207 einzuziehen, behufs Entwurfs eines Landrechts. Landgraf Ludwig zu Marburg ließ am 26. November 1572 ein Zirkular-Reskript an sämmt ­ liche Städte seines Landtheils ergehen, um Aufschluß über die Gebräuche in Ansehung der Erbfolge unter Eheleuten zu erhalten. Mit seinen Brüdern entwarf er dann ein Projekt einer General-Land- und Polizei-Verordnung im Jahre 1577, desgleichen ein Projekt fürstlich hessischen Landrechts im Jahre 1581. Diesen beiden Projekten folgten noch mehrere, wie z. B. im Jahre 1591 wiederum eine General - Land- und Polizei-Verordnung. Aus allen diesen Projekten ein einheitliches Recht zu schaffen, war aber fruchtloses Bemühen, da die meisten der mit der Ausarbeitung Beauftragten sich darauf beschränkten, das römische Recht in's Deutsche zu übersetzen, statt aus den Landesgebräuchen allgemeine Sätze herauszuziehen und auf Grund dieser ein Landrecht zu entwerfen. Von allen Projekten ist bis zum Jahre 1769 kein einziges zu Stande gekommen. Das in den Jahren 1583 — 1592 entworfene Projekt einer Land ­ ordnung wurde von Heinrich Geise, ehemaligem Amtsschultheiß zu Abterode, unter der Benennung „Deutsches oorxus iuris" gedruckt. Nachdem wir hier in großen Zügen die alte Gesetzgebung Hessens geschildert haben, wenden wir uns nun ­ mehr zur geistlichen Gerichtsbarkeit und beginnen damit in der nächsten Nummer. (Fortsetzung folgt.) i-æ-i' Lohann Kwalö in hessischen Diensten. Von F. Iwenger. (Fortsetzung.) t C’ihn 6. Februar 1778 schloß Frankreich mit den Nord-Amerikanern einen Freundschafts- und Handelsvertrag, durch welchen Frankreich die Nordamerikaner als ein selbstständiges Volk an ­ erkannte und dieselben mit seiner ganzen Macht so lange zu unterstützen versprach, bis sie ihre Un ­ abhängigkeit errungen hätten. Zwei Monate später segelte eine französische Flotte unter dem Admiral d' Estaing nach Amerika. Dies bewog den englischen General Henry Clinton, seine. Streit ­ kräfte wieder bei New-Pork zu konzentriren. Er räumte am 17. Juni 1778 Philadelphia, nahm seinen Marsch durch Jersey und erreichte am 28. Juni Shrewsbury und die Raritons-Bah. Dieser Rückzug war mit den größten Schwierig ­ keiten verbunden. Viele Verluste erlitten die Engländer auf demselben durch den die Armee ständig umschwärmenden Feind, wie denn auch eine ganz erhebliche Zahl der Mannschaften durch die unerträgliche Hitze und die übrigen Beschwerlich ­ keiten des Marsches aufgerieben wurde. Auf diesem Rückzüge, der zu den denkwürdigsten in der Kriegsgeschichte gehört, zeichneten sich wieder die hessischen Jäger, die unter ihrem tapferen Führer von Wurmb zur Arrièregarde und zu Seitendeckungen verwandt wurden, ganz besonders aus. Dem Feinde zunächst, hatten sie diesen drei Wochen lang immer an den Fersen. Der junge ungestüme Franzose Lafayette und der Pole Pu- lawski ließen sie fast nie zur Ruhe kommen, sie waren Tag und Nacht im Gefecht. Hier that sich bereits der junge Jägerunteroffizier Adam Ludwig Ochs hervor, der es nachmals zu großer Berühmtheit bringen sollte. Allen aber voran leuchtete auch hier Hauptmann Ewald. Gleich am zweiten Tage nach dem Abmarsche von Philadelphia, am 19. Juni, hinderte er den Feind am Abbrechen einer Brücke und vertrieb diesen aus einer nahegelegenen Mühle. Ohne Ewald's Thätigkeit wäre die Armee hier wenigstens einen Tag aufgehalten worden. General Clinton sprach daher auch ihm und den Jägern seinen ganz be ­ sonderen Dank aus. Auf dem Zuge hatten sich auch die reitenden Jäger rühmlichst bewährt. Am 24. Juni hatte die Armee Allentown er ­ reicht und am 28. Juni fand das Gefecht bei Frechould statt, das, nachdem der Feind wieder ­ holt zurückgeworfen worden war, von General Clinton abgebrochen wurde. Hier ereignete sich folgender Vorfall, den wir nach Max von Eelking wiedergeben. Im amerikanischen Heere diente der bekannte General F. W. von Steuben, früher preußischer Offizier unter Friedrich dem Großen. In seinem militärischen Eifer war er zu nahe an die Kolonne des hessischen Generals von Knyphaüsen zum Rekognosziren herangeritten, so daß er beinahe von einer Seitenpatrouille gefangen worden wäre. Nur der Schnelligkeit seines Pferdes verdankte er seine Rettung. Bei dieser Gelegenheit verlor er seinen Hut. Als nach dem Gefechte einige Gefangene in das Haupt ­ quartier Washingtons gebracht wurden, befand sich auch einer von Steuben's Verfolgern darunter. Er redete den General an mit den Worten: „Ich glaube, General, daß ich heute Morgen die Ehre hatte, Sie zu sehen und-ich hoffte einen glänzen-