311 ziehen im Begriffe stand, schrieb Wilhelm an die erbverbrüderten Kurfürsten: sie würden nun aner ­ kennen, wie verletzend die papistische Partei alle Rcichskonstitutionen verachte; da man so geduldig gewesen, den Kurfürsten Gebhard nicht mit den Waffen zu unterstützen, so müsse man deshalb nicht alle mißbräuchlichen Folgen seiner will ­ kürlichen Entsetzung noch den Umstoß des Landes ­ und Religionsfriedens und die Herüberziehung des Niederländischen Kriegs zugeben. Es sei Zeit, die Köpfe zusammenzustecken, wenn sie anders freie Deutsche bleiben und das väterliche Gut auf ihre Erben bringen wollten. Als Herzog Ferdinand von Bayern mit seinen Truppen in das Erzbisthum Köln kam, wurden die Grenzgebiete der Grafen von Waldeck, von Wittgenstein und Berleburg und die Besitzungen der Familie von Gaugreben durch die Truppen belästigt. Sie wandten sich um Schutz an den Landgrafen. Dieser stellte dem Herzog vor: „er werde wissen, wie in dem Zuge gegen Karl V. er, der Landgraf, und Landgraf Moritz an der bayerischen Grenze kein Huhn verscheucht, sonst müsse er thun, was seines Amtes sei". Der Herzog antwortete zwar, die Grafen seien der Unterstützung Gebhard's verdächtig, Westfalen sei seinem Bruder verwandt itnb er selbst handele nach kaiserlichem Befehl, aber seine Truppen zogen sich doch zurück. Landgraf Wilhelm befand sich in jener Zeit in Bad Ems. Er drang von dort aus bei den Kurfürsten um bessere Einrichtung der Kreis ­ verfassung, „deren Kontributionen so schlecht ein ­ gingen, daß man kaum Tinte und Papier davon bestreiten könne". Die evangelischen Bürger zu Köln, welche den Landgrafen Wilhelm um Fürsprache angingen, ermahnte er, ihr Kreuz mit Geduld zu ertragen, und sprach sich gegen die bewaffnete Koalition aus, welche der bei Wilhelm von Oranien flüchtig lebende Kurfürst Gebhard zu Stande zu bringen suchte. In den Aachener und Straßburger Religionsstreitigkeiten selbst schloß Wilhelm sich den vermittelnden Kurfürsten an. An den Rath zu Aachen schrieb er kurz vor seinem Tode (1592): „da man jetzt, statt die geschlagenen Wunden zu heilen, die päpstliche Inquisition und das Recht des Stärkeren handhabe, die Evangelischen ohne Haupt und in dogmatische Streitigkeiten verwickelt seien, so könne er ihnen nichts Anderes rathen, als Hülfe bei Gott zu suchen." Die Niederländer unterstützte er durch Ver ­ mittelung eines Geldanlehens des Prinzen von Oranien sowie durch Gestattung des Zuzugs seiner Vasallen zu dem oranischen Heere. Im Uebrigen bewahrte er aber volle Neutralität; in diesem Sinne lehnte er sowohl den Antrag Johannes' von Nassau-Dillenburg, des Bruders Wilhelm's von Oranien, auf Verhaftung der Gesandten Alba's auf hessischem Gebiete ab als auch das Anerbieten Philipp's II. auf Gewährung einer Pension, „nicht um ihm mit seinem Leibe oder Kriegsvolk, sondern um ihm in aufrichtigen billigen Dingen zu dienen" (1570). Der Kurfürst von der Pfalz hatte ein mit spanischen, im Reiche verbotenen Münzen beladenes für den burgundischen Kreis bestimmtes Schiff bei Mannheim in Beschlag genommen. Landgraf Wilhelm wurde von Philipp als ein Betheiligter des Rheiuzolls ersucht, zur Aufhebung des Arrestes mitzuwirken. Auf dieses Ansuchen antwortete er, „freie Schiffahrt und Verkehr des Rheines zu fördern, sei er immer bereit; in jener Sache den älteren und vornehmeren Kurfürsten zu unter ­ richten, gezieme ihm nicht, er hoffe aber, daß der Kurfürst sich nach des Kaisers als seines Ober ­ hauptes Weisung und des Reiches Gesetzen richten werde" (1568). Auf dem Reichsdeputationstage zu Frankfurt (1577) erklärte er sich ans Veran ­ lassung der Beschwerden Juan's d'Austria gegen den Prinzen von Oranien für friedliche Ein ­ wirkung, weigerte aber jede Hülfe an den König von Spanien, da er entschlossen sei, keinen Falls bei der Verfolgung seiner Glaubensgenossen mit ­ zuwirken und, bis die Religion vom König frei ­ gestellt werde, sich in nichts einzulassen. Mit der Königin Elisabeth von England stand er in enger Freundschaft. Als im September 1569 zu Erfurt ihr Antrag auf Abschluß eines Vertheidigungsbündnisses von den evangelischen Fürsten berathen wurde, sprach Landgraf Wilhelm sich durch seinen Gesandten Johann Mehsenbug dagegen aus, weil die päpstlich gesinnten Fürsten daraus leicht einen Vorwand zum Angriff entnehmen könnten. Er hielt aber eine Verbindung der evangelischen Fürsten unter einander für wünschenswerth und befürwortete Anlehnung an England: „denn er wisse von seinem Vater, daß er immer gerathen, die evangelischen Fürsten sollten auf diese vermögende und geldreiche Fürstin, da sie selbst um der Religion willen so vieles ausgestanden, ihr Augen ­ merk richten". Er wies sodann darauf hin, daß die Gegner der evangelischen Lehre nur dadurch die Möglichkeit gewinnen würden, die zur Kriegs ­ führung erforderlichen Truppen zusammenzubringen, daß sie in den evangelischen Ländern selbst Werbungen veranstalten dürften. Er schlage da ­ her vor, daß die evangelischen Fürsten ein feierliches Verbot erlassen möchten: „daß sich keiner ihrer Unterthanen gegen eigene Religionsverwandte