123 den sie zum Schöpffen Stuhl gethan haben, dem gemeinen Mann aufs den Eyd, den er seinem rechten Erb-Herrn gethan hat, und aufs die Trew und Pflicht, die er Weib und Kindern zu thun schuldig ist, der Wittibin auf jhr Wittibliche Ehr, der Jungfrawen auff jhr Jungsrüwliche Ehr, daß ein jedes allhie wolle rügen was rugbar sey, und hieher gehöret, ein Wahrheit für ein Wahrheit, ein Leumuth für ein Leumuth, ein Hörsagen für ein Hörsagen, und soll niemand unterlassen weder umb Gisst, Gaab, Ge- schencke, Nutz, Forcht, Haß, Freundschafft, Feind ­ schafft rc. oder vmb keiner Vrsachen willen, sondern wie ein jeder solches am Jüngsten Tag vor dem Richterstuhl Christi zu verantworten gedencket. X. Zum zehenden wird gefragt. Ob die Rüg geben sey, daß sie Krafft und Macht habe, und zum Rechten beständig sey? Antwort. Ja sie sey zum Rechten beständig genug, vnd habe wol Macht, sofern man ihr nachkomme, wie von Alters bräuchlich und Herkommen. Ende dieser Anweisung." A. Schwank. Aus Heimath und Fremde. In der Monatsversammlung des Ver ­ eins für hessische Geschichte und Landes ­ kunde vom 24. April führte cm Stelle des ver ­ hinderten Herrn Bibliothekars Di*. Brunner Herr Landesrath Dr. Knorz den Vorsitz. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils hielt Herr Dr. Hermann ®ternär den angekündigten Vortrag über »Leben und Wirken des hessischen Schriftstellers der Reformationszeit Hans Wilhelm Kirchhof" in Fortsetzung seiner bereits am 25. April vorigen Jahres im hessischen Geschichtsverein zu Kassel gehaltenen Vortrags über den nämlichen Gegenstand. Wie damals so wu'de auch diesmal dem Redner für dessen gediegenen, fesselnden Ausführungen lebhafter Beifall zu Theil, und der Vorsitzende widmete Herrn Dr. Diemar warme Worte des Dankes und der Anerkennung für die Entrollung des hochinteressanten Lebensbildes unseres hessischen Landsmannes H. W. Kirchhof. So eben erschien im Kommissions-Verlage von F. Wilisch's Buchhandlung (M. Westphal) zu Schmalkalden als elftes Heft der Zeitschrift des Vereins für Hennebergische Geschichte und Landes ­ kunde der G e sch ichts ka le n de r d er H errsch aft Schmalkalden. Dem Kalender selbst gehen Vereinsnachrichten voraus, welchen wir entnehmen, daß der Verein zur Zeit 6 Ehrenmitglieder, 81 in Schmal ­ kalden wohnhafte und 27 auswärtige Mitglieder zählt. Der Vorstand besteht aus den Herren Apotheker R. Matthias, Vorsitzender; Forstmeister Baustädt, stellvertretender Vorsitzender; Postsekretär I. Völker, Schriftführer, und Rentier E. Chr. Wolf, Kassierer. Man muß dem »Geschichtskalender" nach ­ rühmen, daß er mit großem Fleiße ausgearbeitet ist, und daß man sich mit Hülfe des Inhaltsverzeichnisses leicht in dem Merkchen orientiren kann. Den Schluß bildet eine chronologische Uebersicht der » großen Tage von Schmalkalden", wie es daselbst heißt, vom 7. Februar bis 6. März 1537, während welcher Zeit von den nach Schmalkalden berufenen evangelischen Fürsten und Ständen die »Schmalkaldischen Artikel" vereinbart wurden. Am 3. und 4. Mai feiert die Realschule zu Kassel, die mit dem Beginn dieses Semesters zu einer O b errealschule erhoben worden ist, ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Dem Festprogramm zu ­ folge findet am Mittwoch den 3 Mai eine Vor ­ feier, bestehend in einer musikalisch-dramatischen Abendunterhaltung, und am Donnerstag den 4. Mai Vormittags die Schulfeier, Nachmittags ein Festessen und Abends ein Kommers statt Die gesammte Feier wird im Stadtpark abgehalten. Die Theilltahme an der Gedenkfeier dieser Schule, die innigst mit der Kasseler Bürgerschaft verwachsen ist, verspricht eine sehr lebhafte zu werden. — Mit dem dies ­ jährigen Osterprogramm der Realschule war eine statistische Rückschau auf 100 Semester dieser Anstalt, von dem Direktor der letzteren, Herrn Dr. Karl Ackermann verfaßt, verbunden, welche in alpha ­ betischer Reihenfolge die Lebensskizzen der sämmtlichen Lehrer, die seit Ostern 1843 an ihr gewirkt haben, enthält. An das Lehrerverzeichniß schließen sich Uebersichten über die den Jahresprogrammen bet* gegebenen Abhandlungen und die bei öffentlichen Schulfeiern gehaltenen Reden an. Es folgen dann Tabellen über die Schülerfrequenz der einzelnen Klassen, eine graphische Darstellung der Gesammt- frequenz und das Verzeichniß der Abiturienten. Wir entnehmen der interessanten übersichtlichen Denk ­ schrift, daß die Zahl der Lehrer, die von der Er ­ öffnung der Realschule am 4. Mai 1843 bis zu Ostern 1893 an derselben gewirkt, 132, und die Zahl der Abiturienten während dem Zeitraum 735 beträgt. Universitätsnachrichten. An Stelle des Professors Dr. Max Lehmann, der wie s. Z. ge ­ meldet, dem an ihm ergangenen ehrenvollen Rufe an die Universität Leipzig Folge geleistet hat, ist der außer ­ ordentliche Professor Dr. A l b e r t N a u d e in Berlin zum ordentlichen Professor der Geschichte an der Uni ­ versität Marburg ernannt worden. — Der Lektor der französischen Sprache an dem romanisch ­ englischen Seminar der Universität Marburg