilich, daß der Aufenthalt Stephan's von Schartenberg 1163 zu Goslar am Hofe Herzog Heinrich's des Löweil bezw. 1199 bei Landgraf Hermann von Thüringen, von dem schon die Rede war, aus Beziehungen zu diesem mächtigen Fürsten hinweist, die mit der Mainz schuldigen Lehnstreue nicht recht vereinbar sind, vielleicht liegt die Erklärung dann aber darin, daß die mächtige Hand beider Fürsten mit vielen andern Geschlechtern auch das von Schartenberg zur Gefolgschaft zwang. Gerade die Burgen Malsburg und Schartenberg waren durch ihre