143 als Fähnrich in den meisten Schlachten und Gefechten des siebenjährigen Krieges, an denen Hessen betheiligt waren, mitge ­ kämpft, in Amerika hat er sich als Kapitain in dem Jägerkorps reiche Lorbeeren verdient. Und wenn er später in Folge Zurücksetzung sich genöthigt sah, aus dem hessischen Kriegsdienste auszuscheiden und in den dänischen überzutreten, in welchem er es zu hohen Ehren bringen sollte, ist ihm doch sein altes Hnmathland Hessen stets theuer geblieben und nur mit schwerem Herzen erfüllte er, im Hinblicke auf das traurige Schicksal seiner Heimath während der französischen Fremd ­ herrschaft, die ihm gewordene Aufgabe, gegen Schill und den Herzog von Braunschweig kämpfen zu müssen. Doch nicht Ewald's Thätigkeit als dänischer General soll den Gegenstand unseres Artikels bilden, wir wollen uns hier nur mit seinen Leistungen im hessischen Dienste beschäftigen, und diese sind vollauf genug, um ihm unum ­ wunden die allgemeine Anerkennung zu sichern. Es geht ein eigener Zug durch sein Leben, der ungemein sympathisch berührt, und dem auch fast alle Militärschriftsteller jener Zeit beredten Aus ­ druck gegeben haben. Achtzig Jahre sind seit seinem Tode verflossen, — er starb am 25. Juni 1813 auf einem Landgute bei Kiel — aber sein Name ist auch bei uns in Hessen noch in gutem Andenken, und vor noch nicht zwei Jahren hat unser beliebter Schriftsteller Franz Trcller in seinem trefflichen Werke „Vergessene Helden" noch den Thaten Ewald's in Amerika in wür ­ digster Weise eine schöne Erinnerung gewidmet. Johann Ewald war am 30. März 1744 zu Kassel als Sohn des Rechnungsführers bei dem Oberpostamte Georg Heinrich Ewald und dessen Gattin Katharine Elisabeth, geb. Breit ­ haupt, geboren. Früh verlor er seine Eltern und seine Erziehung übernahm nach dem Tode derselben seine Großmutter, die einen sehr heil ­ samen Einfluß auf ihn ausübte und deren An ­ denken ihm zeitlebens theuer war. Seine un- bezwingliche Neigung zum Soldatenstande er ­ wachte schon in seiner frühesten Jugend und wurde genährt durch die kriegerischen Ereignisse, deren Schauplatz Hessen bald nach dem Aus ­ bruch des siebenjährigen Krieges wurde. Am 24. Juni 1760 trat er als Kadet in das hessische Infanterie-Regiment von Gilsa ein. Das Regiment nahm in diesem Jahre an den Aktionen von Korbach, Volkmarsen. Warburg rc. Theil und stieß im Februar 1761 zu dem von dem Grafen von Bückeburg befehligten Korps, welches die von den Franzosen besetzte Hauptstadt Hessens belagerte. Bei einem Ausfalle der Franzosen wurde Ewald durch eine Musketenkugel am rechten Beine oberhalb des Kniees verwundet. Unter vielen Beschwerden wurde er mit den anderen Verwundeten nach Ihringshausen, von da nach Höxter und schließlich nach Oldendorf gebracht, wo sich das große hessische Militär- Hospital befand. Hier wurde ihm die trefflichste Pflege zu Theil und gänzlich hergestellt traf er am 3. Juni 1761 wieder bei seinem Regimenté ein, das damals in der Gegend von Paderborn kantonnirte. Am 16. Juni wurde er in Be ­ lohnung seines guten Benehmens zum Fähnrich ernannt. In demselben Jahre wohnte Ewald noch den Affairen von Unna, Billingshausen, Kloster Bredelar, Höxter k. bei, sowie 1762 der Schlacht von Wilhelmsthal, dem Anfange der Belagerung von Kassel, und dem Gefechte bei der Brücker Mühle, womit der siebenjährige Krieg sein Ende fand. Nach dem Frieden erhielt das Regiment Gilsa die Festung Ziegenhain zur Garnison. Als Ewald 1764 einige Zeit auf Urlaub in Kassel sich befand, hatte er das Glück durch seinen militärischen Anstand und durch seine Gewandtheit die Aufmerksamkeit des General ­ adjutanten von Jungheim zu erregen und die Folge davon war, daß er am 30. Mai 1765 zum 3. Bataillon Garde versetzt wurde. Im Jahre 1766 wurde er zum Sekondelieutenant befördert. „Den Fähnrichtitel gegen den eines Lieutenants zu vertauschen", äußerte sich später Ewald, „ist für einen jungen und stolzen Offizier keine Kleinigkeit; die ganze Welt war mein in diesem Augenblicke". Im Jahre 1769 verordnete Landgraf Friedrich II., daß fernerhin das Offizierkorps der Garde nur aus Adeligen bestehen sollte. Ewald wurde in Folge dessen zum Leibregimente versetzt. Da sollte ihm in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 1770 ein schweres Mißgeschick be ­ gegnen, das er selbst in seinen hinterlassenen Papieren mit folgenden Worten erzählt: »Fröhlich und vergnügt betrat ich mit einigen Freunden den Gasthof zum Hof von England genannt. Wir speisten fröhlich zu Abend; aber ach! der edle Rebensaft brachte unser Blut in Wallung; wir geriethen in Wortwechsel, und ich schlug mich mit einem meiner Freunde im Dunkeln vor der Thüre. Ich wurde tödtlich verwundet und verlor das linke Auge. Kaum hatte der Schlag getroffen, so kamen wir sämmtlich wieder zur Besinnung; ich schwamm im Blute und meine Freunde vergossen Thränen. Aerzte und Chirurgen wurden zu Hülfe gerufen und man trug mich in meine Wohnung. Elf Tage stand mein Leben in Gefahr; ich mußte drei der schmerzhaftesten Operationen aushalten und meine Stube dreizehn Monate hüten. Diese Kur kostete eine bedeutende Summe Geldes, doch muß ich gestehen, daß der, welcher das