235 stitutsgebäude befand sich im s. g. Ackerhof, in welchem auch die auf Staatskosten studirenden Eleven wohnten und daher von den anderen Forststudenten den Beinamen „die Ackerhöfer" erhielten. Als Lehrer der eigentlichen Forstwissen ­ schaft wirkten an der Forstanstalt der Direktor Hartig, der Oberförster Johann Jakob Wickel, der Forstkalkulator Ludwig Kluberdanz (Geschäfts ­ stil) ; die Hülfswissenschaften lehrten die Lyceal- professoren Burkard Schell (höhere Mathematik, ebene und sphärische Trigonometrie), Philipp Mehner (Elementarmathematik), Balthasar Arnd (Physik, Chemie und Botanik). Die Kollegien wurden in den Parterreräumen der Landes ­ bibliothek gehalten, wo sich auch die Sammlungen, u. a. ein Modellhaus, Holzsammlungen, forst ­ botanische , mineralogische Sammlungen, physi ­ kalische Instrumente rc., sowie ausgestopft der letzte zu Anfang dieses Jahrhunderts von dem Förster Adam Lamm zu Leibolz in der Fuldaer Gegend (im Schildawalde) erlegte Wolf befanden. Als botanischer Garten war ein wüst liegendes Feld vor dem Paulusthore, am Fuße des Frauen ­ bergs, angelegt worden, und als Forstgarten wurden größere Parzellen im Gerlos benutzt. Der erstere wurde später in die jetzige Anlage umgewandelt, und die schöne Anpflanzung im Gerlos war lange noch ein beliebter Ausflugs ­ punkt der Fuldaer. — Tüchtige, theoretisch wie praktisch gebildete Forst ­ leute sind aus der Fuldaer Forstlehranstalt hervor ­ gegangen und zweifellos würde sich dieselbe zu einem der ersten Forstinstitute Deutschlands empor ­ geschwungen haben, denn hier waren alle Vorbe ­ dingungen dazu vorhanden, wenn die kurhessische Staatsregierung andauernd in gleichem Maße der Anstalt ihr Interesse zugewandt hätte, wie dies an ­ fänglich der Fall gewesen war. Allerdings wurde nach der Ernennung Hartig's zum Landforstmeister und Chef der Oberforstdirektion in Kassel der rühmlichst bekannte Professor der Forstwissenschaft zu Tübingen, Forstmeister Johann Christian Hundeshagen, ein geborener Kurhesse, zum Direktor der Fuldaer Forstlehranstalt berufen, aber nur vier Jahre verblieb derselbe in dieser Stellung. Im Jahre 1824 nahm er einen sehr ehrenvollen Ruf an die Universität Gießen an; nach seinem Abgänge wurde aber die Dircktorstelle nicht .wieder besetzt und zwei Jahre später wurde die Anstalt nach Melsungen verlegt. Ob es richtig ist, daß zu dieser Verlegung wiederholt zwischen Offizieren der Fuldaer Garnison und Forst ­ studenten vorgekommene Streitigkeiten und darauf folgende blutige Duelle den Hauptanlaß gegeben hätten, vermögen wir nicht zu sagen. — i Eine biographische Skizze von Johann Christian Hundeshagen behalten wir uns für später vor. Anschriften an Kasseler Hebäulichkeiten. Von Karl Knelsch. » ie alte Residenzstadt Hessens, Kassel, hat noch manches interessante Banwerk aufzu- -, weisen. An vielen alten Häusern finden wir das Jahr der Erbauung angegeben, oft im Verein mit erklärenden Worten oder Bibelsprüchen. Ueber die älteren Gebäude der Stadt Kassel, ihre Entstehungszeit und Bedeutung ist vor längerer Zeit eine beachtenswerthe Schrift von Nebelthau erschienen. Betrachten wir jetzt ein ­ mal die Inschriften an Kasseler Gebäulich ­ keiten. Da sind zuerst die Inschriften an öffentlichen Bauwerken zu erwähnen. Die Ausbeute, die wir auf einem Gange durch die Stadt machen, ist freilich verhältnißmäßig nur gering. Viele mit Inschriften versehene Bauten sind den Anforderungen der Neuzeit zum Opfer ge ­ fallen, darunter vor allem die Befestiguugswerke der Stadt mit ihren Rondelen und Thoren.') Von der kleinen Zahl der Inschriften, die auf uns gekommen sind, finden wir die ältesten an den beiden Hauptkirchen der Stadt. Am Ein ­ gänge zur Brüderkirche steht der Vers PeNpora strVOtVrae VersVs notat hIC, Lege CaVte, *) wonach der Bau der Kirche 1376 vollendet wurde. Neben dem Hauptportale der Martinskirche befinden sich die schwer zu entziffernden Worte Anno Domini MCCCCXXXX inceptum est presens opus 1) Vergleiche Schminke, umständliche Beschreibung von Kassel, 1767, unter: Schloß, Rathhaus, Gießhaus, Zeug ­ mantel, Todtenthor, Ahnabergerthor, Neues Thor, Brückenthor nach der Fulda, Müllerthor u. s. w. 2) Lies mit Bedacht, denn die Zeit der Erbauung kündet der Vers Dir!