147 hängerin des Hessenthums einen warmen Nachruf, dem wir folgende Angaben entnehmen: Emilie Wepler wurde am 8. Februar 1818 zu Kassel als die Tochter des Landrichters Heinrich Georg Wepler geboren. Ihre Mutter war eine geborene Nahl, Tochter des seiner Zeit rühmlichst bekannten Historien- und Portraitmalers und Kasseler Akademiedirektors Johann August Nahl, Zeitgenosse Göthe's, der ihn in seinen Werken, bei einer Preisaufgabe, die von Weimar ausgeschrieben wurde, lobend erwähnte. Der Urgroßvater der Verstorbenen und Vater des Johann August Nahl, war der berühmte Bildhauer gleichen Namens, von dem das Standbild des Landgrafen Friedrich II., welches den Friedrichsplatz schmückt, stammt. Die Dahingeschiedene, einer hochbegabten Künstlerfamilie entstammend, Tochter einer geistreichen, für Schauspiel- und Dichtkunst begeisterten Frau, wurde so schon von frühester Jugend an dahingedrängt, für das Edle und Schöne ihren Sinn zu bilden. Sie genoß eine gediegene Ausbildung, wie sie nur den Töchtern höherer Stände zu Theil wurde. Leider wurde ihre glückliche Jugend, die sie im Hause ihrer gut situirten Eltern verlebte, getrübt durch den pekuniären Ruin, in den ihr Vater durch den Sturz des Lombards (Leihhauses) gerielh, an welchem er, neben seiner amtlichen Funktion als Landrichter, die Stellung eines Direktors bekleidete. Er büßte nicht allein bei dieser Gelegenheit das nicht unbeträchtliche Vermögen seiner Gattin ein, sondern mußte selbst mit einem Theil seines Gehaltes für gutgesagte Ver ­ pflichtungen Deckung leisten. Es kamen für die Dahingeschiedene von jetzt an trübe Tage, da sie mit Armuth und Noth zu kämpfen hatte, aus welcher sie erst theilweise befreit wurde, als ihr der verstorbene ehemalige Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen huldvollst einen Jahresgehalt gewährte, welchen auch die Kinder des verstorbenen Fürsten nach dessen Tode ihr weiter verliehen. Die Hauptwerke der Verstorbenen sind: „Plato und seine Zeit", ein Werk, das, wenn ihm auch tiefere männliche Gelehrsamkeit mangelt, doch mit voller Begeisterung geschrieben wurde. Ein weiteres Werkchen, das sie 1882 herausgab, be ­ titelte sich: „Hessische Erzählungen und Gedichte". Schon 1875 erschien im Selbstverlag der Verfasserin die Biographie des letzten Kurfürsten von Hessen. Ebenso erschien schon früher: „Wilhelmshöhe und sein Erbauer". Noch sei bemerkt, daß die Verblichene es verstand, einen treuen, ausgedehnten Freundeskreis an sich zu fesseln und dessen Anhänglichkeit sich bis in ihre letzten Lebenstage zu bewahren. R. 1. p. Direktor a. D. Dr. Friedrich Münscher. Derselbe, ein Sohn des in Marburg verstorbenen Professor der Theologie Dr. Wilhelm Münscher war dortselbst am 2!. Mai 1805 geboren. Auf dem Marburger Pädagogium und dem Gymnasium zu Hersfeld erwarb er sich seine akademische Vorbildung, studierte dann von 1824 bis 1827 in Marburg und Göttingen Theologie und Philosophie, wo er ein eifriges und sehr angesehenes Mitglied der Burschen ­ schaft war, wurde 1833 ordentlicher Gymnasiallehrer in Hanau und 1849 Direktor des dasigen Gym ­ nasiums. 1850 erfolgte seine Versetzung als Gym ­ nasialdirektor an das Gymnasium zu Marburg, wo er der Nachfolger A. F. C. Vilmars wurde. Die Leitung des Marburger Gymnasiums führte der Ver ­ blichene, wie bekannt, mit reichem Segen, in welches Lob gewiß alle seine zahlreichen Schüler freudig einstimmen. Als Vorstand des Gymnasiums erwarb er sich in hohem Grade das Vertrauen und die Liebe seiner Kollegen, die von ihm eine sich stets gleichbleibende wohlwollende Behandlung erfuhren. In einer von ihm verfaßten Geschichte der unter seiner Leitung stehenden Gelehrtenschule, schilderte er die Zeit von 1856—68 als eine besonders blühende für dieselbe. Es war ihm vergönnt, sein 50jähriges Doktorjubiläum, sein 50jähriges Dienstjubiläum, sowie 1874 sein 25jähriges Direktorialjubiläum zu feiern. Zur Er ­ innerung an dieses letztere Fest wurde eine Münscher- stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Schüler des Marburger Gymnasiums gegründet. Bei diesen Festlichkeiten ward ihm eine Liebe und Hochachtung entgegengebracht, wie sie wohl nur selten einem Jubilar zu Theil wird. — Mit hohen Orden ausge ­ zeichnet, trat er am 1. Juli 1884 in den wohl ­ verdienten Ruhestand, wobei ihm das Prädikat „Ge ­ heimer Regierungsrath" allerhöchst verliehen wurde. — Sein langes Leben hatte ihn einen Einblick in die Geschicke unseres engeren Vaterlandes thun lassen, wie er nur wenigen vergönnt ist, und konnten feine Erinnerungen, die ja bis in die westfälische Zeit reichten, als hochinteressante Mitteilungen gellen. Noch bis vor wenigen Jahren ein flotter Schlittschuh ­ läufer und ständiger Badegast der vereinten Schwimm ­ anstalt, hatte er sich einer wohl seltenen Gesundheit zu erfreuen. Erst das letzte Jahr zeigte eine Ab ­ nahme seiner Kräfte, nun ist er von uns gerufen. Sein Andenken wird ein allzeit ehrenvolles bleiben. — Er ruhe in Frieden! (Oberh. Ztg.) (Ueber die vielseitige literarische Thätigkeit des Ver ­ blichenen, die ja auch in historischer Beziehung nicht ohne Bedeutung ist, berichten wir bei anderer Ge ­ legenheit. D. Red.) Am 30. Mai verschied zu Marburg im 89. Lebensjahre der Geheime Regierungsrath Gymnasial-