171 höchsten Gesellschaftskreise, die Tradition feinster französischer Bildung und der direkte persönliche Zusammenhang mit einer in Deutschland damals noch mächtigen Literaturrichtung. Der Marquis, ein feiner, gebildeter Mann in den besten Jahren, des Deutschen durchaus mächtig und mit der deutschen Literatur vertraut, hatte lange in dem Tieck'schen Kreise gelebt und verstand es, sich bei Gelegenheit in französischen Versen sinnreich und artig auszudrücken. Die Marquise war, wie Heinrich Koenig schreibt, eine so entschiedene Schönheit blonder Art, daß sie es selber wissen mußte, und die Anerkennung, ja die Huldigung der Männer, die in ihren Kreis traten, erwarten durfte. Und mit ihrer gewinnenden Erscheinung verband sie in hohem Grade Bildung und Talent, besonders auch für Musik und Gesang, worauf sich der Marquis ebenwohl verstand. In diesem Hause fühlte sich Franz Dingelstedt wohl, und zu dem Grafen Wolf von Baudissin trat er gleich bei der ersten Bekanntschaft in nähere Be ­ ziehungen; daher ist es auch erklärlich, daß er sich in seiner Bedrüngniß gerade au diesen wandte und ihm sein Leid und seine Schmerzen in dem Gedichte klagte. — Greifen wir um ein Jahr zurück. Im Som ­ mer 1839 trafen drei alte Korpsbrüder Franz Dingelstedts, ehemalige Mitglieder des Marburger Korps „Schaumburgia", in Fulda ein, sein Busen ­ freund, Julius Hartmann, der als beauftragter Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften von dem Gymnasium zu Marburg an das zu Fulda versetzt war, der Referendar Karl von Sodenstern, dem ein Gerichtskommissorium in Fulda übertragen war, und der Literat Gustav Adolf Vogel, der in der Buchhandlung von Euler eine Stellung angenommen hatte. Und nun begann das burschi ­ kose Leben Franz Dingelstedt's, von dem man heute noch, nach mehr denn vierundfünfzig Jahren, zu erzählen weiß. Der Schilderung des Treibens Franz Dingelstedt's in jener Periode sei der nächste Artikel gewidmet. (Fortsetzung folgt.) ¡•-Ä-4 ieschichte der Kamille Mopp und von Mopp. von Klto Gerlgnb. s giebt wohl wenige Familien in Hessen, welche im Verhältnis zur Zahl ihrer Mit ­ glieder darunter so viele hervorragende Personen zu rechnen haben als die Familie Ko pp (von Ko pp), sodaß eine Geschichte dieser Familie auch von allgemeinerem Interesse sein dürfte. Zu Offenbach am Main lebte um 1700 der Oberförster Johannes Kopp, der mit Anna Maria, der Tochter des Predigers Thomä zu Reichenbach im Jsenburgischen verheirathet war. Dieser Ehe entsprossen, ohne daß man sagen kann, ob es die einzigen Kinder der genannten Eltern waren, zwei Söhne Johann Adam Kopp und Johann Christoph Kopp. Die Eltern starben kurz nach einander zwischen 1712 und 1716, He Söhne wurden Stifter zweier Linien. I. Johann Adam Kopp wurde am 22. März 1698 zu Offenbach geboren, sollte sich anfangs auf den Wunsch seiner Mutter der Gottesgelehrtheit widmen und bezog zu diesem Zweck 1712 das Gymnasium zu Hanau. Nach dem Tode der Eltern sattelte er um, widmete sich der Rechtswissenschaft und lag dieser seit 1716 auf der Universität zu Jena ob. Nach vollendetem Studium lebte er kurze Zeit als Advokat zu Büdingen, wo ihm der regierende Graf von Jsenburg-Birstein 1719 seine drei ältesten Söhne anvertraute und ihm 1722 den Auftrag ertheilte, mit diesen als Reise- sekretarius nach Straßburg zu gehen. 1724 kehrte er nach Offenbach zurück, wo er zum Rath ernannt und mit der Besorgung der Geschäfte des Grafentags beauftragt wurde; diese besorgte er 12 Jahre lang und hatte während dieser Zeit alljährlich dem zu Frankfurt abgehaltenen Reichsgrafentag als Abgeordneter des Wetterau- ischen Grafenkollegiums beizuwohnen. Nachdem er 1727 für seine Herrschaft einige Reisen nach Holland gemacht hatte, wurde er 1728 zum Kanzleidirektor zu Birstein ernannt, wobei er den Direktorialgeschäften des Gesammthauses Isenburg vorstand und u. a. die zwischen dem Bischof von Würzbnrg und dem Reichs ­ grafenstand bei dem Reichshofrath schwebende Streitigkeit über das Recht der Grafen, bei den Würzburgischen Belehnungen mit sechs Pferden einzufahren, zur Zufriedenheit beider Theile erledigte. In Folge Vermittelung Estor's wurde er 1736 zum Kanzleidirektor bei der Regierung und dem Konsistorium zu Marburg berufen und, nachdem er "euten Ruf als Geheime ­ rath und Kanzler nach Bayreuth abgelehnt hatte,