278 an diesem offenen Grabe laut und öffentlich Zeugniß ab ­ zulegen von dem, was der Verstorbene nicht nur seiner Stadt, nicht nur als Mitglied des Bezirks-, Landesausschusses und als Kommunallandtagsabgeordneter dem ganzen um ihn trauernden Hessenlande, sondern was er namentlich auch den hessischen Städten gewesen ist. Hier in dieser schönen, über 30 Jahre von ihm so vortrefflich verwalteten Stadt, der ältesten Kulturstätte im Lande, wurde unter seiner freudigen Zustimmung und wesentlichen Mithülfe der hessische Städtetag gegründet, um für die gemeinschaft ­ lichen Interessen der hessischen Städte ein einheitliches, alle Kräfte fest zusammenhaltendes Organ herzustellen. Er gehörte von Anfang an dem Vorstande an, war von An ­ fang an Mitvorsihender desselben, war auf allen Versamm ­ lungen Referent in den wichtigsten Angelegenheiten und Begründer und Vorsitzender des aus dem Städtetag her ­ vorgegangenen Sparkassenverbandes der hessischen Städte. Aber nicht nur durch das, was er in dem Städtetag und für denselben geleistet und geschafft hat, nein, noch viel mehr durch das, was er in ihm war, durch seine ganze Persönlichkeit, durch seine reiche Erfahrung, seine beson ­ nene Weisheit, sein liebenswürdiges, vornehm-bescheidenes und mildes Wesen ist er geradezu die Zierde und der Stolz des Städtetages und der in ihm vereinten hessischen Städte gewesen. Wir werden Dich, theuerer Freund, auf's Schmerzlichste vermissen, und Du wirst uns unersetzbar sein, aber wir geloben um so mehr, das, was Du geschaffen, als theures Erbe zu bewahren und zu pflegen, und Dein Name, Franz Rang, Oberbürgermeister von Fulda, wird nicht vergessen werden, solange die hessischen Städte treu verbündet zusammen stehen werden. Ruhe sanft, lieber Freund, Dein Gedächtniß bleibt in Ehren und im Segen. Der hessische Städtetag und die Stadt Kassel senden Dir durch mich in diesen Kränzen ihren letzten freundlichen Gruß." Während die Vereine am Grabesrande vorüber ­ zogen und als letzten Abschiedsgruß die umflorten Fahnen über dem mit Blumen bedeckten Sarge schwenkten, fielen zum Schluß der ergreifenden Trauerfeierlichkeit die Erdschollen auf denselben nieder, welche die Leidtragenden vor dem Scheiden von der geweihten Stätte zum Zeichen ihrer Liebe und Verehrung dem Todten spendeten. — Nur Wenigen dürfte es erinnerlich fein, daß Franz Rang zweimal zum lebenslänglichen Ober ­ bürgermeister der Stadt Fulda gewählt worden ist. Dieses eigenthümliche Verfahren hing mit den Versassungswirren der damaligen Zeit zusammen. Die erste Wahl war im Herbste 1862 aus Grund der provisorischen Bestimmungen erfolgt, durch welche nach Erlaß der oktroyirten Verfassung vom 13. April 1852 die hessische Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834 Abänderungen erlitt, die aber nach Wiedereinführung der Verfassung vom 5. Januar 1831 durch die landesherrliche Ver ­ kündigung vom 21. Juni 1862 bis zur weiteren Ordnung durch die Landstände noch beibehalten wurden. Als nun durch das Gesetz vom 15. Mai 1863 jene provisorischen Bestimmungen von der kurhessischen Ständekammer als ungesetzlich auf ­ gehoben wurden, mußten aus Grund des 8 2 des letztgenannten Gesetzes überall da, wo die Orts ­ vorstände nicht nach der ursprünglichen Gemeinde- ordnung von 1834 gewählt worden waren, neue Wahlen angesetzt werden. Oberbürgermeister Franz Rang hatte sich in der kurzen Zeit seiner Amts ­ führung aber das Vertrauen seiner Mitbürger und speziell der Mitglieder der städtischen Körperschaften in so hohem Grade erworben, daß seine Wieder ­ wahl auf Lebenszeit, diesmal sogar, wenn wir nicht irren, einstimmig, erfolgte. Schwere Zeiten hat der Verblichene als Ober ­ bürgermeister von Fulda durchzumachen gehabt, aber den Muth hat er niemals sinken lassen. Sein Streben ist immer das edelste, das beste gewesen, stets war er bemüht, das Wohl seiner geliebten Vaterstadt mit allen seinen Kräften zu fördern, und wohlverdient hat er sich um dieselbe gemacht. Soll ich seine Verdienste einzeln angeben? Das würde zu 'weit führen; sind sie doch noch frisch im Gedächtnisse eines Jeden, und sind sie doch allgemein anerkannt und gewürdigt worden. Er war ein wahrer Vater der Stadt, wohlwollend und entgegenkommend gegen Jedermann, treu, offen und bieder, hochherzigen und edelmüthigen Charakters. Nicht minder verdienen seine Leistungen als Mitglied des Kommunallandtages, des Landes ­ ausschusses, des Bezirksausschusses, des Kreistages und Kreisausschusses als hervorragende bezeichnet zu werden. Er war ein guter Redner, ein treff ­ licher Stilist, in seinen nach Form wie nach Inhalt ausgezeichneten Referaten, mochten sie in Wort oder Schrift bestehen, wußte er stets das Rechte zu treffen. Seine liebenswürdige Persönlichkeit, sein „vornehm- bescheidenes mildes Wesen" gewannen ihm die Sympathien Aller, die mit ihm in Berührung kamen. Er war ein treuer Sohn seiner Kirche, sein tief-religiöser Sinn, seine aufrichtige Frömmig ­ keit waren ihm Herzensbedürfniß. Und sein Familienleben? Die zartesten, innigsten Bande der Liebe und Verehrung herrschten zwischen den einzelnen Familiengliedern. Zweimal war er ver- heirathet. Gleich nach seiner Ernennung zum Oberbürgermeister verehelichte er sich mit Fräulein Anna Waxmann aus Würzburg; nach deren fünf Jahre später erfolgtem Tode vermählte er sich mit Fräulein Pauline Schantz, Tochter des im Jahre 1880 verstorbenen Landrathes Ludwig Schantz von Rotenburg, und in wenigen Tagen würde die silberne Hochzeit gefeiert worden sein, wenn nicht der unerbittliche Tod dazwischen getreten wäre. Den unermeßlichen Schmerz, der die trauernde Wittwe, die Söhne und Töchter durch das allzu- srühe plötzliche Hinscheiden des theuren Gatten und Vaters betroffen, wer, der den edlen Verblichenen gekannt, sollte ihn nicht nachfühlen! Beide Ehen waren die glücklichsten. Es waren, ich sage nicht